Trubel um einen Auftritt bei Das Fest in Karlsruhe: „Disarstar ist kein ‚Vorzeigekünstler‘, er ist ein Feind der sozialen Marktwirtschaft und eine Gefahr für unsere Demokratie“, schreibt die Christliche Demokratische Union Karlsruhe in einer Pressemitteilung am Samstagmorgen, 25. Juli. Man sehe sich in der – bislang stillen – Kritik im Vorfeld bestätigt: Dem Künstler eine Plattform zu bieten, sei ein verheerender Fehler gewesen.

Disarstar kritisiert CDU scharf auf Das Fest in Karlsruhe

Was ist passiert? Der Rapper Disarstar, mit bürgerlichem Namen Gerrit Falius, trat ab 19 Uhr auf der Fest-Hauptbühne auf. Er positionierte sich während seines Auftritts mehrfach deutlich gegen die CDU. Dabei kritisierte er die aktuellen Bundesreformen als „größten Sozialstaat-Abbau“ der vergangenen Jahrzehnte und kündigte damit den Song „Meine Söhne geb‘ ich nicht“ als Protest „gegen die aktuelle CDU-Politik“ an. Auftritt verpasst? Alle aktuellen Eindrücke und Impressionen vom Gelände gibt es in unserem Live-Ticker!

Disarstar am 24. Juli 2026 bei Das Fest 2026.

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Disarstar am 24. Juli 2026 bei Das Fest 2026.
Foto: Tim Carmele

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Disarstar am 24. Juli 2026 bei Das Fest 2026.
Foto: Tim Carmele

Weiterhin traf er Aussagen, dass die CDU auf seinen Fest-Auftritt eingewirkt hätte: Sein Auftritt hätte verhindert werden sollen. „Danke an Das Fest, dass sie stabil geblieben sind“, verabschiedet sich der Hamburger Rapper von der großen Bühne.

Martin Wacker betont Kunstfreiheit bei Das Fest 2026

Die Veranstalter selbst äußern sich noch am Abend gegenüber der Presse: „Uns liegen keinerlei Hinweise vor, dass es zu einem Antrag oder Anfrage kam – woher der Künstler diese Aussage hat, wissen wir nicht“, sagt Martin Wacker nach dem Auftritt. Für die Veranstalter ist klar: Man teilt nicht jede Meinung von Künstlern. „Nicht alles, was auf der Bühne geäußert wird, ist Meinung des Veranstalters“, stellt Wacker am Freitagabend klar. Aber: „Jeder Künstler hat seine Meinung – diese hat er heute geäußert. So ist es mit der Kunstfreiheit.“

Disarstar am 24. Juli 2026 bei Das Fest 2026.

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Disarstar am 24. Juli 2026 bei Das Fest 2026.
Foto: Tim Carmele

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Disarstar am 24. Juli 2026 bei Das Fest 2026.
Foto: Tim Carmele

Die Junge Union Karlsruhe reagiert noch in der Nacht auf Freitag mit einer Pressemeldung. „Beim heutigen Auftritt auf der Hauptbühne von ‚Das Fest‘ hat der Rapper Disarstar behauptet, die CDU habe seinen Auftritt verbieten wollen“, heißt es. Und weiter: „Diese Behauptung ist falsch. Sie ist ein wilder, durch nichts belegter Angriff auf eine demokratische Partei. Der Rapper ist dafür bekannt, immer wieder zu behaupten, die CDU wolle ihn verbieten, ganz gleich, ob es dafür einen Anlass gibt.“

CDU-Vorsitzender äußert Bedenken wegen Songtexten von Disarstar

Die Karlsruher Jugendorganisation der CDU bestätigt jedoch: Man habe am 28. Mai einen offenen Brief an die Veranstalter, die Karlsruhe Marketing und Event GmbH (KME), geschrieben. Darin wurde eine Begründung der Programmentscheidung zu Disarstar gefordert. Der Brief wurde zunächst nicht veröffentlicht: Man habe sich zunächst mit der KME zu Gesprächen getroffen. „Uns ging es um die Begründung der Programmentscheidung und dass man sich kritisch mit dem Künstler auseinandersetzt“, sagt CDU-Kreisvorsitzender Tobias Bunk-Merkel am Samstagmittag gegenüber ka-news.de.

Tobias Bunk-Merkel, Kreisvorsitzender der CDU Karlsruhe, kritisiert Disarstars Aussagen auf der Bühne bei Das Fest 2026.

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Tobias Bunk-Merkel, Kreisvorsitzender der CDU Karlsruhe, kritisiert Disarstars Aussagen auf der Bühne bei Das Fest 2026.
Foto: ps

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Tobias Bunk-Merkel, Kreisvorsitzender der CDU Karlsruhe, kritisiert Disarstars Aussagen auf der Bühne bei Das Fest 2026.
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„Wir sehen den Auftritt sehr, sehr kritisch“, so Bunk-Merkel. „Marxismus, Polizei-Hass, Ablehnung des staatlichen Systems, Pro-Palästina und Antisemitismus – das geht aus unserer Sicht zu weit“, fasst der Karlsruher CDU-Politiker die Kritikpunkte seiner Partei am Disarstar-Auftritt und Songtexten zusammen. „Wir erkennen an, dass er sich von seinen früheren antisemitischen Haltungen inzwischen distanziert hat, aber er hat eine Fanbase, die immer noch in diesem Milieu unterwegs ist.“

Disarstar am 24. Juli 2026 bei Das Fest 2026.

