Und wieder treibt uns das Thema Netzwerkverbindung beim Streaming um. Wie im Test des Lumin N1 angekündigt, möchten wir Ihnen hier nun eine weitere Lösung zur LAN-Optimierung vorstellen. Beim Reiki SuperSwitch X, den es in verschiedenen Ausbaustufen gibt, handelt es sich um ein absolutes High-End-Produkt für Kenner, die schon vieles probiert haben und bereit sind, für die letzte Konsequenz in Sachen Klangtuning tief in die Tasche zu greifen. Aber auch Einsteiger in die Thematik sollten beim Blick auf den Preis nicht gleich weg klicken, denn es gibt weitere Hintergrundinformationen zu erforschen, warum es sich lohnt, die Netzwerkverbindung in einem Audiosystem mit großer Sorgfalt zu betrachten. Im Anschluss finden Sie ein Interview mit dem Reiki-Gründer Nigel Bell.

Reiki? Nie gehört!

Falls das Ihre erste Reaktion auf den Namen war, mir ging es genauso. Klingt irgendwie japanisch – und ist es auch. Aber auch wieder nicht. Reiki ist laut Webseite des Herstellers „eine japanische Form der Heilkunst, die auf der Neuausrichtung der Energie basiert und auf Prinzipien und Praktiken zurückgreift, deren Ursprünge 2500 Jahre zurückreichen.“ Und: „Unser Logo-Symbol ist von „Cho-ku-rei“ inspiriert, dem Reiki-Symbol für zielgerichtete Energie. Uns gefällt die Ähnlichkeit mit einem Violinschlüssel.“

Reiki SuperSwitch XBlockbildung à la Reiki: Der SuperSwitch X (oben) und das optionale Netzteil PSU X. Der Kleine ist das Hirn, der Große die Muskeln (Foto: F. Borowski)

Oha! Das klingt so explizit esoterisch, dass ich schon befürchtet habe, mir hier so einen „Spritmagneten“ ins Haus geholt zu haben, der Wunder beim Kraftstoffsparen verspricht, in Wahrheit aber nur Abzocke ist. Ich kann auch verstehen, wenn manche mir nach diesem Artikel immer noch nicht abnehmen wollen, dass so viel Geld für einen „Ethernet-Filter“ zu rechtfertigen sein soll. Doch ich persönlich war von der Wirkung dieses Switches und dem optionalen Netzwerkkabel JundoStream Reference tief beeindruckt.

Der Markenname mag japanischen Ursprungs sein, doch hinter dem vor erst vier Jahren gegründeten Unternehmen steckt ein Brite: Nigel Bell heißt der Mann, der auf dem Gebiet der IT-Technik nicht ganz unerfahren ist. Siehe Interview im Anschluss.

Um ein besseres Verständnis für das allgemeine Thema Netzwerkverbindungen in Audiosystemen zu erlangen, und als Vorgeschichte, empfehle ich Ihnen, auch den erst kürzlich veröffentlichten Testbericht des Lumin N1 zu lesen. Ich knüpfe hier thematisch teilweise daran an.

Im Test des Reiki hatte ich diese Ausstattung und Zubehöre, auf die ich im Folgenden genauer eingehen werde:

Macht summa summarum 11.140 Euro für das getestete Ensemble.

Reiki SuperSwitch X: der Switch, der keiner ist

Was ein Switch ist, habe ich schon mehrfach erklärt: Einfach gesagt eine Art Verteilersteckdose für Netzwerkdaten über LAN-Kabel oder andere Verbindungsarten, wie SFP. Der Reiki SuperSwitch X ist aber genau betrachtet – trotz seines Namens – kein Netzwerkverteiler, denn er hat in seiner Grundausstattung nur zwei Ports: einen für die Verbindung vom Router und einen zum Anschluss eines Endgerätes. Eine Verteilung von Netzwerkdaten auf mehrere Endgeräte ist damit nicht möglich und somit ist es auch kein Switch im herkömmlichen Sinne, sondern eher eine Art Filter. Das hat natürlich seinen Grund.

