Heute arbeitet Adolfo Ochagavía als selbstständiger Software-Entwickler. Das war allerdings nicht immer so: Auf seinem Blog berichtet er, wie er sich im Jahr 2015, als er sich noch mitten im Bachelor-Studium befand, für ein Sommerpraktikum bei Microsoft bewarb – und im Vorstellungsgespräch kläglich scheiterte.
Vorstellungsgespräch bei Microsoft
Junge Entwickler:innen, die im Jahr 2026 in der Tech-Branche starten wollen, bewerben sich vor allem bei jungen KI-Laboren wie Anthropic oder OpenAI. Im Vergleich dazu könne Microsoft wie eine seltsame Wahl klingen, so Ochagavia – zum damaligen Zeitpunkt habe der Konzern aber noch „cool” auf ihn gewirkt. Beeindruckt von der Arbeit an Typescript und der Open-Source-Neuprogrammierung des C#-Compilers träumte er davon, mit inspirierenden Personen wie Anders Hejlsberg und Joe Duffy zusammenzuarbeiten.
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„Etwas naiv schickte ich eine E-Mail an jemanden, der auf dem Microsoft-Stellenportal aufgeführt war. Ich wusste nicht, welches Praktikum ich wählen sollte, und hoffte, dass ein Gespräch mit einem Teammitglied mir weiterhelfen würde. Ich fügte meinen Lebenslauf bei, für den Fall, dass das relevant sein könnte“, schreibt er in seinem Blogbeitrag. „Meine Naivität wurde belohnt, als ich etwa einen Monat später eine E-Mail von einem Mitglied ihres Hochschul-Recruiting-Teams erhielt.“
Da er in den Niederlanden lebte und neun Stunden Zeitverschiebung hatte, wählte er einen Termin, der für ihn abends und für die Microsoft-Mitarbeiter:innen morgens lag. Nach der Terminplanung begann die Vorbereitung: Im Internet wurde das Buch Cracking the Coding Interview von Gayle Laakmann McDowell empfohlen, das die damaligen Fragen und Abläufe von Vorstellungsgesprächen in Tech-Unternehmen offenlegte. Anhand der Ratschläge bereitete Ochagavia sich vor, frischte sein Wissen über Datenstrukturen auf und übte eine Reihe von Denksportaufgaben. Am Tag des Gesprächs zeigte sich: Das Buch hatte ihn überraschend gut vorbereitet.
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Ehrlichkeit währt am längsten
In seinem Blog berichtet Ochagavía: „Cracking the Coding Interview erwies sich als erstaunlich treffsicher. Die Verhaltensfragen kamen in der erwarteten Form dran, und dank meiner Notizen konnte ich sie mühelos beantworten.“ Auch ein Denksport-Rätsel aus dem Buch wurde ihm im Vorstellungsgespräch gestellt. Ochagavía stand vor einem Dilemma: Sollte er so tun, als würde er die Aufgabe spontan richtig lösen – oder sollte er ehrlich sein? Er entschied sich für Letzteres und bat um ein Rätsel, das er noch nicht kannte.
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„Ist Ehrlichkeit nicht wertvoller als die Fähigkeit, Rätsel unter Zeitdruck zu lösen? Wenn ein Unternehmen das nicht erkennen kann, ist es selbst schuld“, dachte er. Die Interviewerin habe überrascht reagiert, ihm nach einer kurzen Pause aber ein neues Rätsel vorgelegt. „Diese Aufgabe stand nicht im Buch … und ich konnte sie unter dem Druck des Vorstellungsgesprächs nicht lösen. Wie peinlich!”, so Ochagavía.
Nach dem Gespräch fragte er sich, ob Microsoft seinen Mut zur Ehrlichkeit schätzen würde. Rund einen Monat später kam die Antwort auf seine Bewerbung – eine Absage. In seinem Blog schreibt er: „Vielleicht wollte Microsoft ja doch, dass Praktikant:innen im Rahmen ihrer Arbeit Rätsel lösen. Oder vielleicht habe ich auch etwas anderes vermasselt. Ich fürchte, ich werde es nie erfahren!“
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