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Disarstar am 24. Juli 2026 bei Das Fest 2026.
Foto: Tim Carmele

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Disarstar am 24. Juli 2026 bei Das Fest 2026.
Foto: Tim Carmele

Der Auftritt müsse eine öffentliche Diskussion darüber nach sich ziehen, was man auf einer Bühne äußern dürfe, so Bunk-Merkel. Einen ähnlich kritischen Auftritt aus Sicht der CDU habe es 2017 bei der Punk-Band Feine Sahne Fischfilet gegeben – auch hier wären Staat und Polizei in Texten grenzüberschreitend und mit politisch extremer Haltung beschrieben worden. Damals hatte übrigens die AfD eine Absage der Band gefordert.

CDU kritisiert Disarstar als ungeeignet für Familienfest

Man wollte die Debatte über die Grenzen der Kunstfreiheit nicht öffentlich führen – erst nach dem Disarstar-Auftritt habe man reagiert und sich für die Veröffentlichung des damaligen Briefes entschieden. Er liegt dieser Redaktion vor. „Kritik ist immer in Ordnung“, so Bunk-Merkel, „aber es waren Dinge, die weit über die Kritik hinausgehen. Wir wurden diffamiert und diskreditiert. Wir wurden für etwas kritisiert, das wir nicht getan haben – nämlich dass wir die Ausladung des Künstlers gefordert und damit in die Kunstfreiheit eingegriffen hätten.“

Disarstar am 24. Juli 2026 bei Das Fest 2026.

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Disarstar am 24. Juli 2026 bei Das Fest 2026.
Foto: Tim Carmele

Man forderte im Brief Erklärungen zur Buchung des Künstlers sowie eine öffentliche Auseinandersetzung mit der Programmentscheidung. „Es geht um die politische Kernbotschaft seines aktuellen Werks: die offen propagierte revolutionäre Überwindung unserer freiheitlich-demokratischen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung“, heißt es im Brief vom 28. Mai und meint die politische Positionierung des Künstlers als Marxisten.

Hintergrund: Disarstar

Disarstar, mit bürgerlichem Namen Gerrit Falius, ist ein deutschsprachiger Rap-Künstler. Sein 2021 erschienenes Album „Roter Oktober“ zählen Musikkritiker zu den besten politischen Alben der deutschen Rap-Szene: Deutschrap abseits der ganz großen Charthits als gesellschaftliches Korrektiv und präziser Kritik an den herrschenden Verhältnissen, fasst es der Musikexpress zusammen.

Sein aktuelles Album „Hamburger Aufstand“ bezeichnet der Künstler auf seiner Homepage selbst als „logische Konsequenz“ und „brachiale Antwort“ auf die „besorgniserregenden gesellschaftspolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre“. Für den Künstler: Kampfansage und Anklage gegen aktuelle politische und gesellschaftliche Verhältnisse.

Für Kritiker wie die Karlsruher CDU: Ein Aufruf zur Gewalt und Umsturzfantasien. „Das aktuelle Album „Hamburger Aufstand“ (2025) schließt seine politische Trilogie ab und bezieht sich im Titel ausdrücklich auf den kommunistisch motivierten Hamburger Aufstand von 1923, einen bewaffneten Umsturzversuch gegen die Weimarer Republik“, schreibt die Junge Union in ihrem offenen Brief an die KME.

Die Laufbahn des Hamburger Rappers, geboren 1994, ist ungerade: Als Straßenrapper kommt er in seinen jungen Jahren zwischen 2007 und 2009 in die falschen Kreise – Alkohol, Drogen und am Ende eine Bewährungsstrafe wegen schwerer Körperverletzung. Die bis heute kritisierten anti-semitischen Texte entstanden in dieser Zeit. Disarstar distanzierte sich inzwischen ausdrücklich von seinen damaligen Werken – beispielsweise in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung 2023.

Mit zirak 15 Jahren folgt eine Kehrtwende, gerichtliche Bewährungsauflagen teilten ihm einen Sozialarbeiter zu, er zog zu Hause aus und in eine vom Jugendamt betreute Wohngruppe. „Läuterung durch Rap“, beschreibt es das Musikportal laut.de – „fortan setzt er auf intelligente, nachdenkliche Zeilen über die großen Fragen des Lebens, von der Philosophie über Politik bis hin zum größten Thema von allen, der Liebe.“

„Eine Ausladung oder Absage haben wir explizit nicht gefordert“, betont der heutige Kreisvorsitzende, welcher damals in Funktion des Vorsitzenden Jungen Union den Brief unterschrieben hatte, „es ging uns um eine kritische Auseinandersetzung. Dass man Gegenimpulse zur Hauptbühne setzt – mit einem Disclaimer, einer Einordnung im Programmheft oder einem Stand.“ Für die CDU war Disarstar als Haupt-Act auf einem Familienfest nicht tragbar. Sollten generell keine streitbaren Künstler eingeladen werden?

Bunk-Merkel fordert Debatte über Grenzen der Kunstfreiheit

„Nein“, sagt Bunk-Merkel, „streitbar gerne. Das heißt nicht, dass es keine Gesellschafts- oder Systemkritik geben darf.“ Aber es müsse eine Debatte über die Grenzen der Kunstfreiheit und die Grenzen für Auftritte bestimmter Künstler bei einem Familienfestival geführt werden. Wie soll es weitergehen? „Ein wünschenswerter Ausgang wäre, dass in Zukunft kritischer betrachtet wird, wer auf die Bühne kommt.“ Kritische Künstler sollten eingeordnet werden – ein schlichter Verweis auf die Kunstfreiheit ist dem CDU-Vorsitzenden zu wenig.

Auftritt verpasst? Alle aktuellen Eindrücke und Impressionen vom Gelände gibt es in unserem Live-Ticker!