Adressen landen im Netz

Was Danger Dan besingt, wird bei der AfD Hamburg Realität

Aktualisiert am 20.07.2026 – 07:01 UhrLesedauer: 3 Min.

Auf einem Laptop wurde der Facebook-Account der Bezirksfraktion Hamburg-Harburg der Partei Alternative für Deutschland AfD geöffnet (Symbolbild): In Hamburg sind die Adressen von drei AfD-Politikern geleaked worden.Vergrößern des Bildes

Auf einem Laptop wurde der Facebook-Account der Bezirksfraktion Hamburg-Harburg der Partei Alternative für Deutschland AfD geöffnet (Symbolbild): In Hamburg sind die Adressen von drei AfD-Politikern geleaked worden. (Quelle: IMAGO/BODE)

Vorlesen

Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00

1x

Jetzt neu bei t-online:

Schriftgröße anpassen!

Artikel teilen

Ein Song entfacht eine Debatte über Kunstfreiheit und Gewalt. Dann geschieht bei der AfD Hamburg genau das, wovon der umstrittene Text handelt.

Während bundesweit über den Song «Keine Angst» des Musikers Danger Dan gestritten wird, ist bei der AfD Hamburg eingetreten, was das Lied beschreibt: Die Adressen von drei Politikern der Partei tauchen im Internet auf. Ob dies mit dem Lied in Zusammenhang steht, ist aber nicht bekannt.

Nach Darstellung der Partei erschien der Beitrag am Donnerstag, 16. Juli, auf der Plattform Indymedia, die der Verfassungsschutz als linksextremistisch einstuft – einen Tag vor dem Erscheinen des Liedes. Als «Faschisten» bezeichnet, wurden auf der Plattform drei Hamburger AfD-Politiker mit Namen, Funktion und privater Anschrift geführt und mit ausführlichen politischen Bewertungen versehen. Betroffen sind den Angaben zufolge Mandats- und Vorstandsträger aus mehreren Bezirken, unter ihnen ein Bürgerschaftsabgeordneter. Bei einem der Betroffenen tauchten der Partei zufolge kurz darauf in seinem Wohnumfeld Aufkleber auf, die sein Foto und die genaue Adresse zeigten.

AfD Hamburg schaltet nach Veröffentlichung Polizei ein

Brisant ist der Vorgang, weil eben solche Methoden im Song von Danger Dan vorkommen – jenem Lied, dessen Ausstrahlung das ZDF zuvor abgelehnt hatte. Die Veröffentlichung persönlicher Daten im Netz, das sogenannte Doxing, greift der Text ausdrücklich auf. Dort heißt es: «Faschos leben abgeschottet, sie leben im Wahn / Mit Argumenten kommt man meistens nicht mehr an sie ran / Die Erfahrung zeigt, dass aber trotzdem doch etwas passiert / Wenn man ihr gesamtes Umfeld kontaktiert / Früher nannte man so etwas ‚Outingaktion‘ / Es hing‘n Flyer und Plakate in den Vierteln, wo sie wohn‘n / Mit Fotos und Funktion‘n, mit Nam‘n und mit Adressen.»

Solche «Outingaktionen» hat die Hamburger AfD nach eigenen Angaben schon früher erlebt. Im aktuellen Fall habe man die Polizei eingeschaltet, die betroffenen Mandatsträger hätten Anzeige erstattet, sagte Fraktionssprecherin Lucie Antoniadis.

«Satiresendung muss sich mit Themen auseinandersetzen können»

Zu Wort meldete sich Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), der den Song auf Social Media mit einem «Herzchen» markiert und so das Interesse der Medien geweckt hatte, berichtet das «Abendblatt». Die Veröffentlichung der Adressen verurteilte er gegenüber der Zeitung scharf: «Solche Aktionen sind absolut inakzeptabel.» Die Veröffentlichung von Adressen oder körperliche Gewalt schadeten dem eigenen Anliegen sogar: «Solche Aktionen befeuern den Opfermythos der AfD – sie sind gefährlich und kontraproduktiv.»