LONDON (IT BOLTWISE) – Die WHO sieht bei chronischer Hepatitis B und C weiterhin einen großen Handlungsbedarf: 287 Millionen Menschen leben weltweit mit den Infektionen. Gleichzeitig wissen viele Betroffene offenbar nichts von ihrer Erkrankung, obwohl moderne Therapien einen deutlichen Nutzen versprechen. Besonders wichtig sind nach WHO-Angaben routinemäßige Tests und konsequente Präventionsschritte wie Impfungen bei Schwangeren und Neugeborenen. Deutschland orientiert sich mit Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) ebenfalls an diesem frühen Ansatz.

WHO fordert mehr Tests und Therapien gegen chronische Hepatitis B und CWHO fordert mehr Tests und Therapien gegen chronische Hepatitis B und C (Foto: IT BOLTWISE)

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Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) macht zum Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli erneut Druck auf Forschung, Diagnostik und Behandlung – mit konkreten Zahlen als Ausgangspunkt. Demnach lebten 287 Millionen Menschen weltweit mit chronischer Hepatitis B oder chronischer Hepatitis C. Die beiden Infektionen entstehen durch unterschiedliche Viren, die vor allem über Blut übertragen werden; daraus folgt ein stilles Problem, weil viele Betroffene lange keine Symptome spüren und dadurch zu spät diagnostiziert werden. Genau an dieser Lücke setzt die WHO an: Mehr Tests sollen dazu führen, dass Therapien früher greifen und Spätfolgen wie Leberzirrhose und Leberkrebs häufiger verhindert oder zumindest hinausgezögert werden.

Bei Hepatitis B beschreibt die WHO eine noch deutlichere Belastung als bei Hepatitis C: Rund 240 Millionen Menschen leben damit weltweit, pro Jahr sterben 1,1 Millionen Menschen an Hepatitis B – mehr als doppelt so viele wie an Malaria. Hepatitis C betrifft im Vergleich zwar weniger Menschen, verursacht aber ebenfalls hohe Folgekosten durch die Folgen chronischer Entzündung: Etwa 240.000 Todesfälle pro Jahr führt die WHO auf Hepatitis C zurück. Besonders bemerkenswert ist dabei die Diskrepanz zwischen medizinischem Fortschritt und tatsächlicher Versorgung: Obwohl ein großer Teil der Hepatitis-C-Erkrankungen seit 2015 heilbar sein kann, seien seitdem nur etwa 20 Prozent der Betroffenen behandelt worden. Für Unternehmen und öffentliche Gesundheitssysteme wird daran sichtbar, wie stark die Versorgung nicht nur an Wirkstoffen hängt, sondern auch an Screening-Programmen, Testzugängen und an der Fähigkeit, Betroffene über Versorgungskaskaden hinweg in Behandlung zu bringen.

Prävention und Früherkennung sind in der WHO-Argumentation daher untrennbar mit Impfstrategien verbunden. Konkret empfiehlt die WHO routinemäßige Hepatitis-B-Tests bei Schwangeren; zusätzlich empfiehlt sie eine Impfung für Babys von infizierten Frauen direkt nach der Geburt. In Deutschland ergänzt die STIKO diese Logik, indem sie zu einer Hepatitis-B-Impfung im frühen Lebensalter rät und zudem eine Impfung für besonders gefährdete Erwachsene empfiehlt – etwa bei bestimmten Grunderkrankungen oder einem höheren Ansteckungsrisiko. Technisch betrachtet ist das Zusammenspiel aus Test und Impfmanagement entscheidend: Ein positives Testergebnis kann den Geburtszeitpunkt als kritischen Kontrollpunkt nutzen, während eine sofortige Impfung das Risiko einer Übertragung im perinatalen Zeitraum senkt. Für die Praxis heißt das auch, dass Laborprozesse und Impfstellen organisatorisch so verzahnt sein müssen, dass Ergebnisse nicht „liegen bleiben“, sondern zu einer umsetzbaren nächsten Maßnahme werden.

Neben der Prävention spielt Therapie-Entwicklung eine zentrale Rolle – und hier nennt die WHO einen aktuellen Hoffnungsträger aus der Forschung. Ein chinesisches Team habe es laut Bericht erstmals geschafft, bei einigen Hepatitis-B-Patienten mit einer Kombinationstherapie eine funktionelle Heilung zu erreichen. Funktionelle Heilung bedeutet in diesem Kontext: Die Viruslast liegt unter der Nachweisgrenze, auch wenn sich das Virus später wieder vermehren könnte – etwa, falls das Immunsystem angegriffen ist. Das ist kein klassischer „Sterilisations“-Effekt, kann aber klinisch relevant sein, weil es die Krankheitsdynamik und damit das Risiko für fortschreitende Leberschäden beeinflussen kann. Zugleich zeigt es, warum der Weg zur besseren Versorgung nicht nur auf einzelne Medikamente setzt, sondern auf Therapiepläne, die Immunantwort, Virusreplikation und langfristige Kontrolle gemeinsam adressieren.

Für die Industrie und den Gesundheitssektor ergibt sich aus den WHO-Forderungen ein doppelter Impuls. Zum einen steigt der Bedarf an skalierbaren Diagnostikprozessen: Wenn nur ein Teil der Erkrankten bisher tatsächlich behandelt wird, wird moderne Versorgung zwangsläufig mit besseren Test-Workflows, Datenflüssen und dokumentierten Pfaden vom Screening bis zur Therapie verknüpft. Zum anderen wird die Nachfrage nach nachgelagertem Monitoring wichtiger, sobald funktionelle Heilungsansätze realistischer werden und nicht nur „ja oder nein“ zählen, sondern Verlauf und Nachweisgrenzen. Historisch betrachtet hat sich die Hepatitis-Therapie zwar stark weiterentwickelt – bei Hepatitis C besonders seit der Einführung gut wirksamer Regime –, doch die WHO macht deutlich, dass Versorgungslücken bleiben. Damit verschiebt sich der Fokus: Nicht nur die Wirksamkeit entscheidet, sondern auch, wie schnell Systeme Patienten erreichen und in Behandlung halten können.

Ob die Zahlen in den nächsten Jahren tatsächlich sinken, wird sich daran zeigen, wie konsequent Tests und Behandlungen in Routine überführt werden. Die WHO verbindet ihre Forderungen daher ausdrücklich mit stärkerem politischem Engagement – ein Signal, dass Finanzierung, Programme und Umsetzungsprioritäten auf nationaler Ebene mit der Forschung Schritt halten müssen. Für Deutschland und andere Länder, die sich an STIKO-Empfehlungen orientieren, liegt der Hebel besonders in der Kombination aus frühem Impf- und Testzugang sowie einem Behandlungspfad, der Betroffene verlässlich erreicht. Genau dort treffen medizinische Innovation, Public-Health-Organisation und die praktische Realität im Alltag zusammen – und dort entscheidet sich, ob aus Heilbarkeit auch tatsächliche Heilung für mehr Menschen wird.

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