In Genf in der Schweiz hat die dritte Verhandlungsrunde zwischen den USA und dem Iran begonnen. Das berichteten iranische Staatsmedien. Ziel der Gespräche ist es, eine Lösung im seit Jahrzehnten andauernden Streit über das iranische Atomprogramm zu finden. Nach drei Stunden wurden die Beratungen am Mittag unterbrochen. Die Delegationen beider Staaten kämen nun jeweils zu eigenen Beratungen zusammen, berichtete die iranische Nachrichtenagentur Tasnim. Am Abend sollen die Verhandlungen demnach fortgesetzt werden.

US-Präsident Donald Trump hat für den Fall eines Scheiterns mit einem Militärschlag gedroht, zugleich aber betont, er bevorzuge eine diplomatische Einigung. Parallel dazu ordnete er einen massiven Truppenaufmarsch im Nahen Osten an. Mehrere Staaten zogen aus Sorge vor einer militärischen Eskalation Personal aus der Region ab. Zahlreiche Staaten raten von Reisen in den Iran ab.

Teheran signalisiert Flexibilität

Kurz vor Beginn der neuen Runde sagte Teheran zu, «ernsthaft und flexibel» in die Gespräche zu gehen. Die Führung zeigte sich bereit, ihr Nuklearprogramm zu begrenzen, fordert im Gegenzug jedoch die Aufhebung harter Wirtschaftssanktionen.

Irans Präsident Massud Peseschkian wies erneut Vorwürfe zurück, sein Land strebe heimlich nach Atomwaffen. Der oberste Führer Ali Chamenei habe Massenvernichtungswaffen verboten. Das bedeute ganz klar, «dass Teheran keine Atomwaffen entwickeln wird». Chamenei hat im politischen System Irans bei strategischen Fragen wie dem Atomprogramm das letzte Wort.

Gespräch zwischen dem Außenminister des Oman Badr al-Bussaidi (r.) und seinem Kollegen aus dem Iran, Abbas Araghtschi, vor Verhandlungen mit den USA in Genf<span class="copyright">Omani Foreign Ministry/AFP</span>

Gespräch zwischen dem Außenminister des Oman Badr al-Bussaidi (r.) und seinem Kollegen aus dem Iran, Abbas Araghtschi, vor Verhandlungen mit den USA in GenfOmani Foreign Ministry/AFP

In den USA, anderen westlichen Staaten und bei Irans Erzfeind Israel bleibt das Misstrauen dennoch groß. Washington fordert über das Atomprogramm hinaus auch Verhandlungen über das iranische Raketenarsenal. Außenminister Marco Rubio bezeichnete die Weigerung Teherans, darüber zu sprechen, als «großes Problem». Die Raketen seien «einzig dazu bestimmt, Amerika anzugreifen» und bedrohten die regionale Stabilität.

Ein Sprecher des iranischen Außenministeriums stellte dagegen im Gespräch mit dem Sender Press TV klar, die Verhandlungen konzentrierten sich ausschließlich auf Nuklearfragen und die Aufhebung von Sanktionen.

Sicherheitsvorkehrungen vor der Residenz des omanischen Botschafters in Genf<span class="copyright">Martial Trezzini/KEYSTONE/dpa/picture alliance</span>

Sicherheitsvorkehrungen vor der Residenz des omanischen Botschafters in GenfMartial Trezzini/KEYSTONE/dpa/picture alliance

Der Iran unterliegt umfangreichen internationalen Sanktionen, die die Wirtschaft schwer belasten. Inflation, Währungsverfall und Arbeitslosigkeit haben die soziale Lage verschärft. Zuletzt sah sich die Führung erneut mit Massenprotesten konfrontiert, die gewaltsam niedergeschlagen wurden. Zahlreiche Menschen kamen dabei ums Leben.

Vermittlung durch Oman

An den indirekten Gesprächen in Genf nehmen auf US-Seite der Sondergesandte Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner teil. Die iranische Delegation wird von Außenminister Abbas Araghtschi geleitet.

Als Vermittler fungiert erneut Omans Außenminister Badr al-Bussaidi. Verhandlungsort ist die Residenz des omanischen Botschafters in Genf. Ziel ist es, nach Monaten der Blockade einen Ausweg aus der diplomatischen Sackgasse zu finden. «Ein Abkommen ist in Reichweite, aber nur, wenn die Diplomatie Vorrang hat», erklärte Araghtschi auf der Plattform X.

Araghtschi traf Omans Außenminister al-Bussaidi bereits am Mittwochabend nach seiner Ankunft in Genf. Die beiden Chefdiplomaten besprachen einen ersten Entwurf der iranischen Seite für ein neues Abkommen, meldete eine omanische Nachrichtenagentur. Al-Bussaidi wolle diese an diesem Donnerstag zunächst der amerikanischen Seite präsentieren.

Ankunft der iranischen Delegation an der Residenz des omanischen Botschafters in Genf<span class="copyright">Martial Trezzini/KEYSTONE/dpa/picture alliance</span>

Ankunft der iranischen Delegation an der Residenz des omanischen Botschafters in GenfMartial Trezzini/KEYSTONE/dpa/picture alliance

Auch der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, ist eingebunden. Iranische Medien zeigten ihn am Donnerstagmorgen bei einem Treffen mit al-Bussaidi. Zuvor hatte dieser bereits mit Witkoff und Kushner gesprochen. Man habe «Perspektiven und Vorschläge der iranischen Seite» sowie entsprechende Reaktionen der USA erörtert, teilte das omanische Außenministerium mit.

Militärische Drohkulisse wächst

Die Furcht vor einer militärischen Eskalation beschäftigt Politik und Finanzmärkte gleichermaßen. Trump hatte am 19. Februar eine Einigung binnen zehn bis 15 Tagen gefordert. Andernfalls würden «sehr schlimme Dinge» geschehen.

US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford verlässt die Souda-Bucht der griechischen Insel Kreta<span class="copyright">Costas Metaxakis/AFP</span>

US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford verlässt die Souda-Bucht der griechischen Insel KretaCostas Metaxakis/AFP

Gleichzeitig läuft die größte US-Militärverlegung in den Nahen Osten seit der Irak-Invasion 2003. Der Flugzeugträger USS Gerald R. Ford verließ am Donnerstag einen Hafen nahe der griechischen Insel Kreta und wird vor der nordisraelischen Küste erwartet.

Zudem verlegten die USA nach Angaben eines US-Vertreters rund ein Dutzend F-22-Kampfjets nach Israel. Das Pentagon äußerte sich dazu nicht. Bereits im Juni vergangenen Jahres hatten die USA gemeinsam mit Israel iranische Atomanlagen angegriffen. Für den Fall eines erneuten Angriffs drohte Teheran mit scharfer Vergeltung.

US-Tankflugzeuge am Flughafen Ben Gurion in Israel<span class="copyright">Gideon Markowicz/Anadolu/picture alliance</span>

US-Tankflugzeuge am Flughafen Ben Gurion in IsraelGideon Markowicz/Anadolu/picture alliance

Die Ölpreise zogen am Donnerstag leicht an. Händler befürchten Lieferunterbrechungen im Falle eines militärischen Konflikts. Nach Angaben eines Insiders erhöht Saudi-Arabien vorsorglich seine Ölproduktion und -exporte, um möglichen Engpässen entgegenzuwirken.

pgr/haz (rtr, afp, dpa)