Reiki SuperSwitch XMit etwas Abstand auf dem Rack betrachtet werden die Größenverhältnisse der Reiki-Lösung erkennbar (Foto: F. Borowski)

Wahlweise liefert Reiki den SuperSwitch X auch mit drei Ports aus, sodass zumindest ein weiteres Endgerät versorgt werden kann. Etwa ein Roon Server. Dann ist es auch ein Switch, wenn auch nur ein funktional sehr limitierter. Reiki empfiehlt die Drei-Port-Option nur dann, wenn Sie am zusätzlichen Port auch wirklich dauerhaft ein Gerät anschließen wollen, sonst sollte man es besser bei der Normalausführung mit zwei Ports belassen. Der Grund dafür liegt im Konzept des SuperSwitch X selbst. 

Bei Netzwerktechnik für Audio geht es in erster Linie darum, Signalrauschen zu vermeiden, das aus unterschiedlichen Quellen das Signal degradieren kann. Beim Reiki SuperSwitch X dreht sich fast alles um maximale Abschirmung und Protektion vor allen erdenklichen äußeren Einflüssen. So sind beispielsweise offene, unbelegte Ports ein riesiges Einfallstor für Elektromagnetische- und Funkstrahlung (EMI/RFI) – als würde man bei Sturm sämtliche Fenster offen haben. 

In Sachen EMI/RFI herrscht in unserer Atmosphäre ständig Sturm. Radiowellen und Funksignale aller Art von WLAN/Router & LAN-Brücken, Mobilfunk, Bluetooth, DECT, Zigbee, TV-/Sat-/Streaming-Geräte, Mikrowelle, PCs etc. bis hin zu überall verlegten Kabeln, die ebenfalls EMV-technisch strahlen. Dazu kommt Strahlung aus Industrie und Medizin sowie natürliche Strahlung. 

Das Wissen um die Einfallsmöglichkeit über offene Ports ist nicht neu. Viele Hersteller vernachlässigen es jedoch weitgehend, um den Komfort und den Funktionsumfang nicht einzuschränken und im Falle von Switches lieber ausreichend viele Anschlussports zu bieten. Einige Hersteller bieten als Lösung zur Terminierung offener Ports spezielle Blindstecker an. Manchmal sind das einfach nur simple Kappen, die außer Staubschutz gar nichts bringen. Gelegentlich sind es RJ45-Stecker mit einer Art Abschlusswiderstand im Gehäuse, und in seltenen Fällen (wie beispielsweise bei Ansuz) sind es höchst aufwendig gemachte Abschlussstecker mit Spulen und Resonatoren im Inneren, die einfallende Frequenzen nicht einfach blockieren, sondern am Gerät auslöschen sollen. Sie wirken quasi wie „Anti-Antennen“. Ich habe diese Stecker schon mehrfach ausprobiert und sie wirken tatsächlich.

Reiki geht die Sache anders an, und zwar direkt an der Wurzel, indem sie knallhart einfach nur so viele Ports einbauen, wie zum Betrieb eines einzelnen Streamers erforderlich ist. Und warum auch nicht? Tatsächlich dürften die allerwenigsten Besitzer herkömmlicher Switches alle Ports permanent belegt haben. Auch ich nutze selten alle verfügbaren Anschlüsse an meinem derzeitigen Referenz-Switch, dem Dela S50, obwohl ich hier neben einem Roon Server, dem Streamer und einem TV auch ständig wechselnde Testgeräte verbunden habe. Auch manche Endstufen haben inzwischen LAN-Ports, um Konfigurationen über ein Webinterface vornehmen zu können. Beim DELA können unbenutzte Ports ganz einfach komplett abgeschaltet und so aus der Gleichung herausgenommen werden. Eine Möglichkeit, die bislang leider nur sehr wenige Switches für Audiozwecke nutzen. Aber eine Abschaltung allein verschließt ja noch nicht das Gehäuse.

Reiki SuperSwitch XMit lediglich zwei Ports ist der Switch (oben) eigentlich eher ein Filter als ein Verteiler. Optional ist er auch mit drei Ports erhältlich (Foto: F. Borowski)

Der SuperSwitch X ist nicht der Erste seiner Art, sondern Nachfolger des SuperSwitch ohne „X“. Beim neuen Modell legt Bell noch eine Schippe in Sachen Abschirmung oben drauf. Wie zuvor besteht das Gehäuse aus einem massiven Alublock, ist aber mit jetzt einem vollen Zentimeter Wandstärke rundum doppelt so dick wie zuvor. Das ist noch nicht alles, um unerwünschte Strahlung draußen zu halten. Zusätzlich steckt die Elektronik in einem inneren Kupfergehäuse, denn Aluminium allein ist, auch bei dieser Wandstärke, kein absoluter Schutz gegen Einstrahlungen. Zusätzlich gibt es im SuperSwitch X noch spezielle EMI-Absorberschichten vom Materialspezialisten 3M und eine Keramikbeschichtung des Aluminiums. Die Schaltung selbst ist nochmals gekapselt. Fast wie eine Matrjoschka.

