Pokémon-Sammelkarten sind längst nicht mehr nur ein Hobby für Kinder und Fans. Seltene Karten, limitierte Sets und stark nachgefragte Booster werden teilweise unmittelbar nach Verkaufsstart zu deutlich höheren Preisen weiterverkauft. The Pokémon Company reagiert nun mit einer ungewöhnlich weitreichenden Massnahme: In fünf temporären Pokémon Card Stores in Japan kommt eine Gesichtserkennung zum Einsatz. Sie soll verhindern, dass einzelne Personen mehrfach am selben Tag in die Läden gelangen oder mehrere Zugangstickets beziehen.

Gesichtserkennungs-Scan wird zur Eintrittsbedingung

Die Pop-up-Stores öffnen vom 31. Juli bis zum 16. August 2026 und begleiten die Veröffentlichung der neuen Erweiterung “Storm Emeralda”. Die Standorte befinden sich in Natori, Chofu, Higashiura, Hiroshima-Fuchu und Chikushino. Verkauft werden dort nicht nur Boosterpacks und weiteres Zubehör für das Pokémon-Sammelkartenspiel, sondern auch ausgewählte Plüschfiguren und offizielle Pokémon-Center-Produkte. Zusätzlich sind kostenlose Einführungsveranstaltungen rund um das Kartenspiel geplant.

 

Wer im Grundschulalter oder älter ist, muss beim Betreten des Geschäfts sowie beim Erhalt eines nummerierten Tickets der Gesichtserkennung zustimmen. Das automatisierte System prüft, ob dieselbe Person bereits am gleichen Tag im Laden war oder schon ein Ticket erhalten hat. Pro Person ist nur ein Eintritt beziehungsweise ein Ticket pro Tag erlaubt. Erkennt die Software einen weiteren Versuch, wird der Zugang nach Angaben des Unternehmens verweigert.

Pokémon Storm Esmeralda

Darum geht es: Pokémon Storm Esmeralda Verkaufsaufsteller. Bild: The Pokémon Company

Auch ein kurzes Verlassen des Geschäfts kann problematisch werden. Kundinnen und Kunden müssen das Personal vorab informieren, wenn sie beispielsweise zur Toilette gehen möchten. Wer den Laden ohne entsprechende Bestätigung verlässt, darf möglicherweise nicht erneut hinein. Kinder im Vorschulalter sind von der Gesichtserkennung ausgenommen, müssen aber von einer erwachsenen Person begleitet werden.

Pokémon sammelt Gesichtsbilder und Besuchszahlen

Die Massnahme dürfte vor allem jene treffen, die Sammelkarten kaufen, um sie mit Gewinn weiter zu veräussern und darum die Kauflimits mit mehreren Besuchen umgehen wollen. Gerade begehrte Pokémon-Sets sind regelmässig schnell ausverkauft und landen kurz danach zu höheren Preisen auf Online-Marktplätzen. Wir haben schon in den vergangenen Jahren gesehen, wie Menschen zu McDonalds gingen, um die begehrtesten Pokémon-Karen aus Jubiläumseditionen zu ergattern und das Fastfood unangetastet und Kiloweise im Müll entsorgten.

 

Hier nun soll Gesichtserkennung das Weiterreichen von Tickets oder das erneute Anstellen deutlich schwieriger machen als klassische Kontrollen per Stempel, Armband oder Papierausweis.

 

Video: The Pokémon Company

 

Der Preis dafür ist allerdings ein erheblicher Eingriff in die Privatsphäre. The Pokémon Company bestätigt, dass sowohl Gesichtsbilder als auch die Anzahl der Besuche erfasst werden. Die Daten sollen sicher verwaltet, nur für die genannten Zwecke verwendet und nach einer nicht näher genannten Frist gelöscht werden. Wer der Verarbeitung nicht zustimmt, erhält weder Zutritt noch ein Ticket.

Anders als bei einer kurzen Sichtkontrolle eines Ausweises entsteht hier eine biometrische Datensammlung, der die Kundschaft nicht einfach ändern können. Ein verlorenes Passwort lässt sich ersetzen, das eigene Gesicht nicht. Umso wichtiger wären transparente Angaben dazu, welcher Anbieter das System betreibt, ob die Daten zentral oder lokal gespeichert werden und wie Betroffene eine fehlerhafte Erkennung anfechten können. Dazu nennt die Ankündigung bislang keine konkreten Einzelheiten.

 

Im März wurde der Pokémon Center Store Mega Tokyo gar geschlossen, nachdem eine Angestellte von einem mutmasslichen Stalker mit einem Messer tödlich verletzt wurde, woraufhin er sich selbst richtete. Der Store öffnet im August wieder offiziell und der Vorfall steht anscheinend nicht im Zusammenhang mit Pokémon Sammelkarten,

Fairere Verkäufe oder unverhältnismässige Überwachung?

Aus Sicht des Unternehmens soll das System eine sichere Einkaufsumgebung schaffen, Kriminalität verhindern und die Einhaltung der Verkaufsregeln gewährleisten. Für Fans kann die Technik tatsächlich bessere Chancen bedeuten, begehrte Produkte zum regulären Preis zu kaufen. Gleichzeitig bleibt offen, wie zuverlässig die Erkennung arbeitet, wie lange die biometrischen Daten gespeichert werden und was bei einer falschen Zuordnung passiert. Gerade bei Kindern ist Gesichtserkennung nicht immer mit hohen Trefferquoten gesegnet.

 

Vorerst ist der Einsatz auf die fünf temporären Kartenläden in Japan begrenzt. Eine flächendeckende Einführung in regulären Pokémon Centern wurde nicht angekündigt. Das Unternehmen arbeitet jedoch auch an weiteren Kontrollmechanismen. Für weitere, bestimmte Produkte ist in Japan bereits eine Identitätsprüfung mit amtlichen Dokumenten vorgesehen. 

 

Damit zeigt sich aber, wie gross das Problem rund um limitierte Sammelprodukte inzwischen geworden ist. Dass ausgerechnet der Kauf von Pokémon-Karten einen Gesichts-Scan voraussetzt, wäre vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen. Ob das Experiment die Verkäufe tatsächlich fairer macht oder vor allem eine neue Datenschutzdebatte auslöst, dürfte sich nach der Eröffnung der Pop-up-Stores zeigen. Das dürfte nun international aufmerksam beobachtet werden.

 

Quelle: Polygon (Englisch), The Pokémon Company