Seit über zehn Jahren gab es keinen neuen Teil der Rhythm Heaven Reihe mehr, in Europa besser bekannt als Rhythm Paradise. Nun ist mit Rhythm Paradise Groove aber der neueste Ableger da und ich konnte endlich das erste Mal in die Reihe reinschnuppern. Wie mein erster Ausflug in das kunterbunte Rhythmusspiel war und ob ich das Ganze empfehlen kann, habe ich versucht, mal in den nächsten Zeilen runterzubrechen.

 

Was passiert hier??

Rhythm Paradise Groove verzichtet auf eine große Geschichte. Stattdessen bekommt man eine bunte Sammlung kleiner, oft skurriler Minispiele, in denen man Knöpfe im Takt der Musik drücken muss. Anders als bei den meisten Rhythmusspielen verlässt man sich hier weniger auf das Auge und mehr auf das Ohr. Manchmal versucht der Titel sogar, mit visuellen Fallstricken aus dem Konzept zu bringen. Das Grundprinzip hat sich also nicht geändert. Fans wissen, was sie bekommen.

Insgesamt habe ich mich durch die 80 Einzelspieler-Minispiele geschlagen. Vom Fangen fliegender Gemüsesorten über das Schwingen von Vorschlaghämmern bis hin zum Abprallenlassen von Früchten am eigenen Bizeps ist einiges dabei, das überrascht. Charmant, abgedreht, aber immer irgendwie spaßig. Aber wie genau funktioniert das jetzt?

Rhythm Paradise Groove

Bild © Nintendo

 

One, two, three, four

Ein Teil der Minispiele hat mich wirklich begeistert. Manche wirken auf den ersten Blick simpel, entpuppen sich beim genaueren Hinhören aber als kleine Tricks für die eigene Wahrnehmung, etwa wenn das Spiel bewusst versucht, das Auge in die Irre zu führen. Diese Momente gehören für mich zu den stärksten des gesamten Pakets. Daneben gibt es aber auch eine ganze Reihe an Minispielen, die mich eher kaltgelassen haben, weil sie über ein nettes, aber letztlich austauschbares Konzept nicht hinauskommen oder musikalisch dann doch zu eindimensional daherkommen. Denn letztlich lebt der Titel von seiner Absurdität der Minispiele und davon, wie diese mit der Musik harmonieren, zu der man im Takt eben die richtigen Buttons drücken muss. Das beherrscht das Spiel auch oft, aber nicht immer.

Neu im Vergleich zu älteren Teilen ist, dass die klassischen Extra-Spiele fehlen. An ihrer Stelle gibt es nun einen Score-Attack-Modus, in dem man sein Können in bereits gemeisterten Minispielen unter Beweis stellen kann. Auch die früheren Endlosspiele wurden gestrichen. Stattdessen kehren die Drum-Lessons zurück, eine nette Ergänzung für Einsteiger, die aber inhaltlich schnell an Substanz verliert, sobald man das Grundprinzip einmal verstanden hat.

Rhythm Paradise Groove

Bild © Nintendo

 

Charmant bekloppt

Durch das gesamte Spiel führt Lil‘ Miss Reeds, die sämtliche Texte kommentiert. Ihre Kommentare fand ich in den ersten Stunden charmant, nach einiger Zeit aber zunehmend anstrengend, weil sich vieles wiederholt. Zum Glück lässt sich ihre ausführliche Erzählung in den Optionen abschalten, was ich nach einer Weile auch getan habe.

Auffällig ist außerdem, dass es dieses Mal nur einen einzigen Speicherstand gibt, obwohl die Switch mehrere Nutzerprofile unterstützt. Für einen Familienhaushalt ist das schlicht ein Rückschritt. Grundsätzlich präsentiert sich der Titel aber bunt und humorvoll. Das ist für mich auch eine sehr große Stärke, denn irgendwie kann man den Charme des Spiels nur lieben. Ich mag auch total, wie die Spielfiguren designt und animiert sind. Es trifft schon einen eigenen Stil, aber ein wenig erinnerte mich der liebevolle Wahnsinn auch an Wario Ware.

Rhythm Paradise Groove

Bild © Nintendo

 

Ohrenschmaus?