Reiki SuperSwitch XDer Gehäuseaufbau des SuperSwitch X (Grafik: Reiki)

Und auch das ist noch nicht das Ende der Maßnahmen im Kampf gegen Störungen von Außen. Das Gehäuse des Switch selbst, sowie das des optionalen Netzteils Pro X PSU (ebenfalls eine Weiterentwicklung), das in einem ebenso massiven Gehäuse steckt, können wahlweise mit dicken Absorberfüßen von Stack Audio ergänzt werden. Denn auch mechanische Resonanzen können das Signal beeinflussen. 

Die Auva genannten Absorberfüße von Stack Audio sind mit einem ausgeklügelten und zum Patent angemeldeten Prinzip zur Resonanzkontrolle in unterschiedlichen Frequenzbereichen ausgestattet. Hier ein Querschnitt des mehrteiligen Aufbaus:

Reiki SuperSwitch XDer Aufbau der Auva Gerätefüße von Stack Audio (Foto: F. Borowski)Reiki SuperSwitch XDie optionalen Gerätefüße Auva verleihen den Gehäusen des Reiki-Gespanns einen sicheren, vibrationsarmen Stand. Die Reiki sind zwar schwer für ihre Größe, aber hier reichen die Füße für die niedrigste Gewichtsklasse 1 (Foto: F. Borowski)

Die Füße können separat und direkt vom Hersteller für Geräte unterschiedlicher Gewichtsklassen geordert werden. Zu einem noch überschaubaren und fairen Preis.

Darüber hinaus verzichtet Bell sowohl beim Switch, als auch beim Netzteil auf jede Form von Anzeige per LED. Statt etwa wie bei Lumin oder Dela Traffic- und Status-LEDs anzubieten, die bei Nichtgebrauch abschaltbar sind, lässt der Reiki-Gründer diese ganz weg. Denn erstens sind blinkende/leuchtende LEDs eine eigene Rauschquelle und zweitens benötigen Sie Gehäusedurchbrüche, die wiederum Einstrahlungen ermöglichen. Ich habe jedenfalls noch nie so einen Tresor von einem Switch gesehen – wie Fort Knox.

Das optionale Netzteil Pro X PSU, das übrigens locker doppelt so groß und schwer ist wie der eigentliche Switch und den Preis glatt verdoppelt, wird über ein ordentliches DC-Kabel mit dem Switch verbunden. Es handelt sich um ein Linearnetzteil mit Ringkerntrafo. Es bietet lediglich eine Ausgangsspannung von 5V, also gerade mal so viel, wie ein herkömmliches USB-Steckernetzteil. Das reicht für den Switch. Hauptsache die Energiezufuhr ist absolut frei von irgendwelchen Störungen, wie sie bei billigen Netzteilen zuhauf vorkommen. Die Wirkung eines guten Netzteils sollte man niemals unterschätzen. Beim Plattenspieler-Antrieb ebensowenig, wie bei Digitalkomponenten aller Art.

Reiki folgt hier übrigens einer anderen, schon im Test des Lumin angesprochenen Strategie, das Netzteil lieber extern zu halten, sodass es mit gebührendem Abstand zur Signalschaltung seinen vergleichsweise „lauten“ Job verrichten kann. Die „Denker-Etage“ im Switch bleibt dadurch ungestört, so die Intention.

Das Netzwerkkabel Reiki JundoStream Reference

Inzwischen sind für Audiozwecke optimierte Ethernet-Kabel mit RJ45-Steckern keine Seltenheit mehr. Und wie im High End üblich, gibt es die ausgefallensten Tricks, mit denen die Entwickler versuchen, den Datenkabeln gute Manieren beizubringen. Wie beim Switch gilt auch hier: Einfluss auf die eigentlichen Daten haben die Kabel nicht. Aber auf die Signalreinheit durchaus.

