LONDON (IT BOLTWISE) – Angriffe mit Banking-Trojanern auf Android haben im ersten Quartal 2026 um 56 Prozent zugelegt. Besonders die Schadsoftware Godfather und der Trojaner Rokarolla zielen auf Finanz-Apps und stehlen Login-Daten, PINs sowie SMS-Codes. Parallel steigen NFC-basierte Angriffe stark an und neue Phishing-Infrastrukturen wurden offenbar stillgelegt. Zusätzlich erhöht die EZB den Druck auf Banken, weil KI-gestützte Angriffe und komplexe Malware zunehmen.

Banking-Trojaner auf Android: Godfather und Rokarolla greifen über 200 Apps anBanking-Trojaner auf Android: Godfather und Rokarolla greifen über 200 Apps an (Foto: IT BOLTWISE)

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Die Sicherheitslage für Smartphone-Nutzer verschärft sich spürbar: Im ersten Quartal 2026 stiegen Angriffe mit Banking-Trojanern auf Android um 56 Prozent. Im Zentrum dieser Entwicklung stehen zwei Schadprogramme, die in unterschiedlicher Weise an dieselben Ziele heranreichen: den Zugriff auf Finanzkonten und die Umgehung von Schutzmechanismen wie Zwei-Faktor-Authentifizierung. Während Godfather bereits durch das Auslesen von Zugangsdaten aus Finanz-Apps bekannt ist, sorgt Rokarolla mit einer Breite von mehr als 200 angepeilten Banking- und Kryptowährungs-Apps für besonderen Druck. Für Betreiber von Unternehmens-Apps, aber auch für Privatnutzer, wird damit ein Kernproblem deutlich: Mobile Sicherheitsmechanismen hängen nicht nur von der App-Logik ab, sondern davon, ob das Endgerät kompromittiert wird.

Technisch interessant ist vor allem, wie Rokarolla die Nutzerdaten abgreift. Nach der Installation versucht die Schadsoftware, Login-Daten, PINs und SMS-Codes zu sammeln, die typischerweise im Rahmen der Zwei-Faktor-Authentifizierung benötigt werden. Das ist im Alltag besonders kritisch, weil diese Daten oft genau dann abgefragt werden, wenn Nutzer ohnehin in einem legitimen Authentifizierungsprozess sind. Zusätzlich kommt ein weiteres Angriffsmuster hinzu: NFC-basierte Angriffe auf Android-Geräte stiegen in den ersten vier Monaten um 188 Prozent auf über 35.000 Fälle. Damit verschiebt sich die Bedrohung weg vom reinen „App ist infiziert“-Narrativ hin zu Angriffsketten, die auch Kontakt- und Mobilitätsfunktionen des Smartphones ausnutzen.

Die Zahlenrahmen verdeutlichen die Skalierung: Experten haben im ersten Quartal rund 2,67 Millionen Schadsoftware-Attacken auf Smartphones registriert. Im Hintergrund steht dabei häufig ein zweistufiger Ablauf: erst die Verbreitung über Täuschung (etwa manipulierte App-Versionen), anschließend das Datensammeln zur Kontoinfiltration. Bei Rokarolla erfolgt die Verteilung offenbar über manipulierte Versionen bekannter Dienste wie Google Chrome oder TikTok. Das ist aus Sicherheitsarchitektur-Sicht keine Kleinigkeit, denn Nutzer vertrauen solchen Einstiegspunkten häufig automatisch. Zusätzlich können dadurch bestehende Schutzmaßnahmen ins Leere laufen, wenn sie primär auf App-Berechtigungen achten, während die eigentliche Kompromittierung über einen „vermeintlich bekannten“ Kanal läuft.