Die Musik bleibt der stärkste Aspekt des Spiels. Tsunku hat wieder einen Soundtrack komponiert, der eingängig und verspielt ist. Jedes Minispiel hat seinen eigenen musikalischen Charakter, und dieser Charakter liefert einem am Ende auch die Lösung der jeweiligen Herausforderung. Die Qualität der Songs würde ich jedoch als sehr schwankend bezeichnen. Mal fühlte ich mich gezwungen mitzusummen, weil die Melodie so unfassbar eingängig war. In anderen Situationen plätscherte sie für mein Empfinden nur ein wenig daher und bewies dann nicht genügend Tragweite, um mich für das Minispiel begeistern zu können. Somit trifft hier durchaus Licht und Schatten aufeinander. Unterm Strich würde ich die Musikauswahl aber dennoch als „gut“ bezeichnen. Ich habe aber auch durchaus schon Rhythmus-Games mit einer interessanteren und in der Breite stärkeren Musikauswahl gespielt.

Rhythm Paradise Groove

Bild © Nintendo

 

Leichter Einstieg, leichtes Game?

Der Einstieg fällt leicht. Die ersten Spiele sind sehr simpel und die Eingaben funktionieren meist auf einem simplen 4/4-Takt. Die Kurve zieht zwar an, jedoch braucht das so seine Zeit. Sobald man tiefer in die Sammlung eintaucht, stößt man auch auf das ein oder andere schwierigere Spiel. Unterm Strich würde ich das Gesamtpaket aber als eher einfach einstufen, wenn man ein gewisses Rhythmusgefühl mitbringt. Entscheidend ist hier die Kalibrierung des Sounds, sodass es keine Eingabeverzögerung gibt. Das funktioniert sehr einfach zum Start des Spiels oder in den Einstellungen.

Neben dem umfangreichen Einzelspielerangebot gibt es aber auch noch einige wenige Mehrspielerherausforderungen. Der Umfang ist hier deutlich überschaubarer als im Hauptmodus und wirkt eher wie eine nette Dreingabe als wie ein vollwertiger Modus. Dafür hatte ich aber auch nochmal mehr Spaß! Zu den abgedrehten Minispielen kommt dann eben die Gruppendynamik hinzu, die sich bei der Art von Spiel auch gut entfaltet und für noch einen Tick mehr Laune sorgt, als im Solo-Modus. Denn dann wird Ryhthm Paradise Groove mehr zu einem Party Game. Leider bleibt das Potenzial etwas ungenutzt. Denn hier könnte man mit einer größeren Auswahl, als auch verschiedenen Modi, ein durchaus dickes und attraktives Paket schnüren. Da ist für die Zukunft auf jeden Fall noch einiges möglich und ich hoffe, dass man die Chance auch für sich nutzt.

Fazit zu Rhythm Paradise Groove

Rhythm Paradise Groove hat mich, als kompletten Neuling der Reihe, auf jeden Fall abholen können. Die Musik trägt weite Teile des Spiels, und einige Minispiele haben mich in ihrer Kreativität auf jeden Fall begeistern können. Vor allem gefallen mir der Charme und der Humor, was das Spiel so unfassbar sympathisch macht. Gleichzeitig stören mich aber auch einige Faktoren. Denn nicht immer konnte mich die Musik hooken. Nicht immer brachten die Minispiele die gewünschte Abwechslung mit sich. Und der recht niedrige Schwierigkeitsgrad über weite Teile des Spiels, ist für Veteranen des Genres sicher ein Minuspunkt.

Etwas schade finde ich, dass der Multiplayer so spärlich daherkommt. Weil das, was enthalten ist, gefällt mir richtig gut. Bitte mehr davon! Ich hoffe, dass das Potenzial hier in Zukunft genutzt wird.

Wer die Serie liebt oder generell Lust auf kurze, musikalisch geprägte Herausforderungen hat, kann jedoch bedenkenlos zugreifen. Wer jedoch nach einer großen Weiterentwicklung des altbekannten Konzepts sucht, wird hier eher Bestätigung des Gewohnten finden als echte Überraschungen. Die kostenlose Demo mit den ersten fünf Minispielen und einer Mehrspielerherausforderung eignet sich gut, um vor dem Kauf selbst ein Gefühl dafür zu bekommen, ob einen das Spiel über die gesamte Laufzeit tragen kann.

 

Christian Koitka (Redakteur)