Reiki SuperSwitch XJundoStream Reference: Anstatt vier verdrillte Leiterpaare (twisted pair) in einem Strang zu verdrillen, wie bei LAN-Kabeln üblich, hat im JundoStream X jedes Leiterpaar seinen eigenen Strang. Drei weitere Leitungen (die etwas dunkleren) sind Blindleiter, die als Abstandshalter fungieren (Foto: F. Borowski)

Eines haben die allermeisten Netzwerkkabel für Audio gemein: Wie ganz normale Netzwerkkabel für IT enthalten sie vier in Folie ummantelte verdrillte Adernpaare mit einer geflochtenen Abschirmung um alle vier Adernpaare, die an beiden Steckern geerdet sind. Anstatt diese Grundarchitektur anzutasten – was entsprechend eine eigene Kabelfertigung erfordert – wird meistens an anderer Stelle getunt. Sei es beim Leitermaterial, bei der Abschirmung, oder mit ergänzenden Filtern.

LAN Kabel AufbauSo ist ein herkömmliches LAN-Kabel aufegbaut: Vier verdrillte Leiterpaare in einem Strang und umeinander verdrillt. Je nach Kategorie (CAT) gibt es Variationen in der Verdrillung, Abschirmung und Leitermaterial (Grafik: Internet)

Der sogenannte Twisted-Pair-Aufbau von LAN-Kabeln bewirkt, dass sich die Leiter durch das von ihnen selbst erzeugte elektrische Feld gegenseitig abschirmen. Und erst dieser Trick ermöglicht die zuverlässige Datenübertragung mit relativ hoher Geschwindigkeit und hoher Zuverlässigkeit über relativ lange Kabelwege. Nigel Bell hat sich dieses Prinzip aber mal genauer angesehen und dabei festgestellt, dass beim herkömmlichen Aufbau manche der Leiter mehr, andere hingegen weniger gut abgeschirmt sind. Die Kabel minimieren das Übersprechen durch variable Verdrillungsraten, um sicherzustellen, dass die Leiter benachbarter Paare entlang ihrer Länge keine regelmäßigen Kontaktpunkte aufweisen. Prinzipiell kann dabei nur ein Paar die höchste Verdrillungsrate der vier Paare aufweisen, und nur dieses Paar ist am besten gegen RFI-Störungen gewappnet.

Beim JundoStream Reference ging Bell daher erneut einen sehr konsequenten Weg, um die prinzipbedingten Probleme zu vermeiden. Dazu verlegt er einfach jedes Leiterpaar in eine eigene Leitung, verdrillt diese gleichmäßig und noch enger als üblich, und trennt die Einzelstränge räumlich mit je einer „Blindleitung“ als Abstandhalter dazwischen. Daher sieben Leitungen nebeneinander. Diese werden von passend konstruierten und verschiebbaren „Kämmen“ auf stets gleichem Abstand nebeneinander gehalten. Das führt zwar zu einem ziemlich breiten, unhandlichen Kabelstrang mit einem monströsen Steckergehäuse, aber dafür sind nun alle Signalleiter maximal möglich einstreusicher. 

Reiki SuperSwitch XDer Aufbau des JundoStream Reference im Querschnitt: Auf diese Weise soll das Kabel eine bessere Abschirmung als jedes handelsübliche LAN-Kabel erzielen (Foto: F. Borowski)

Erstaunlicherweise: solange das Kabel nicht allzu eng und verdreht verlegt werden muss, lässt es sich recht unkompliziert nutzen. Trotz der großen Kabelhalterung vor den Telegärtner-RJ45-Steckern passt es sogar in die recht enge Doppelbuchse an meinem Moon 791.

Reiki SuperSwitch XSieben einzelne Leitungsstränge müssen irgendwie zusammengeführt werden, was zu einem sehr großen Steckergehäuse führt. Das Kabel ist übrigens richtungsgebunden, weil nur eine Seite mit der Masse verbunden ist (Foto: F. Borowski)Reiki SuperSwitch XDer RJ45-Stecker ist etwas schräg in das Kabelgehäuse eingesetzt. Das erleichtert den Anschluss des Kabels an die RJ45-Buchse (Foto: F. Borowski)Reiki SuperSwitch XKann eng werden: Das große Steckergehäuse und die sieben Leitungen lassen das JundoStream monströs erscheinen, aber es passt sogar an eine eng zusammenliegende Doppel-LAN-Buchse (Foto: F. Borowski)

Als weitere Maßnahme zur Klangverbesserung setzt Reiki auf eine galvanische Trennung der Komponenten. Dazu ist das Kabel an der Quellenseite mit Masse verbunden, an der Ausgangsseite aber nicht. Daher ist das Kabel auch richtungsgebunden. Diesen einfachen Trick nutzen auch einige andere Hersteller von LAN-Kabeln für Audiozwecke. Eine vollständige galvanische Isolation wie mit optischen Verbindungen ist dadurch aber nicht gegeben.