Parallel zur Trojaner-Welle bleibt Phishing ein zentraler Angriffsweg. Ermittlungen zeigen, dass ein Phishing-Dienst namens „Kratos“ im Rahmen der Operation „Olympus Blade“ von BKA, FBI und indonesischen Behörden zerschlagen wurde. Die Plattform soll seit 2024 aktiv gewesen sein, rund 1.800 Kunden bedient und monatlich bis zu 15.000 Phishing-Kampagnen betrieben haben. Bei der Durchsuchung wurden etwa 200 Server beschlagnahmt und rund 96.000 betrügerische Apps sichergestellt. Für die betroffenen Zielgruppen (unter anderem Kunden von Sparkassen und der AOK) ist damit zwar eine Infrastruktur-Komponente weggefallen, aber das Muster bleibt: Phishing skaliert über wiederverwendbare Kampagnen, die an Konten- und Sicherheitsprozesse angepasst werden. Gerade moderne Authentifizierungsflüsse wie OAuth können dabei eine Angreifer-Umgebung begünstigen, etwa über den Device-Code-Flow, wenn Nutzer auf gefälschte Webseiten gelenkt werden.

Auch institutionell wächst der Druck. Die Europäische Zentralbank verlangt von Kreditinstituten detaillierte Aktionspläne bis Oktober 2026, weil die Bedrohung durch KI-gestützte Angriffe und komplexe Schadsoftware zunimmt. Laut den im Bericht genannten Zahlen melden 89 Prozent der Banken einen Anstieg von Attacken mit Künstlicher Intelligenz. Dass hier nicht nur Theorie dahintersteckt, unterstreicht die Reaktion einzelner Institute: Die ING kündigte an, den Support für Android 9 und 10 sowie iOS 15 ab Mitte September 2026 einzustellen. Praktisch bedeutet das, dass Nutzer auf aktuelle Versionen wechseln müssen oder auf Alternativen bei TAN-Verfahren ausweichen. Diese Strategie ist für Sicherheitsverantwortliche ein wiederkehrendes Muster: Wenn Plattformen Sicherheitsupdates reduzieren oder beenden, wird das Patch- und Geräte-Management zur ersten Verteidigungslinie.

Für Sparkassen-Kunden zeigt sich das Phishing-Problem zudem als direkte Alltagsschnittstelle. Betrüger verschicken E-Mails, in denen sie dringende Sicherheitsupdates oder drohende Kontosperren behaupten, und leiten Empfänger auf gefälschte Webseiten, auf denen sich Nutzer dann authentifizieren sollen. Laut den genannten Beobachtungen verzeichnete Microsoft im zweiten Quartal 2026 rund 7,6 Milliarden Phishing-Versuche per E-Mail. Angreifer nutzen dabei offenbar auch KI-generierte Nachrichten, um Tonalität und Formulierungen realistischer zu machen, sowie OAuth-Mechanismen, um Sicherheitsroutinen auszutricksen. Daneben werden im Juni auch Schwachstellen aus dem Umfeld von ChatGPT und der Kollaborationssoftware Zimbra (CVE-2025-66376) für gezielte Angriffe genutzt. Für Unternehmen heißt das: Mobile Endgeräte, Identitäts- und E-Mail-Sicherheitsprozesse müssen zusammen gedacht werden, nicht nacheinander.

Als Fazit rückt die Frage in den Mittelpunkt, was man sofort technisch und organisatorisch tun kann. Wenn Banken immer häufiger den Support für veraltete Betriebssysteme einstellen, wird Aktualität zum Sicherheitsfaktor, nicht nur zur Komfortfrage. Gleichzeitig sollte der Basisschutz mehrstufig sein: Geräte-Betriebssystem aktuell halten, App-Installationen strikt prüfen und Authentifizierungsanfragen an der Identität der Zieloberfläche und der legitimen Kommunikationswege verifizieren. Wer schon heute in Unternehmensumgebungen entscheidet, sollte zudem die Auswirkungen von 2FA-Diebstahl berücksichtigen: Wenn Login-, PIN- und SMS-Codes kompromittierbar sind, reicht „nur“ eine weitere Authentifizierungsschicht nicht aus. Stattdessen braucht es eine ganzheitliche Sicht auf Bedrohungsmodelle, die Trojaner wie Godfather und Rokarolla ebenso einbezieht wie Phishing-Kampagnen und die Art, wie Identitätsflüsse missbraucht werden.

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