Eine retrospektive Real-World-Analyse liefert neue Evidenz zur Gewichtsentwicklung unter dem digitalen Therapeutikum zanadio bei Menschen mit Adipositas und kardiovaskulären Risikofaktoren oder bereits bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung. Die Untersuchung umfasst insgesamt 5.733 Patient:innen und wurde am 11. Juli 2026 in der internationalen Fachzeitschrift Obesities (MDPI) veröffentlicht.

Sie ist nach Kenntnis der Autor:innen die erste Studie unter realen Bedingungen zu einem über eine mobile App bereitgestellten digitalen Therapeutikum zur Lebensstilumstellung bei Patient:innen mit Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Die Beobachtungsstudie unter realen Bedingungen schloss Erwachsene mit einem BMI von 30 bis 45 kg/m² ein, die mindestens eine dreimonatige Verschreibung von zanadio abgeschlossen und die Gewichtsdokumentation in der App genutzt hatten. Analysiert wurden Daten von 4.314 Patient:innen mit Adipositas und kardiovaskulären Risikofaktoren sowie 1.419 Patient:innen mit etablierter Herz-Kreislauf-Erkrankung. Primärer Endpunkt war die selbst berichtete prozentuale Gewichtsveränderung nach 3, 6, 9 und 12 Monaten. Für die Auswertung wurde unter anderem die konservative Last-Observation-Carried-Forward-(LOCF)-Methode verwendet.

Mehr Gewichtsverlust bei fortgesetzter Teilnahme

Bei Patient:innen, die die Behandlung fortsetzten, war zanadio mit einer klinisch relevanten Gewichtsabnahme von mindestens fünf Prozent assoziiert. Die Responderanalyse zeigte einen klaren Dosis-Wirkungs-Zusammenhang: Mit jeder weiteren Verschreibungsphase nahm der Anteil der Patient:innen zu, die relevante Gewichtsverluste erreichten. Nach zwölf Monaten erzielten 57,5 % der Patient:innen mit kardiovaskulären Risikofaktoren und 56,7 % der Patient:innen mit etablierter Herz-Kreislauf-Erkrankung einen Gewichtsverlust von mindestens fünf Prozent.

Die Ergebnisse ergänzen die bisherige Evidenz aus der randomisierten Zulassungsstudie von Roth et al. (2023), in der unter Intention-to-treat-Bedingungen eine mittlere Gewichtsabnahme von 7,8 % nach zwölf Monaten gezeigt wurde. Während die Zulassungsstudie die Wirksamkeit unter kontrollierten Bedingungen belegte, liefert die aktuelle Analyse Erkenntnisse zur Anwendung im Versorgungsalltag einer kardiovaskulär relevanten Population.

Die Analyse adressiert zugleich eine bislang bestehende Evidenzlücke: Daten aus der Routineversorgung gelten als wichtiger Baustein für die Bewertung digitaler Therapeutika im klinischen Alltag. Weitere Studien unter Einbeziehung klinischer Routinedaten und elektronischer Patientenakten sollen die Evidenzbasis künftig weiter ausbauen.

Die Autor:innen weisen darauf hin, dass es sich um eine retrospektive Beobachtungsstudie handelt, in der ausschließlich selbst berichtete Gewichtsveränderungen erfasst wurden. Aussagen zu kardiovaskulären Endpunkten oder einer Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse lassen sich aus den Daten nicht ableiten.

Über zanadio

Seit 2020 ist zanadio als digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) im Verzeichnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gelistet und kann bei Patient:innen mit Adipositas und einem BMI von 30–40 kg/m² auf Kassenrezept verordnet werden. zanadio basiert auf den Prinzipien der evidenzbasierten konservativen Adipositastherapie und integriert verhaltenstherapeutische, ernährungsmedizinische und bewegungsbezogene Ansätze in ein strukturiertes digitales Behandlungsprogramm. Der Schwerpunkt liegt auf der Veränderung adipositasassoziierter Verhaltensmuster, insbesondere in Bezug auf Ernährung, Bewegung, Emotionsregulation und Selbstwirksamkeit. Damit adressiert das Programm zentrale Mechanismen der chronischen Erkrankung Adipositas im Sinne eines langfristigen Krankheitsmanagements. In einer randomisiert-kontrollierten Studie konnte unter aktiver Nutzung von zanadio eine klinisch relevante Gewichtsreduktion von knapp 8 % innerhalb von 12 Monaten gezeigt werden. Damit erreicht das Programm den in der S3-Leitlinie Adipositas der Deutsche Adipositas-Gesellschaft empfohlenen Zielkorridor von 5–10 % Gewichtsreduktion innerhalb von 6–12 Monaten und übertrifft das Mindestziel einer klinisch relevanten Reduktion von ≥5 %.