Praxis und Einsatzmöglichkeiten

Die Installation der Reiki-Lösungen ist grundsätzlich kinderleicht und erfordert kein Fachwissen. Einfach die LAN-Kabel zwischen Router, Reiki und Streamer anschließen, das Netzteil mit dem DC-Kabel verbinden, optional eine Erdungsleitung (nicht mitgeliefert) an den entsprechenden Klemmen befestigen, Stromkabel anschließen und einschalten. Es gibt nichts zu bedienen oder einzustellen.

Reiki SuperSwitch XDer Reiki SuperSwitch X (hier auf dem kürzlich getesteten Lumin N1) (Foto: F. Borowski)

Etwas ungewohnt war hingegen die vollständige Abwesenheit von Statusanzeigen jeglicher Art. Man weiß schlicht nicht, ob alles korrekt angeschlossen und aktiv ist. Um das herauszufinden, schaut man entweder in seiner Router-Oberfläche nach, ob der angeschlossene Streamer angezeigt wird, oder man startet einfach die Musik. Entweder sie spielt, oder man hat etwas vergessen oder falsch angesteckt.

Reiki SuperSwitch XSetup: Die blaue Leitung in der Mitte (ein AIM NA-2) kommt vom Dela S50 Switch. Das JundoStream führt zum Streamer. Die Energie wird über ein hochwertiges DC-Kabel von der PSU zugeführt. Die ist hier zusätzlich mit einem Erdungskabel verbunden (Foto: F. Borowski)

Komplizierter ist da vielleicht schon die Frage, wo in der Kette man den Reiki am besten einsetzen sollte, was zum Teil von der vorhandenen Installation abhängt. Möchten Sie Ihren Streamer ohne weiteren Switch direkt am Router nutzen, ergibt es sich von selbst. Ist aber schon ein Switch vorhanden, der auch weiter genutzt werden soll oder muss (weil vielleicht weitere Geräte verbunden werden sollen), gibt es zwei sinnvolle Einsatzorte für den SuperSwitch X: entweder zwischen Router und Switch, oder zwischen Switch und Streamer. Ich habe beide Optionen ausprobiert und favorisierte am Ende die zweite Variante. Also den Reiki hinter dem Switch, auf dem berühmten letzten Meter. Die Unterschiede zwischen den beiden Positionen waren aber gering. Andere hingegen nicht.

Hörtest: So sauber und zart kann Streaming klingen

Unabhängig von der Tatsache, dass schon der Dela S50 in meinem Netzwerk für eine deutliche Verbesserung sorgt, setzt der Reiki als zusätzlicher „Filter“ dahinter noch mal ordentlich eins drauf. Ganz zu schweigen von dem erheblichen Klangsprung zwischen „gar kein Switch“ (Streamer direkt am Router) und mit Reiki im Signalweg.

Man kann es nicht oft genug betonen: Der Einsatz eines guten Switch für Audiozwecke eignet sich NICHT als Mittel zum Klangtuning, um etwa einer zu sanft klingenden Anlage mehr Direktheit beizubringen oder um zu kühl klingenden Verstärkern Wärme einzuhauchen. Tonal und dynamisch ändert sich wenig bis nichts. Alles, was an positiven Effekten wahrgenommen wird, sind sekundäre Auswirkungen, die durch eine Steigerung der Ruhe im Klangbild zutage treten.

Alles wirkt klarer, wodurch auch mehr Details zum Vorschein treten. Die Auflösung profitiert also. Ebenso kann die Dynamik und der Bassbereich profitieren. Nicht durch mehr Punch oder mehr Tiefgang im Frequenzkeller. Stattdessen wirken etwa große Trommeln plötzlich konturierter und dadurch irgendwie auch satter. Auf jeden Fall mit mehr natürlichen Texturen, die vorher verschliffen waren und dadurch unbemerkt blieben.

