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Hamburg – Ein Porsche Cayenne GTS rast mit 120 km/h über den Hamburger Baumwall – trotz erlaubter 50. Die Polizei will den Fahrer kontrollieren, er fährt einfach weiter. Rast über eine rote Ampel, über einen Radweg, wechselt auf die Gegenfahrbahn und flüchtet zu Fuß weiter. Bei der filmreifen Verfolgungsjagd am 20. Juli 2022 wussten die Beamten noch nicht, wer da hinter dem Steuer saß. Es war ein echter Star-Rapper. Jetzt – mehr als drei Jahre später – droht ihm dafür Knast!
Es war Chartstürmer Kalim (33, bürgerlich Kalim Schamim), der ohne Führerschein in dem 500-PS-Boliden durch die Stadt raste. Den Durchbruch feierte der Deutsch-Afghane 2011 mit der Single „AON Spezial“ gemeinsam mit Xatar († 41) und SSIO (37).
Seitdem veröffentlichte er neun Alben, die alle in die deutschen Charts (bis zu Platz 7) einstiegen. Für die Single „Skrr“ bekam er Gold, nahm weitere Singles mit Szene-Größen wie GZUZ, Haftbefehl oder Bonez MC auf. Er steht bei einem der größten Labels, Universal Music, unter Vertrag.

Kalim ist ein Dauergast vor Hamburger Gerichten. Hier fotografierte BILD ihn bei einem früheren Prozess im Jahr 2022
Foto: Stefan Hesse
Was war bei der Verfolgungsjagd los? Laut Anklage soll Kalim versucht haben, sich einer Polizeikontrolle zu entziehen. An der einspurigen Hamburger Niederbaumbrücke soll der Rapper einen Lkw überholt haben – nicht links, sondern rechts über den Radweg.
Rote Ampel, 120 km/h, Flucht zu Fuß
Dann bog er weiter in den Baumwall ein, beschleunigte auf bis zu 120 km/h und raste dabei über eine rote Ampel. Wechsel auf die Gegenfahrbahn, Vollbremsung, weiter Flucht zu Fuß. Als die Beamten ihn schließlich stoppen, soll er sich dabei massiv gewehrt haben. Demnach drehte er sich immer wieder, spannte seinen Körper an und leistete Widerstand gegen die Beamten.
Am 13. September gab es in dem Fall bereits ein erstes Urteil, Kalim wurde zu insgesamt 19 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt (ohne Bewährung). Doch Kalim legte damals Berufung ein, deshalb ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.
Der Fall wurde nun am Donnerstag vor dem Hamburger Landgericht neu verhandelt. „Herr S. wurde zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung verurteilt“, bestätigte Dr. Marayke Frantzen, Richterin am Oberlandesgericht und Leiterin der Gerichtspressestelle, BILD. Das Urteil: Ein Jahr und sieben Monate ohne Bewährung.
Nach BILD-Infos legte sein Anwalt nochmals Revision ein, die auch zulässig ist. Es könnte also zu einer weiteren Verhandlung kommen.
Kalims Strafakte ist lang
Kalim ist ohnehin Dauergast vor Gericht, deshalb darf er bei einem weiteren Urteil auch nicht auf Bewährung hoffen. Den Führerschein ist er bereits seit 2017 los. Trotzdem setzte er sich immer wieder hinter das Steuer. 2018 wurde er ohne Fahrerlaubnis in seinem Mercedes-Geländewagen G350d erwischt. Auch im April und Juli 2020 stoppte ihn die Polizei erneut – wieder ohne Führerschein.
Bei den Kontrollen im Jahr 2020 fanden Beamte außerdem eine scharfe Schusswaffe samt Munition in der Mittelkonsole. Dabei besteht gegen Kalim bereits seit 2008 ein Waffenverbot.
Der Wagen wurde damals auf Anordnung der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Im August 2020 verurteilte das Amtsgericht Hamburg-St. Georg den Rapper zu einem Jahr auf Bewährung. Zusätzlich musste er 28.800 Euro Geldstrafe zahlen – wegen Beleidigungen und notorischen Fahrens ohne Fahrerlaubnis.