Die Teilnehmer haben zudem einen standardisierten Fragebogen ausgefüllt, den die Forscher gemeinsam mit Fachkräften aus der Praxis und Menschen mit eigenen Erfahrungen im Strafvollzug erstellt haben, damit die Fragen relevant und verständlich sind und von den Probanden akzeptiert werden. Der Fragebogen hat unter anderem erfasst, welche Angebote die Probanden in Bereichen wie Unterkunft, Bildung, Beschäftigung und beruflicher Qualifizierung beansprucht haben.

Wie Barbara Barrett erklärt, haben die Forscher nach zwei Jahren untersucht, ob es zwischen den beiden Gruppen zu Unterschieden gekommen ist und ob die Maßnahmen für die Gesellschaft wirtschaftlich sinnvoll waren. Dabei haben sie die Kosten des Gesundheitssystems, des Strafjustizsystems und der Auswirkungen der Straftaten berücksichtigt.

Hohes Einsparpotenzial durch Psychotherapie 

Die Daten zeigen, dass die Teilnehmer, die sowohl die Psychotherapie als auch die Bewährungsbetreuung erhalten haben, im Beobachtungszeitraum weniger aggressiv waren. Die gesellschaftlichen Gesamtkosten waren im Mittel rund 2.000 Pfund pro Teilnehmer geringer, obwohl die MBT zunächst zusätzliche Therapiekosten verursacht hat. Laut der gesundheitsökonomischen Analyse sanken die Kosten um 93 Pfund pro zusätzlicher Verringerung des OAS-M-Aggressionswertes. Laut Barbara Barrett deutet die Studie somit darauf hin, dass die psychotherapeutische Intervention auch ökonomisch sinnvoll ist und das Potenzial für hohe Einsparungen im Gesundheitswesen und im Strafjustizsystem hat.

„Die Bedeutung evidenzbasierter Lösungen ist angesichts der hohen Rückfallraten bei Personen mit ASPD besonders wichtig. Diese Intervention bietet ein erhebliches Potenzial für langfristige Kosteneinsparungen in den Gesundheits- und Strafjustizsystemen“, erklärt Barbara Barrett.

Die Kosten der Psychotherapie lagen im Mittel bei nur 826 Pfund pro Teilnehmer, also ähnlich hoch wie bei anderen psychologischen Behandlungsangeboten. Die höheren Kosten der Therapie wurden laut den Berechnungen weitgehend durch die geringeren Folgekosten im Gesundheits- und Strafjustizsystem kompensiert.

Aussagekräftige Ergebnisse trotz unvollständiger Daten

Wie die Forscher erklären, basieren die Ergebnisse jedoch auf unvollständigen Daten, weil nicht alle Probanden für den kompletten zweijährigen Beobachtungszeitraum kontaktiert werden konnten. Laut ihnen sind die Ergebnisse der multizentrischen randomisierten kontrollierten Studie innerhalb des Probation Service trotzdem aussagekräftig und zeigen, dass eine Kombination aus psychotherapeutischer  Intervention und Bewährungsbetreuung bei Straftätern mit ASPD eine wirksame und kosteneffektive Maßnahme sein kann. Die Interventionen können also eine Bevölkerungsgruppe erreichen, die traditionell als schwer behandelbar gilt, und könnten zudem kosteneffektiv sein.

„Diese Studie ist die erste multizentrische randomisierte kontrollierte Studie, die innerhalb des National Probation Service in England und Wales durchgeführt wurde, und wird durch die Beteiligung eines hybriden Forschungsteams gestärkt, das aus Forschenden mit und ohne eigene Lebenserfahrung besteht. Die Studie zeigt, dass eine psychologische Intervention die Ergebnisse verbessern kann und für eine Bevölkerungsgruppe kosteneffektiv ist, die traditionell als schwer behandelbar galt“, so Elizabeth Simes.

Quellen:

Studie im Fachmagazin Social Psychiatry and Psychiatric Epidemiology, doi: 10.1007/s001270050138

Studie im Fachmagazin Plos One, doi: 10.1371/journal.pone.0352865



30. Juli 2026

– Robert Klatt