Der Reiki SuperSwitch X erweist sich als besonders kompetent darin, diese essentielle Reinheit des Klangbildes zu erhalten. Übrigens ist das ein Grund, warum manche Audiophile die Wiedergabe von CD oder einer lokalen SSD bevorzugen, denn diese vermeiden die vielen Fallstricke der Netzwerkübertragung komplett. Der Vergleich eignet sich daher sehr gut, den Effekt guter Switches wie dem Reiki erfahrbar zu machen.

Direkt vom Router via LAN gestreamt, ohne den Reiki im Signalweg, ist beispielsweise das fantastisch klingende und nicht umsonst auf vielen HiFi-Messen arg strapazierte Album „Convergence“ von Malia & Boris Blank zwar beeindruckend. Mit dem Reiki im Signalweg klappt einem aber förmlich die Kinnlade herunter. Im Vergleich zur Wiedergabe des selben Stückes von einer SSD (hier im eversolo T8 verbaut) ist mit dem Reiki-Gespann dann praktisch kein Unterschied mehr feststellbar. Der Faktor Netzwerk scheint mit Reiki aus der Gleichung genommen zu sein.

Cover Malia & Boris BlankWelcher Audiophile kennt es nicht? Klanglich ein Feuerwerk an Transparenz, Dynamik und Räumlichkeit: „Covergence“ von Malia & Boris Blank wird auf HiFi-Messen rauf und runter gespielt (Coverscreenshot aus Qobuz)

Sämtliche Texturen der Musik erscheinen viel feiner strukturiert und weniger harsch. Mich erinnert das an digitale Fotos. Vor allem Smartphone-Fotos wirkten lange Zeit (nicht nur wegen Überschärfung oder zu geringer Auflösung) unnatürlich hart im Vergleich zu den Aufnahmen guter Systemkameras. Nicht, dass bei der Gesamtansicht weniger Details zu sehen waren, aber alles wirkte irgendwie artifizieller. Der Einsatz des Reiki in die LAN-Strecke ist wie der Umstieg von einem mittelmäßigen Smartphone auf eine Top-Systemkamera mit Spitzenobjektiv. Ungleich natürlicher und näher an der Realität. 

Einen weiteren Schritt in diese Richtung, und aus audiophiler Sicht kein kleiner Schritt, bewirkt das JundoStream Reference Netzwerkkabel. Verglichen mit anderen, weitaus günstigeren LAN-Kabeln unter anderem von QED, AIM und Furutech, ließ das JundoStream das Klanggeschehen noch kultivierter wirken, was die Mundwinkel noch weiter in die Höhe trieb. Für Klanggenießer ist das entscheidende Sahnehäubchen zum puren Glück.

Fazit Reiki SuperSwitch X: der Bewahrer des guten Klangs

Die Erkenntnisse aus diesem Test sind nicht grundsätzlich neu. Teils erhellend, teils ernüchternd. Erhellend in sofern, als dass mal wieder deutlich geworden ist, wie anfällig der im Prinzip verlustfreie Netzwerk-Datentransport für alle Arten von Signalstörungen (Rauschen) ist. Erhellend auch, wie gut es dem Reiki SuperSwitch X und dem LAN-Kabel JundoStream Reference gelingt, diese degradierenden Faktoren auszuschalten.

Ernüchternd insofern, weil die Kosten für das Reiki-Gespann wirklich nur für gut betuchte Enthusiasten eine Option sein dürften. Darum macht das angesehene HiFi Studio Wittmann in Stuttgart (das sich neben dem Direktverkauf aus reiner Überzeugung auch um Vertriebstätigkeiten bemüht, wie die Presse mit Informationen und Geräten zu versorgen) auch keinen Hehl. Die Stückzahlen werden gering sein, aber die Rückläuferquote nach gezielten Teststellungen des Reiki-Sets soll nahezu gleich null sein. Ich kann es nachvollziehen.

Nigel Bell im Interview

Und hier noch wie angekündigt mit Reiki-Gründer Nigel Bell:

LowBeats: Nigel, wie bist Du zu dem Thema Netzwerk gekommen und was hat dich zur Gründung von Reiki veranlasst?

