Großen Hollywood-Produktionen wird oft nachgesagt, sie wären mutlos. Um die breite Masse zu erreichen, werden immer wieder die gleichen Geschichten erzählt. Doch was passiert, wenn sich ein Regisseur eine der ganz großen Geschichten schnappt und sie auf völlig neue Weise adaptiert? Ein solches Wagnis darf man nicht verpassen.
Mit Noah hat Darren Aronofsky einen der ambitioniertesten Blockbuster der vergangenen Jahre geschaffen. 2014 kam die Verfilmung der französischen Graphic Novel
Noé, die wiederum auf der biblischen Geschichte der Arche Noah basiert, ins Kino und sorgte für ein apokalyptisches Spektakel, wie man es selten auf der Leinwand sieht.
Noah bei Netflix: Ein endzeitlicher Abenteuerfilm, der die vertraute Bibelgeschichte neu interpretiert
Die Grundzüge der Geschichte sind bekannt: Genauso wie im Alten Testament handelt Aronofskys Film von Noah (Russell Crowe), der die Vision einer verheerenden Flut hat. Nicht nur das Ende der Menschheit naht. Auch jegliche Tiere würden von den Wellen in den Tod gerissen werden. Das will Noah unbedingt verhindern.
Also beginnt er mit dem Bau einer riesigen Arche, mit der er nicht nur seine Familie, sondern auch die Tierwelt retten will. Von jedem Exemplar nimmt er zwei Exemplare mit – ein Weibchen und ein Männlein –, um den Fortbestand auf der Erde zu sichern. Doch Noahs Plan wird bald von Zweifeln und anderen Dingen durchkreuzt.
Daraus entwickelt sich ein mitreißendes Drama über einen Mann, der versucht, den göttlichen Willen zu verstehen. Erwartet allerdings keinen altbackenen Bibelfilm: Noah reichert die vertraute Genesis-Erzählung um einige unerwartete (Fantasy-)Elemente an. Gefallene Engel tauchen hier etwa in Form von Steinriesen auf.
Sonntagabend-Blockbuster bei Netflix: Aronofskys Noah begeistert mit unglaublichen Bildern
An diesem Punkt wird deutlich, was Aronofsky am meisten interessiert: Er will die Grenzen zwischen Verantwortung und Glauben ausloten – und das mit den gewaltigsten Bildern. Sein Endzeitepos entfaltet sich in hoffnungslosen und dennoch überwältigend schönen Naturaufnahmen vor mal regnerischen, mal glühenden Himmeln.
Immer wieder folgt er den Bewegungen von Silhouetten, die sich ihren Weg durch gleichermaßen karge wie mächtige Landstriche bahnen, bevor diese mehr und mehr im unheilvollen Tosen verschwinden und irgendwann nur noch das raue Wasser die Erdoberfläche bedeckt. Es beginnt ein erbarmungsloser Überlebenskampf.
Aronofsky nutzt seine gigantischen Aufnahmen vom Ende der Welt, um herauszufinden, ob die Menschheit überhaupt eine zweite Chance verdient. Sein Noah tritt somit nicht als strahlender Prophet in Erscheinung, sondern als zutiefst zerrissener Mensch, der zwischen Schöpfung und Zerstörung mit seiner eigenen Existenz hadert.
Das Hollywood-Kino des 21. Jahrhunderts hat einige Ausnahmefilme hervorgebracht, die sich in bestimmten Punkten ähneln. Noah steht jedoch recht allein da, wenn es um die Verortung in der Blockbuster-Landschaft geht. Deswegen lohnt sich ein Blick in das drastische Survival-Abenteuer, das auch als Psychothriller durchgehen würde.