Um ihre Software auf dem hart umkämpften Markt überhaupt monetarisieren zu können, binden die Programmierer:innen von mobilen Anwendungen regelmäßig fertige Werbe-Schnittstellen ein. Dabei geben sie die präzisen Standortdaten der Nutzerschaft häufig völlig unabsichtlich an große Werbenetzwerke weiter, wie die in der kalifornischen Stadt San Francisco ansässige Electronic Frontier Foundation in einem ausführlichen Bericht dokumentiert.
Die bekannte US-Bürgerrechtsorganisation hat in einer aktuellen technischen Analyse herausgefunden, dass viele sogenannte Software Development Kits (SDK) den physischen Standort standardmäßig und ohne weiteres Zutun abgreifen. Diese SDKs erben innerhalb des Betriebssystems automatisch die weitreichenden Berechtigungen der Haupt-App, sobald Nutzer:innen dieser den Zugriff auf die internen GPS-Daten des Smartphones erlauben.
Android: SDKs von Werbenetzwerken als Einfallstor
Die detaillierte Untersuchung der EFF nennt explizit die etablierten Werkzeuge von Anbietern wie InMobi mit Sitz im indischen Bangalore oder Huawei aus dem chinesischen Shenzhen. „App-Level-Standortberechtigungen allein können keine aussagekräftige Zustimmung zur Standorterfassung und -freigabe durch Werbe-SDKs von Drittanbietern bedeuten“, stellt die Bürgerrechtsorganisation klar.
Um diesen kontinuierlichen Datenabfluss effektiv zu stoppen, müssten die Programmierer:innen die standardmäßig aktivierte Funktion im komplexen Code der SDKs explizit deaktivieren. Da die technischen Dokumentationen der verschiedenen Anbieter jedoch oft extrem unklar formuliert sind oder diese Option verstecken, bleibt dieser wichtige Schritt in der Praxis nahezu immer aus.
Der Weg der Android-Standortdaten zu den Datenhändlern
Sobald die sensiblen Standortdaten in die massiven Werbesysteme fließen, werden sie über automatisierte Echtzeit-Auktionen innerhalb von Millisekunden an eine Vielzahl von Bietern verteilt. Wie Techcrunch anmerkt, landen diese privaten Informationen so bei spezialisierten Datenhändlern, die daraus hochgradig detaillierte Bewegungsprofile einzelner Personen erstellen.
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Diese Firmen verkaufen die aufbereiteten Datensätze anschließend mit hohem Profit an andere Wirtschaftsunternehmen, staatliche Regierungsbehörden oder sogar das Militär weiter. Für die betroffenen Nutzer:innen entsteht dadurch ein massives und unkontrollierbares Risiko, da genau diese zentralen Datenbanken in der Vergangenheit bereits mehrfach das lukrative Ziel von organisierten Hackerangriffen waren.
Falsche Sicherheit im Play-Store
Zahlreiche der betroffenen Anwendungen weisen in den verpflichtenden Datenschutzinformationen des von Google betriebenen Play-Store keineswegs darauf hin, dass sie Standortdaten an Dritte weitergeben. Die Entwickler:innen gehen dabei oft fälschlicherweise davon aus, dass ihr eigener Code datenschutzkonform ist, und übersehen schlichtweg die verborgenen Aktivitäten der eingebundenen Drittanbieter-Bibliotheken.
Die großen Anbieter der SDKs fördern dieses unachtsame Verhalten teilweise ganz bewusst, indem sie in ihren Anleitungen erhebliche finanzielle Anreize für das Teilen von Standortdaten in den Vordergrund stellen. Sie argumentieren gegenüber den Programmierer:innen, dass mit präzisen GPS-Koordinaten angereicherte Werbeeinblendungen in den entsprechenden Auktionen deutlich höhere Einnahmen für die App-Betreiber:innen generieren.
Verborgene Tracker in alltäglichen Android-Anwendungen
Die Experten der EFF fanden diese fragwürdigen Mechanismen unter anderem in simplen Werkzeugen wie QR-Code-Scannern oder digitalen Tachometern, die zusammen bereits dutzende Millionen Male heruntergeladen wurden. Solche grundlegenden Anwendungen benötigen den Standort oftmals für ihre eigentliche Kernfunktion, missbrauchen diese legitime Freigabe dann aber unfreiwillig für die Ausspielung von stark personalisierter Werbung.
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Zur Überprüfung der Netzwerkanfragen setzten die Analysten auf etablierte Instrumente wie die Plattform Exodus Privacy, die von der gleichnamigen gemeinnützigen Organisation aus dem französischen Paris betrieben wird. Diese forensischen Analysen zeigten unmissverständlich, dass exakte geografische Koordinaten der Testgeräte direkt an die Server der Werbeunternehmen übermittelt wurden, ohne dass die Nutzerschaft jemals darüber informiert wurde.
Verantwortung der Android-Entwickler:innen gefragt
Die aktuellen Erkenntnisse rund um diese Werbe-Bibliotheken zeigen, dass pauschale App-Berechtigungen in mobilen Betriebssystemen allein keine informierte Zustimmung der Nutzerschaft darstellen können. Wer eine Wetter-App nutzt und dieser den Standort für die lokale Vorhersage freigibt, stimmt damit keinesfalls einer kommerziellen Verwertung der täglichen Pendelstrecke durch global agierende Werbenetzwerke zu.
Entwickler:innen müssen den Code von Drittanbietern künftig zwingend deutlich kritischer prüfen und datenschutzfreundliche Standardeinstellungen einfordern, anstatt blind auf die lückenhaften Dokumentationen der Ad-Tech-Branche zu vertrauen. Bis sich diese etablierte Praxis flächendeckend ändert und strengere gesetzliche Vorgaben greifen, bleibt die Freigabe des Standorts auf Android-Geräten für Verbraucher:innen ein offenbar unkalkulierbares Privatsphäre-Risiko.
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