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Threema sagt WhatsApp-Interoperabilität trotz DMA ab – mit Datenschutz- und Kostenargumenten
WWissenschaft & Technik

Threema sagt WhatsApp-Interoperabilität trotz DMA ab – mit Datenschutz- und Kostenargumenten

  • 26.07.2026

LONDON (IT BOLTWISE) – Der Schweizer Messenger Threema baut keine Schnittstelle zu WhatsApp. Damit widerspricht das Unternehmen den EU-Vorgaben aus dem Digital Markets Act, der Meta zur Öffnung des Messengers für Drittanbieter verpflichtet. Threema nennt vor allem Datenschutz– und Sicherheitsrisiken sowie drohende Einnahmeausfälle. Außerdem seien die technischen Anforderungen, etwa für Gruppen- und Telefonie-Funktionen, unverhältnismäßig hoch.

Threema sagt WhatsApp-Interoperabilität trotz DMA ab – mit Datenschutz- und KostenargumentenThreema sagt WhatsApp-Interoperabilität trotz DMA ab – mit Datenschutz- und Kostenargumenten (Foto: IT BOLTWISE)

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Threema setzt ein klares Signal im Streit um verpflichtende Messenger-Interoperabilität in der EU: Der Schweizer Messengerdienst verzichtet trotz Digital Markets Act (DMA) auf eine Anbindung an WhatsApp. Hintergrund ist der regulatorische Druck, den die EU seit Herbst 2025 auf Meta ausübt, damit der Messenger auch Drittanbieter technisch erreichen können. In der Begründung verknüpft Threema mehrere Themenstränge: erstens den Schutz der Privatsphäre und der Sicherheitsarchitektur, zweitens die potenzielle Schwächung der eigenen Marktposition und drittens den Aufwand, der für die Umsetzung in ein konsistentes Interoperabilitätsmodell erforderlich wäre.

Datenschutz und Sicherheit stehen dabei im Mittelpunkt. Threema argumentiert, dass eine Interoperabilität zwangsläufig am „kleinsten gemeinsamen Nenner“ ausgerichtet werden müsse. Das liege unter anderem an grundlegenden Unterschieden in der Nutzeridentifikation: Threema verwendet eine anonyme ID, während WhatsApp für die Nutzererkennung auf Handynummern setzt. Aus Threemass Sicht würde damit das bisherige Datenschutzniveau und die Metadatensparsamkeit verwässert, weil beide Systeme für den Datenaustausch kompatibel gemacht werden müssten. Dazu kommt ein zweiter Punkt, der weniger regulatorisch wirkt, dafür aber technisch plausibel bleibt: Threema verweist darauf, dass für WhatsApp nicht offen mitgeliefert werde, was genau beim Transfer von Nutzerdaten passiert, weil WhatsApp nicht Open Source ist. Für sicherheitsorientierte Teams in der Unternehmens-IT ist das ein entscheidender Hebel, denn ohne nachvollziehbare Implementierungsdetails sinkt die Prüfbarkeit von Schutzmechanismen.

Ökonomisch liefert Threema eine zweite Begründungskette: Der Messenger befürchtet, dass eine Schnittstelle den Wettbewerb nicht stärkt, sondern die Download-Nachfrage der eigenen App zusätzlich dämpft. Eine direkte Kommunikation „von WhatsApp zu Threema-Kontakten“ würde Nutzer nach Einschätzung des Unternehmens dazu weniger motivieren, Threema zu installieren. Das Zielbild wäre aus Sicht des Anbieters also kein fairer Markteintritt, sondern eine stabilere Plattformposition. Gleichzeitig weist Threema auf seine Finanzierungslogik hin: Der Dienst wird nicht durch Spenden oder Datenmonetarisierung getragen, sondern ausschließlich über den Verkauf der App. Genau hier sieht das Unternehmen einen möglichen Zielkonflikt: Wenn Interoperabilität die Nutzung verlagert, ohne dass ausreichend neue Nutzer die App installieren, könnte das die Einnahmenbasis treffen und damit Entwicklung sowie Betrieb einer potenziellen Schnittstelle ausbremsen.

Der dritte Schwerpunkt sind die technischen Hürden, die aus Threemass Sicht über eine reine Nachrichtenübermittlung hinausgehen. Der Anbieter beschreibt, dass WhatsApp sämtliche Protokolle vorgibt und Drittanbieter daher eine vereinfachte Variante in ihr eigenes System einbinden müssten. Das bedeutet in der Praxis: Nicht nur ein kompatibles Nachrichtenformat ist nötig, sondern auch ein stimmiges Zusammenspiel von Zuständen, Funktionen und Sicherheitsannahmen zwischen beiden Welten. Laut Darstellung unterstützt WhatsApp Interoperabilität derzeit nur in Einzelchats. Ob und wie das für Gruppenchats sowie Audio- und Videoanrufe umgesetzt wird, bleibt unklar. Für Unternehmen ist das relevant, weil Messenger-Use-Cases selten nur aus 1:1-Kommunikation bestehen; in vielen Organisationen sind Gruppenkanäle und Anrufmodi Teil der Arbeitsprozesse. Wenn der Funktionsumfang aber nicht deckungsgleich ist, entstehen Brüche in der Nutzererfahrung und zusätzlichen Integrationsaufwand, um „nahtlose Verbindung“ überhaupt konsistent abzubilden.

Unterm Strich zeigt der Schritt von Threema, wie hart der Zielkonflikt zwischen regulatorischer Öffnung und technologischer sowie organisatorischer Kontrolle ausfallen kann. Auf der einen Seite steht mit dem DMA die Idee, Plattformen nicht völlig isoliert zu betreiben, damit Nutzer nicht in geschlossene Ökosysteme „eingesperrt“ werden. Auf der anderen Seite argumentiert Threema, dass Interoperabilität nicht nur eine Schnittstelle im Sinne einer API ist, sondern in Sicherheit und Identitätsmodell eingreift und außerdem Folgearbeiten für den laufenden Betrieb erzeugt. Gerade bei Messengern ist das besonders sensibel: Metadaten, Identitätsketten und Funktionsmodelle lassen sich nicht beliebig „harmonisieren“, ohne Designentscheidungen zu kompromittieren. Für den Markt bedeutet das: Der Interoperabilitätsdruck wird wahrscheinlicher weiterhin neue technische Architektur-Entscheidungen bei Drittanbietern erzwingen, während privacy-orientierte Anbieter gleichzeitig versuchen, ihre Schutzversprechen ohne Abstriche zu halten.

Für Entscheidungsträger in Unternehmen bleibt damit eine wichtige Konsequenz: Die Wahl des Kommunikationskanals ist nicht allein eine Frage von Nutzerpräferenz, sondern auch von Sicherheitsannahmen, Prüfbarkeit und Integrationsrisiken. Wenn Interoperabilität nur teilweise oder unter bestimmten Funktionsbeschränkungen greift, verschiebt sich die Erwartung an Stabilität und Datenschutz in Richtung „stufenweise Kompatibilität“. Threema positioniert sich in diesem Spannungsfeld bewusst gegen eine schnelle Anbindung und verknüpft die Ablehnung mit nachvollziehbaren Argumenten zu Identifikationsmodellen, nicht offengelegter Datenverarbeitung und wirtschaftlicher Tragfähigkeit. Wie sich die EU-Vorgaben sowie die technischen Realitäten der Protokoll-Umsetzung weiterentwickeln, wird entscheiden, ob künftige Interoperabilitätslösungen eher wie ein echter Marktzugang wirken oder eher wie ein neues Integrations- und Sicherheits-Delta zwischen Systemen.

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