Nigel Bell: Ich bin Chartered Engineer (CEng), Chartered IT Professional (CITP) und Fellow des BCS, des Chartered Institute for IT – und seit jeher Musik‑ und HiFi‑Enthusiast. Meine IT‑Karriere in der Wirtschaft konzentrierte sich auf die Schnittstelle zwischen Technologie und Mensch und führte mich in nationale wie internationale Führungspositionen: als CIO bei AstraZeneca, als CEO im britischen NHS und als Direktor im Cabinet Office. Reiki Audio habe ich 2022 gegründet – ausgelöst durch eine Art experimentelle Erleuchtung, denn der Netzwerk‑Switch, den ich ursprünglich nur für meine eigene HiFi‑Anlage entwickelt habe, klang besser als alles, was ich bis dahin im Handel gehört hatte. Im Oktober 2023 ließ ich dann das Unternehmensleben hinter mir, um mich vollständig auf Reiki Audio zu konzentrieren.

Reiki SuperSwitch XNigel Bell, Gründer von Reiki Audio (Foto: Reiki)

LowBeats: Auf welcher Hardware basiert die eigentliche Schaltung des SuperSwitch X? Ist es eine fertige, zugekaufte Lösung, die nur besonders stark abgeschirmt wurde?

Nigel Bell: Eine Standardplatine in einem „schicken Gehäuse“ ist definitiv nicht unser Anspruch. Unsere Platine basiert auf einem hochwertigen Modell, das ursprünglich für eine Nicht-Audio-Branche gefertigt wird. Wir haben die Platine umfassend modifiziert. Mehr möchte ich an dieser Stelle aber nicht verraten.

Ich finde aber, wir sollten den Blick vom Platinen‑Layout lösen und verstehen, worum es bei Audio‑Netzwerk‑Switches technisch eigentlich geht. Audio‑Switches sind digitale Geräte, die paradoxerweise eingesetzt werden, um ein im Kern nicht‑digitales Problem zu lösen. Die übertragenen Daten selbst lassen sich nicht „verbessern“ – das ist technisch ausgeschlossen. Was sich beeinflussen lässt, sind ausschließlich Störgeräusche, sprich: abgestrahlte, leitungsgebundene oder im Gerät erzeugte Formen von Rauschen.

Maßnahmen in der Schaltungstechnik können diese Effekte nur begrenzt adressieren, und sie betreffen stets das Rauschen, nie die Daten. Deshalb greift die Frage nach kundenspezifischen vs. Standard‑Hardware‑Lösungen eigentlich zu kurz. Denn entscheidend ist nicht allein die Platine, sondern ebenso das gesamte Umfeld um die Platine herum – somit alles, was dazu beitragen kann, Störgeräusche zu minimieren. Nehmen wir zum Beispiel die Stromversorgung: Wir haben uns bewusst für eine externe Lösung entschieden, weil sie besser klingt.

LowBeats: Das Thema Clocking wird hier im Gegensatz zu anderen Herstellern kaum erwähnt. Steckt im SuperSwitch X eine besonders hochwertige Clock? TCXO oder OCXO?

Nigel Bell: Ich habe den Eindruck, dass die Diskussion über Taktung im Ethernet‑Bereich häufig auf einem Missverständnis beruht. Es entsteht, weil manche gedanklich vom digitalen Bereich hinter dem Streamer auf den Ethernet‑Bereich vor dem Streamer schließen. Der Bitstrom hinter dem Streamer, in dem unsere Musik kodiert ist, enthält ein wesentliches Timing‑Element. Eine höhere Taktgenauigkeit und ‑stabilität – oder, wenn man so will, geringere Jitter‑Werte – haben dort einen tiefgreifenden Einfluss auf die Klangqualität. Hochpräzise und stabile Taktgeber im Streamer und im DAC sind daher, wie wir alle wissen, entscheidend für das klangliche Ergebnis.

Ethernet funktioniert jedoch grundsätzlich anders: Es ist asynchron, paketbasiert und verfügt über Fehlererkennung und Fehlerkorrektur sowie bei Bedarf auch über die Möglichkeit der erneuten Übertragung. Das ist ein wesentlicher Grund für die seit Jahrzehnten bewährte Robustheit des Ethernet.

Während Jitter im Bitstrom hinter dem Streamer für Audiophile zu Recht ein Thema ist, spielt er im Ethernet‑Bereich keine Rolle. Die Taktgenauigkeit hat aufgrund der asynchronen Natur des Ethernet keinerlei Einfluss auf die Klangqualität.

LowBeats: Lässt sich die Wirkung der extremen Abschirmungsmaßnahmen messtechnisch belegen?

