Grosser Landwirtschaftsbetrieb auf dem Gemeindegebiet Neckertal

Mit dem Verkauf der Barenegg in Hemberg geht ein aussergewöhnlicher Landwirtschaftsbetrieb vom Kanton St.Gallen in private Hände über. Der Hof gehörte während Jahrzehnten dem Kanton, da er ursprünglich Teil des landwirtschaftlichen Besitzes der Psychiatrischen Klinik Wil war.

Die Barenegg zählt zu den grössten Landwirtschaftsbetrieben im Toggenburg und umfasst rund 78 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche und Wald. Davon sind 41 Hektaren Wiesen und Weiden. Die Barenegg ist auch deshalb besonders, weil die ganze Fläche auf einem Grundstück liegt und damit bestens arrondiert ist. Zum Betrieb gehören ein Wohnhaus, ein Mutterkuh-Laufstall, ein Ferienhaus sowie 5 Ställe und Remisen. 

Bis 2025 war der Betrieb an den langjährigen Bewirtschafter und Hereford-Züchter Walter Fässler verpachtet. Dieser hatte sich vor rund 12 Jahren eine Pachterstreckung erkämpft und war Pächter auf der Barenegg bis zum 31. Dezember 2025. Anschliessend verliess er das Toggenburg und zog ins Calancatal im Kanton Graubünden.

Käufer-Paar aus Nesslau

Erst kurz vor dem Auszug des bisherigen Pächters führte der Kanton St.Gallen ein Verkaufsverfahren mit insgesamt drei Bieterrunden durch. In der ersten Bieterrunde bis zum 30. November 2025 gingen 74 Angebote ein. Den Zuschlag erhielten am 23. Juni 2026 Markus und Marianne Näf aus Nesslau. Sie erwerben den Landwirtschaftsbetrieb für 2,79 Millionen Franken. Das Paar beabsichtigt, die Barenegg weiterhin als produzierenden Landwirtschaftsbetrieb zu bewirtschaften. Die Eintragung im Grundbuch ist bereits Anfang Juli erfolgt, die neuen Eigentumsverhältnisse sind inzwischen auch im kantonalen Geoportal öffentlich ersichtlich.

SVP Toggenburg setzte sich früh ein

Die SVP Toggenburg setzte sich bereits früh dafür ein, dass die Barenegg an eine Bauernfamilie verkauft wird. Aus ihrer Sicht gehöre Kulturland in die Hände von Landwirten und nicht weiterhin ins Eigentum des Kantons, der in seinen weit entfernten St.Galler Büros damit nicht umzugehen wisse.

Kritisiert wurde insbesondere die Rolle des Kantons als Grundeigentümer und Verpächter. Nach Ansicht der SVP zeigte sich der Kanton nicht als sorgfältiger Verpächter, da er das Pachtende und somit die Nachfolge verschlafen habe. Gleichzeitig bestanden Pläne im Zusammenhang mit dem Entwicklungsgebiet Wil West, auf Teilen der Barenegg Vernässungen und ökologische Aufwertungen vorzunehmen.

Für die Toggenburger Kantonsräte war deshalb zentral, dass der Hof nicht an Naturschutzorganisationen oder Käufer mit einer vollständigen ökologischen Umnutzung verkauft wird, sondern an eine produzierende Bauernfamilie, welche den Betrieb langfristig landwirtschaftlich und im Sinne der Lebensmittelproduktion weiterführt.

Mehrere Vorstösse begleiteten den Verkaufsprozess

Der politische Druck auf die Regierung begann bereits am 24. April 2025. Damals reichte der Neckertaler SVP-Kantonsrat und Landwirt Bruno Schweizer den Vorstoss «Was geschieht mit dem Landwirtschaftsbetrieb Barenegg im Hemberg?» ein. Hintergrund war, dass die Regierung einen Verkauf damals noch nicht konkret ins Auge fasste.

Nachdem der Betrieb Anfang 2026 bereits leer stand – inklusive Wohnhaus – reichten am 16. Februar 2026 die sechs Toggenburger SVP-Kantonsräte einen weiteren Vorstoss ein. Christian Vogel (Dietfurt), Lukas Huber (Unterwasser), Fredy Louis (Ennetbühl), Mirco Gerig (Mosnang) sowie Bruno Schweizer (Brunnadern) verlangten, dass der grosse Landwirtschaftsbetrieb möglichst rasch an eine Bauernfamilie verkauft wird und weiterhin der Lebensmittelproduktion dient. Gleichzeitig wollten sie verhindern, dass Naturschutzorganisationen oder Käufer mit einer ausschliesslich ökologischen Nutzung den Zuschlag erhalten. Die Parlamentarier wollten auch sicherstellen, dass der Betrieb als Ganzes verkauft wird. Denn sie befürchteten, dass der Kanton – wie schon beim Betrieb Älpli bei der Hulftegg – den dazugehörigen grossen Wald abtrennen und zu seinem Staatswald erklären wolle. Im Vorstoss thematisierten die Kantonsräte zudem den drohenden Verlust der Direktzahlungen für das Jahr 2026 infolge des verzögerten Verkaufs. 

In einem weiteren Vorstoss im März 2026 kritisierten die Toggenburger SVP-Kantonsräte gemeinsam mit Mirco Rossi (Sevelen) zudem, dass sich im Frühjahr 2026 auf dem kantonseigenen Betrieb noch immer rund 4,5 Kilometer Stacheldraht befanden. Dabei gilt im Kanton St.Gallen ausserhalb der Alpflächen seit dem 1. Oktober 2025 zum Schutz der Wildtiere ein Verbot von Stacheldrahtzäune.

Antworten brachten weitere Mängel ans Licht

Die Antworten der St.Galler Regierung auf die parlamentarischen Vorstösse sorgten nach Ansicht der SVP für zusätzlichen politischen Zündstoff. Die Regierung wollte sich beim kilometerlangen Stacheldraht auf ihrem Eigentum selbst aber nicht anzeigen und versprach, allen Stacheldraht zu Lasten der Steuerzahler bis Ende April 2026 abzubrechen.

Als Folge des verzögerten Verkaufs entsteht für die neuen Eigentümer im Jahr 2026 ein vollständiger Ausfall der Direktzahlungen. Die Regierung lehnt hier einen Ersatz ab, der Käufer steht folglich 2026 ohne Direktzahlungen da. Gleichzeitig musste der Kanton im Frühling und Sommer für die Bewirtschaftung des leerstehenden Betriebes Lohnunternehmer einsetzen, deren Kosten letztlich vom Steuerzahler getragen wurden.

Weiter wurde bekannt, dass ein Ferienhaus auf der Liegenschaft über Jahre hinweg unentgeltlich von Kantonsmitarbeitenden genutzt worden war. Für Kritik sorgte schliesslich auch, dass alle anderen Kaufinteressenten gemäss den Antworten der Regierung beziehungsweise über das Toggenburger Tagblatt vom bereits erfolgten Verkauf erfuhren.

Kapitel Barenegg abgeschlossen

Mit dem abgeschlossenen Verkauf bleibt der Betrieb in bäuerlicher Hand und wird weiterhin der Lebensmittelproduktion dienen. Damit ist auch das politische Seilziehen um die Zukunft der Barenegg beendet. Die Diskussion über den Umgang des Kantons mit landwirtschaftlichem Grundeigentum dürfte den St.Galler Kantonsrat jedoch weiterhin beschäftigen.