BörsenkurseGrafik: Thinkhubstudio-Freepik.com

Beim nächsten Börsencrash passiert was? Das, was immer passiert. Stop Loss-Orders werden ausgelöst und verstärken den Abwärtstrend. Und gehebelte Börsenkonten leeren sich in Windeseile. Margin Calls entstehen – Broker fragen bei ihren Kunden nach Nachschuss von frischem Geld, weil nicht mehr genug Kapital auf dem Konto ist, um auf Kredit eingegangene Positionen aufrechtzuerhalten. Und wenn Millionen Amerikaner im Börsencrash nicht mehr nachschießen können oder wollen, werden ihre gehebelten Positionen zwangsliquidiert, was den Absturz in den Börsenkursen nochmal dramatisch verschärfen würde.

Margin Debt in den USA explodiert – Problem bei Börsencrash

Warum der nächste Börsencrash wirklich übel ausfallen könnte? Die folgenden Grafiken zeigen es ganz klar. Das Margin Debt in den USA explodiert, also die Summe, die die Anleger in den USA auf Kredit investiert haben. Sie ist von gut 100 Milliarden Dollar im Jahr 1997 auf 1,5 Billionen Dollar im Juni 2026 angewachsen. Noch im Juni 2025 lag diese Summe bei glatt 1 Billion Dollar. Binnen zwölf Monaten haben die Amerikaner also nochmal 500 Milliarden Dollar Aktieninvestment auf Kredit oben drauf gelegt.

Mehr als 1 Billion Dollar netto auf Kredit

Den 1,5 Billionen Dollar Margin Debt bei US-Brokern standen im Juni 440 Milliarden Dollar an Guthaben auf Börsenkonten gegenüber, so zeigen es die jüngsten Daten der US-Finanzregulierungsorganisation FINRA. Im Klartext, vereinfacht gesagt: Bei einem Börsencrash, wenn die Guthaben aufgezehrt würden, verblieben noch mehr als 1 Billion Dollar auf Kredit im Markt. Das kann natürlich nicht gutgehen. Broker wollen Sicherheiten. Aber bei einem Kurssturz schmelzen gehebelte Börsenkonten schnell ab. Notverkäufe, also Zwangsliquidierungen durch die Broker, wären dann unausweichlich, damit die Börsenkonten der Anleger nicht per Saldo ins Minus rutschen. Daher könnte ein Börsencrash beim jetzigen Stand des Margin Debt-Niveaus richtig hart ausfallen.

Chipaktien wohl Auslöser für Hebel-Boom

Es ist gut nachvollziehbar: Der Boom bei Chipaktien hat vor allem Privatanleger wie nie zuvor dazu veranlasst, auf Kredit am Aktienmarkt zu spekulieren. Das hat die Kurse gut vorangetrieben. Aber nun ist die Fallhöhe umso höher. Denn der Berg an Krediten im Markt ist auf immer neue Rekordhöhen geklettert. Natürlich muss man aber auch sehen: Das Gesamtvolumen am Aktienmarkt ist im Lauf der Jahre massiv angewachsen, in Sachen Gesamtliquidität zum Beispiel bei ETF-Anbietern, Marktkapitalisierung der Unternehmen usw. Von daher könnte der Gesamtmarkt auch mehr Kredithebel vertragen. Dennoch sind diese Charts zum Margin Debt mehr als beunruhigend!

Margin Debt steigt seit 1997 von 100 Milliarden auf 1,5 Billionen Dollar

Der obige Chart zeigt die Entwicklung des Margin Debt in den USA seit dem Jahr 1997. Der nachfolgende Chart zeigt den Verlauf seit 2015.

Stark steigendes Margin Debt in den USA ist ein Vorbote für Probleme beim nächsten Börsencrash

Über den RedakteurClaudio Kummerfeld

Capital Markets Redakteur

Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.

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