The Show Must Go On» – zumindest beim Stars in Town, das bei den Zürchern äusserst beliebt ist. Denn während das Zürich Openair 2026 eine Pause einlegt, steht Stars in Town  vor seiner nächsten grossen Ausgabe. Ab dem 29. Juli werden internationale Grössen wie Sting, Lenny Kravitz und Lewis Capaldi den Herrenacker inmitten der malerischen Altstadt Schaffhausen zum Beben bringen – begleitet von Schweizer Publikumslieblingen wie Baschi und Lo & Leduc. Doch der Glanz der grossen Namen erzählt nur die halbe Geschichte. Steigende Künstlergagen, ein zunehmend umkämpfter Festivalmarkt und der Spagat zwischen wirtschaftlichem Erfolg und regionaler Identität stellen auch erfolgreiche Festivals vor neue Herausforderungen. Wie behauptet sich Stars in Town in diesem Umfeld – und wie sieht die Zukunft der Schweizer Festivallandschaft aus? Zehn Fragen an das Gadget-Team.

Gadget steht heute hinter einigen der bedeutendsten Festivals der Schweiz. Wird die Bündelung von Know-how und Netzwerken in Zukunft eher zur Regel als zur Ausnahme werden?

Die Anforderungen an Festivals sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – sei es beim Booking, bei der Sicherheit, den steigenden Produktionskosten oder der Nachhaltigkeit. Da sind Kooperationen und der Austausch von Know-how sehr wertvoll. Gleichzeitig bleibt jedes Festival eigenständig und einzigartig. Der Erfolg hängt davon ab, ob es eine klare Identität hat und sein Publikum authentisch anspricht.

Das Zürich Openair pausiert 2026, gleichzeitig kämpfen viele Festivals mit steigenden Künstlergagen und Produktionskosten. Erleben wir derzeit einen eigentlichen Umbruch in der Schweizer Festival-Landschaft?

Die Festivalbranche ist definitiv im Wandel. Die Kosten sind in vielen Bereichen gestiegen, gleichzeitig haben sich auch die Erwartungen des Publikums verändert. Festivals müssen heute wirtschaftlich sehr sorgfältig planen und sich gleichzeitig stetig weiterentwickeln und an den Bedürfnissen des Publikums orientieren. Starke und klar positionierte Veranstaltungen können sich in der aktuellen Phase behaupten.

Welchen Mehrwert bietet Stars in Town heute auch für das Zürcher Publikum? Weshalb sollte jemand aus Zürich ans Stars in Town reisen?

Stars in Town bietet ein einmaliges Festivalerlebnis: Die historische Altstadt als Kulisse schafft eine ganz besondere, intime Atmosphäre. Dazu kommt ein hochwertiges Programm, eine zweite Bühne mit CH-Talenten, kurze Wege und die Möglichkeit, einen Konzertbesuch mit einem Ausflug oder einer Übernachtung in der Region zu verbinden. Viele Gäste schätzen genau diese Kombination.

Internationale Künstler sind heute so gefragt wie nie zuvor. Wie stark hat sich das Booking-Geschäft in den vergangenen fünf Jahren verändert?

Das Booking ist deutlich anspruchsvoller geworden. Internationale Tourneen werden langfristiger geplant, die Konkurrenz um die Acts ist grösser, Headliner spielen ihre eigenen Touren und keine Festivals und zudem haben sich die Gagen teilweise stark erhöht. Umso wichtiger sind Erfahrung, ein gutes Netzwerk und eine realistische Planung.

Steigende Ticketpreise beschäftigen viele Besucherinnen und Besucher. Wo liegt für Sie die Grenze dessen, was ein Festivalticket künftig kosten darf?

Ein Ticket muss für das Publikum nachvollziehbar und fair sein. Gleichzeitig müssen Festivals kostendeckend arbeiten können. Unser Anspruch ist es, ein qualitativ hochwertiges Gesamterlebnis zu bieten, bei dem die Besucher:innen das Gefühl haben, dass Preis und Leistung stimmen. Diese Balance ist entscheidend.

Besteht die Gefahr, dass kleinere und unabhängige Festivals im Wettbewerb mit grossen Veranstaltern und internationalen Netzwerken langfristig verschwinden werden?

Die Rahmenbedingungen sind anspruchsvoller geworden, das ist unbestritten. Gleichzeitig lebt die Schweizer Festivallandschaft gerade von ihrer Vielfalt. Viele kleinere Festivals sind stark regional verankert und dürfen auf ein treues Publikum zählen. Das kann ein grosser Vorteil sein. Entscheidend ist letztlich, dass jedes Festival seine eigene Positionierung konsequent verfolgt.

Gadget verfügt über ein schweizweites Festival-Netzwerk. Welche konkreten Synergien profitieren Stars in Town daraus – und wo legen Sie bewusst Wert auf Eigenständigkeit?

Wir profitieren vom grossen Know-how innerhalb von Gadget – etwa von einem grossen Netzwerk im Booking, bei Produktionsprozessen oder im Austausch von Erfahrungen. Gleichzeitig bleibt Stars in Town in seiner Ausrichtung, von der Organisation, seiner Atmosphäre und seiner regionalen Verankerung eigenständig. Die Identität des Festivals entsteht in Schaffhausen und genau so soll es auch bleiben.

Wenn Sie heute ein neues Festival gründen müssten: Wäre das unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen überhaupt noch möglich?

Die Festivaldichte in der Schweiz ist nach wie vor sehr hoch, was auch daran liegt, dass nach wie vor sehr viele neue spannende Festivals und Events entstehen. Die Einstiegshürden für grössere Festivals sind allerdings auf jeden Fall heute höher: finanziell und organisatorisch. Wer heute ein neues Festival lanciert, braucht ein überzeugendes Konzept, eine klare Positionierung sowie viel Leidenschaft und Durchhaltewillen.

Wo sehen Sie die grössten Herausforderungen der kommenden zehn Jahre – beim Publikum, bei den Künstlergagen oder bei der Wirtschaftlichkeit der Festivals?

Es ist das Zusammenspiel all dieser Faktoren. Die Gagen bleiben hoch, gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Experience, Infrastruktur, Sicherheit und Nachhaltigkeit. Das Publikum erwartet ein hochwertiges Erlebnis und entscheidet oft kurzfristiger als früher. Die grösste Herausforderung wird sein, diese Entwicklungen wirtschaftlich miteinander in Einklang zu bringen.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Woran erkennen die Gründer, dass es immer noch ‚ihr‘ Stars in Town ist?

Der Gründer Adrian Brugger ist wie bisher der Festivaldirektor, Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident des Festivals. Mit seinem Organisationsteam, welches tief in Schaffhausen verankert ist realisieren sie seit 15 Jahren Stars in Town. Die wahren Gastgeber:innen sind all unsere freiwilligen Helfer:innen aus der Umgebung, unsere Festivalfamilie. Da sind viele seit Beginn dabei und prägen die persönliche Atmosphäre des Festivals wesentlich mit. Das Festival lebt von der einzigartigen Atmosphäre in der Schaffhauser Altstadt, von der Nähe zwischen Publikum und Artists und vom starken Einbezug der Region.