Nigel Bell: Ich möchte die Abschirmungsmaßnahmen eigentlich nicht isoliert vom restlichen Design der X‑Serie betrachten; sie sind ein Faktor, aber eben nur einer unter mehreren. Gleichwohl lassen wir alle unsere Geräte von einem zertifizierten Testlabor prüfen. Das Labor testet sowohl Audio‑ als auch Nicht‑Audio‑Geräte und berichtete uns, dass es bislang noch kein anderes Gerät gesehen hat, das einen so niedrigen Rauschpegel bietet und das Signal so präzise nachbildet wie unsere Switches.

LowBeats: Beim JundoStream Reference Network Cable ist in der Beschreibung von „exceeding Cat 8“ die Rede. Kannst Du uns verraten, welche Übertragungsbandbreite das Kabel hat, wenn man es zur reinen Datenübertragung im IT-Bereich nutzen würde?

Das Statement machen wir mit voller Überzeugung, weil wir genau wissen, (a) welche variablen Verdrillungsraten in Cat‑8‑Kabeln eingesetzt werden und (b) wie Cat‑8‑Kabel Übersprechen vermeiden. Unser Design ist in beiden Bereichen herausragend. Verdrillungsraten spielen eine zentrale Rolle bei der Störunterdrückung. Unsere speziell entwickelten und physikalisch getrennten verdrillten Adernpaare weisen nicht nur über alle vier Paare hinweg die gleiche Verdrillungsrate auf – was in einer Standard‑Cat‑8‑Topologie unmöglich ist –, sondern sie besitzen auch eine höhere Verdrillungsrate als alle Cat‑8‑Kabel, die wir untersucht haben. Unsere vier physikalisch getrennten verdrillten Adernpaare sind daher selbst an den Leistungsgrenzen weniger anfällig für Übersprechen als Cat‑8‑Kabel. Die maximalen und konsistenten Verdrillungsraten sowie die physikalische Trennung im JundoStream‑Design bedeuten: Was auch immer Cat‑8‑Kabel leisten können, das JundoStream kann das auch – und darüber hinaus noch einiges mehr.

LowBeats: Vielen Dank für das Gespräch und die Einsichten.

REIKI SuperSwitch X + PSU2026/07Test-Ergebnis: 4,4SEHR GUTBewertungen

Klang

Praxis

Verarbeitung

Die Bewertung bezieht sich immer auf die jeweilige Preisklasse.lupenreiner Klang für Streamingkonsequente, massive Gehäuseausführungmaximal abgeschirmthoher Preis, nur zwei (oder drei) Ports

Vertrieb/Händler:
HiFi-STUDIO WITTMANN
Brucknerstraße 17
70195 Stuttgart
sowie im STUDIO ALLGÄU
Rötelbachhof
88316 Isny
www.wittmann-hifi.de

In Deutschland auch erhältlich bei MySound.net

Preis (Hersteller-Empfehlung):
Reiki SuperSwitch X: 3.000 Euro
SuperSwitch X mit Stack Audio Isolation Feet: 3.210 Euro
SuperSwitch X im Set mit mit Stack PSU (und Auva Füße): 6.550
JundoStream Reference Network Cable: 4.590 Euro

Die technischen DatenREIKi SuperSwitch XTechnisches Konzept:2-Port Netzwerkswitch (opt. 3-Port)Anschlüsse:
2 x RJ45 LAN, Masseklemme, DC-InputLieferumfang (Set im Test):Switch, Netzteil, Ethernet-Kabel, Netzkabel (JundoStream Reference separat)Besonderheit:keine LEDs, nur zwei (oder drei) Ports, extreme AbschirmungsmaßnahmenAbmessungen (B x H x T):19,2 x 6,9 x 11,5 cm (Switch)
26 x 97 x 14,7 cm (Netzteil)Gewicht:1,8 + 4,85 kg (mit Auva Füßen)Alle technischen DatenIm Text erwähnte Komponenten:

Test DELA S50 Switch – Der Weichensteller für bestmöglichen Streaming-Klang
Test Netzwerkswitch Lumin N1 – Ruhe im Karton!
Doppeltest eversolo DAC Z10 und Streaming Bridge T8 – ein Weltklassegespann
Test Streaming-Vorstufe plus Endstufe Moon 791 + 761: bis zum Mond und noch viel weiter!