„O Bär“, sagte der Tiger, „ist das Leben nicht unheimlich schön, sag!“ „Ja“, sagte der kleine Bär, „ganz unheimlich und schön.“ Lauscht man diesem Dialog aus „Post für den Tiger“ in diesen Tagen in Rostock, befindet man sich ganz sicher in der Kunsthalle. Dort nämlich haben Kunsthallenchef Uwe Neumann und sein Team eine ungewöhnliche Ausstellung zusammengetragen. „Janosch – Mein Panama“ ist eine Premiere im Norden Deutschlands. Die Schau nimmt Kinder und Erwachsene mit in die Welt eines Autors und Illustrators, dessen Figuren und Geschichten viele Menschen seit ihrer Kindheit begleiten. Doch Janosch, geboren als Horst Eckert in Oberschlesien, hat weit mehr geschaffen als die berühmten Abenteuer von Tiger und Bär.

200 Werke und sein Arbeitsplatz auf Teneriffa

Über 200 Werke erwarten die Besucher – von Gemälden, frühen Werken, Illustrationen zu seinen Büchern, Radierungen, Aquarellen bis hin zu seinem vollständigen Zimmer und Arbeitsplatz in seiner Finca auf Teneriffa, in die er sich vor mehr als 40 Jahren vor dem Trubel um seine Person zurückzog. Witziges und winziges Detail dabei, das man auch in der Rostocker Kunsthalle erleben kann: Janosch hat angeblich in seiner eigenen Tigerenten-Bettwäsche geschlafen. Wer es glaubt …

Der Künstler Horst Eckert, der als Janosch weltbekannt ist, in seinem Atelier.Bild vergrößern

Der Künstler Horst Eckert, der als Janosch weltbekannt ist, in seinem Atelier. (Foto: Janosch © VG Bild-Kunst, Bonn, 2026)

Die deutschlandweit erste große Ausstellung des Künstlers wurde in Tübingen anlässlich seines 95. Geburtstags im März gezeigt. Das Neue Kunstmuseum Tübingen hat schon vor Jahren den künstlerischen Vorlass des Kinderbuchautors und Illustrators erworben und daraus jene erste umfassende Retrospektive zusammengestellt. So kamen Uwe Neumann und Kurator Mathias Wedler-Schmidt auf die Idee, die Sammlung nach Rostock zu holen. „Sommer, Urlaub, Ferien und Kunsthalle – das wollten wir zusammenbringen“, sagt Neumann. Er hofft, mit Janosch erneut solch einen Coup zu landen wie mit der Udo Lindenberg-Exposition vor zwei Jahren oder mit der großen F.C. Hansa-Schau im letzten Jahr, die 20.000 Besucher in die Kunsthalle zog.

„Oh, wie schön ist Panama“ und gut 300 andere Bücher

Natürlich darf bei diesem Event „Oh, wie schön ist Panama“ aus dem Jahr 1978 nicht fehlen. Janosch’ Schaffen umfasst mehr als 300 Bücher für Kinder und Erwachsene, die in über 30 Sprachen erschienen sind. Sehr gelungen ist die Idee des Rostocker Kurators, die Illustrationen und Texte für die kleineren Besucher auf deren Augenhöhe anzubringen. So kann es passieren, dass Eltern mit ganz anderen Bildern im Kopf aus der Ausstellung gehen als ihre Sprösslinge. Diese kommen übrigens bis zu einem Alter von 16 Jahren kostenlos zum Kunstgenuss.

Janosch – Mein Panama: Kunsthalle Rostock bis zum 13.9.2026; Hamburger Straße 40, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr; Eintritt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro, bis zum Alter von 16 Jahren frei

Die Rostocker Ausstellung bietet Erlebnisse und Kunstgenuss für Groß und Klein.Bild vergrößern

Die Rostocker Ausstellung bietet Erlebnisse und Kunstgenuss für Groß und Klein. (Foto: Stefan Koslik)

Zur Erinnerung: „Oh, wie schön ist Panama“ erzählt von der berühmten Reise des kleinen Bären und des kleinen Tigers. Sie machen sich auf den Weg in das Land ihrer Träume. Alles beginnt, als der Bär eine Kiste findet, auf der „Panama“ steht und die verführerisch nach Bananen duftet. Sofort steht fest: Panama muss das schönste Land der Welt sein. Gemeinsam machen sich die zwei Freunde mit ihrer Tigerente und wenigen Habseligkeiten auf den Weg. Unterwegs begegnen sie vielen Tieren, fragen nach dem richtigen Weg und erleben kleine Abenteuer, die sie nur gemeinsam meistern können. Nach langer Reise kommen sie schließlich wieder dort an, wo sie aufgebrochen sind. Doch nun sehen sie ihr Zuhause mit neuen Augen und erkennen: Manchmal liegt das Glück näher, als man denkt. Vielleicht fühlt man sich als Erwachsener auch an die Erkenntnis erinnert, dass eben das eigene Zuhause oft der schönste Ort der Welt ist.

