Man muss einen Kunsthallendirektor sicher nicht fragen, wie er auf solch eine Ausstellung kommt, aber wie kamen Sie darauf?
Ich war in Tübingen, wo ich mir die Udo-Ausstellung im Neuen Kunstmuseum ansah. Wir hatten ja Udo Lindenberg auch schon in Rostock. Bei der Gelegenheit hat mir der Gründer und Leiter des Neuen Kunstmuseums Tübingen sein Depot gezeigt. Bernhard Feil, der auch Kunsthändler ist, hat den gesamten Vorlass von Janosch gekauft. Ich war sofort begeistert, weil ich viele dieser Werke noch nie gesehen hatte. Wir haben vereinbart, nach der Janosch-Ausstellung zum 95. des Künstlers in Tübingen diese nach Rostock zu holen.
Der Kurator Mathias Wedler-Schmidt sprach von einem Werksumfang von mehreren Tausend Bildern. Wie sucht man daraus 200 Werke aus?
Es gibt natürlich einige Schlüsselwerke, die wir zeigen wollten, wie eben Panama oder die Illustrationen zu Herrn Wondrak, den Janosch für seine Kolumne im ZEITmagazin geschaffen hat. Alles Weitere ist natürlich auch subjektiv. Man sucht sich Kernthemen aus, die man gerne bearbeiten will. Ich bin dem Kurator Mathias Wedler-Schmidt sehr dankbar, dass er so eine umfassende Ausstellung dieses Künstlers zusammengestellt hat.

„Das goldene Kind“ von Janosch ist ein sehr berührendes Werk. (Foto: Stefan Koslik)
Was hat Sie am meisten erstaunt, an den vielen noch nicht gezeigten Werken?
Diese naive Malerei, mit der Janosch sein eigenes Leben abarbeitet. Zum Beispiel „Das goldene Kind“, das hat mich sehr bewegt. Da ist ein Paar zu sehen, wo der Vater das Kind an der Hand hält und es ist gülden. Wenn man weiß, dass Horst Eckert viel von seinem Vater geschlagen wurde und eine streng katholische Mutter hatte, ist das eine intensive Arbeit.
Die Kunsthalle hatte immer einen Jahrescoup: Uecker, Lindenberg, Hansa, in welche Kategorie passt da Janosch?
Wir wollen mit der Ausstellung Familien abholen. Wir haben die Hauptausstellung mit Olaf Heine, dem bekannten Fotokünstler. Für mich ist das eine perfekte Zusammenstellung von Malerei, Karikaturen, Geschichten und die großartige Fotokunst von Olaf Heine.