Der Westdeutsche Rundfunk stellt die Sendung „Frau TV“ ein. Das teilte der WDR am Dienstagnachmittag auf Anfrage mit. Der Sender werde seine Angebote für weibliche Zielgruppen neu aufsetzen. „Anstelle des Magazins „Frau TV“ setzt der WDR künftig auf neue Formate und Angebote, die Frauen und ihre Perspektive in den Mittelpunkt stellen und speziell für digitale Ausspielwege produziert werden. Frauenpolitische Debatten, persönliche Geschichten von Frauen und Themen wie Emanzipation oder Geschlechtergleichstellung sollen dadurch mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bekommen und noch mehr Menschen erreichen. Denn das klassische Fernsehmagazin im WDR Fernsehen hatte in der Vergangenheit immer weniger Publikum“, heißt es seitens des WDR.

„Mit ‚Frau TV‘ verabschieden wir uns von einem langjährigen Fernsehformat, aber ganz ausdrücklich nicht von Angeboten für Frauen“, sagt Andrea Schafarczyk, WDR-Programmdirektorin NRW, Wissen und Kultur. „Ganz im Gegenteil: Themen wie Frauenrechte, gesundheitliche Chancengleichheit, Frauengesundheit, Selbstbestimmung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder Beziehungen haben bei uns eine lange Tradition und sind für den WDR unverzichtbar – sie liegen uns sehr am Herzen. Unser Ziel ist, mit anderen Erzählformen und Verbreitungswegen für diese Themen eine größere Aufmerksamkeit zu erzielen, als es uns mit dem klassischen Magazinformat gelungen ist.“

„Frau TV“ habe sich laut WDR als klassisches Fernsehmagazin zwar weiterentwickelt, trotzdem sei die Sehbeteiligung kontinuierlich gesunken. Der durchschnittliche Marktanteil lag im vergangenen Jahr lediglich noch bei 3,4 Prozent und einer durchschnittlichen Sehbeteiligung von 131.000 Zuschauerinnen und Zuschauern in NRW. Wann die Sendung zum letzten Mal läuft, teilte der WDR nicht mit. Wie aus dem Umfeld der Redaktion verlautete, soll „Frau TV“ zum letzten Mal im November zu sehen sein.

Die Sendung läuft seit Januar 1997 und wird im Wechsel von Lisa Ortgies und Sabine Heinrich moderiert. Das Themenspektrum war weit gefasst, reichte von Frauenrechten über Altersarmut bis zu Endometriose oder den umstrittenen Paragrafen 218. Aus dem Umfeld der Mitarbeiter war Unmut über die Entscheidung zu vernehmen. Die Sendung sei über die Jahre zu einer Marke geworden, habe ein Alleinstellungsmerkmal im öffentlich-rechtlichen Fernsehen und sei gerade in Zeiten, in denen Frauenrechte teils infrage gestellt würden, umso wichtiger. Diese Arbeit werde nun zu Ende gehen.

Wie es mit den Mitarbeiterinnen der Sendung weitergeht, ist noch unklar. Jede programmliche Veränderung habe immer auch Auswirkungen für die Mitarbeitenden, heißt es seitens des WDR. Es werde weiterhin eine Fachredaktion geben, die Themen für weibliche Zielgruppen kompetent und breit bearbeite. Konkrete Konsequenzen würden sich erst im Laufe der Formatentwicklungsprozesse herauskristallisieren und zuallererst mit den Kolleginnen und Kollegen direkt besprochen, hieß es.