Uwe Neumann weiß dazu zu erzählen, dass Janosch nach dem totalen Misserfolg seiner ersten beiden Kinderbücher verzweifelt und etwas trotzig geäußert haben soll, dann mache er eben jetzt richtigen Kitsch – Plüschbär inbegriffen. Aber zuerst flog der Künstler in seiner Wut nach Ibiza und hat dort ordentlich gebechert. Und im kreativen Rausch kehrte der Zwei-Meter-Hühne umgehend zurück und machte aus der Reise von Zuhause nach Ibiza und zurück nach Zuhause sozusagen seine Homestory. Ihm wird der Satz „Mein Panama ist da, wo ich bin” zugeschrieben. Das Buch vom kleinen Bären und dem Tiger gilt als eines der erfolgreichsten Kinderbücher und wurde 1,5 Millionen Mal weltweit verkauft.

Viele Angebote speziell für kleine Besucher

Die Schau macht eine ganze Menge Angebote für Kinder. Sie können eigene Geschichten erfinden, mit Tigerenten-Bobbycars durch die Ausstellung rollern und einen Zettelkasten nach dem Vorbild von Janosch erstellen. Auf vielen Tafeln haben Kurator Wedler-Schmidt und das Kunsthallen-Team in aufwändiger Kleinarbeit persönliche Fragen an Janosch zusammengetragen, die sie von seiner Frau Ines beantworten ließen. Die Kinder können es nachmachen, als da wären: „Wie groß bist Du?“ (Janosch: 2 Meter), „Was ist Deine Lieblingssüßspeise? (Janosch: Schokolade), „Was ist Deine Lieblingsfarbe?“ (Neongelb und eigentlich alle Farben), „Welches Tier wärst du gerne?“ (Löwe oder vielleicht auch ein Frosch) und, und, und. Vielleicht erfahren dabei Eltern etwas Neues über ihren Nachwuchs. Auf „Was ist dein größter Wunsch?“ antwortet Janoschs Frau für ihn: „Alle sollen sich vertragen, die Welt ist doch so schön.“

Eigene Kindheit von Angst und Gewalt geprägt

Horst Eckerts eigener Lebensweg weicht indes gravierend von der friedlichen Welt seiner Figuren ab. Zur Welt kam er 1931 in Hindenburg, einem oberschlesischen Bergarbeiterort, heute Zabrze in Polen. Die Jahre seiner Kindheit beschrieb er später als eine Zeit von Angst und Gewalt. Der Vater war Alkoholiker, immer wieder kam es daheim zu Misshandlungen. Die Mutter war streng katholisch und vermittelte dem Kind offenbar ein dauerhaftes Gefühl von Schuld. In der Kunsthalle sind viele Zeugnisse seiner Auseinandersetzung mit seiner frühen Kindheit und auch böse Bibelillustrationen zu sehen.

Teil der Ausstellung ist Janoschs Atelier auf Teneriffa.Bild vergrößern

Teil der Ausstellung ist Janoschs Atelier auf Teneriffa. (Foto: Stefan Koslik)

Nach dem Zweiten Weltkrieg floh die Familie nach Norddeutschland. Nach einer Ausbildung zum Textilzeichner ging Eckert nach München, wo er Malerei studierte. Doch nach nur kurzer Zeit musste er die Kunstakademie mit dem Vorwurf fehlenden Talents wieder verlassen. Statt aufzugeben, begann er zu schreiben und zu zeichnen. Georg Lentz, sein erster Verleger, wurde auf ihn aufmerksam. Er beauftragte ihn mit der Illustration von Kinderbüchern und gab Eckert den Namen Janosch als prägendes Autorenpseudonym. Janosch selbst bezeichnete sich einmal als autistisch. Die Flucht nach Teneriffa 1980 soll ein Resultat seiner Selbstzweifel gewesen sein. Dort widmete er sich mit seiner Stiftung „Fundación Canarina“ dem Natur- und Tierschutz. Leider kann der inzwischen in einem Pflegeheim lebende Künstler nicht mehr selbst zu seiner Ausstellung nach Rostock kommen.

Janosch – Mein Panama: Kunsthalle Rostock bis zum 13.9.2026; Hamburger Straße 40, geöffnet Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr; Eintritt 10 Euro, ermäßigt 8 Euro, bis zum Alter von 16 Jahren frei