Der bevorstehende Machtwechsel in mehreren europäischen Schlüsselstaaten stellt die sogenannte «Koalition der Willigen» zur Unterstützung der Ukraine vor eine ungewisse Zukunft, schreibt der britische Telegraph im Artikel «The slow death of the coalition of the willing» – zu Deutsch: Der langsame Tod der Koalition der Willigen. Nach dem Rücktritt des britischen Premierministers Keir Starmer droht mit dem Ausscheiden des französischen Präsidenten Emmanuel Macron im kommenden Jahr eine weitere Zäsur. Diplomaten und Beobachter befürchten ein Führungsvakuum, das die europäische Koordination im Ukraine-Krieg schwächen könnte.

TERESA SUAREZ / POOL / KEYSTONE

epa13109103 (L-R) German Chancellor Friedrich Merz, Ukrainian President Volodymyr Zelensky, French President Emmanuel Macron, and British Prime Minister Keir Starmer address a press conference after the Coalition of the Willing summit on security guarantees for Ukraine at the Hotel des Invalides in Paris, France, 13 July 2026

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Starmer und Macron hatten nach dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump die politische Führung innerhalb Europas übernommen. Gemeinsam brachten sie mehr als dreissig Staaten in der «Koalition der Willigen» zusammen, die Kiew militärisch und politisch unterstützen und im Fall eines Waffenstillstands auch Sicherheitsgarantien leisten sollen. Zudem treiben London und Paris gemeinsame Pläne zur Sicherung der Schifffahrt in der Strasse von Hormus voran.

Starmers Nachfolger Andy Burnham hat zwar bekräftigt, die britische Unterstützung für die Ukraine unverändert fortzusetzen. Sein Schwerpunkt liegt jedoch innenpolitisch, zudem verfügt er über deutlich weniger aussenpolitische Erfahrung. Seine erste Begegnung mit einem ausländischen Staatschef galt dennoch dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Grössere Unsicherheit besteht mit Blick auf Frankreich. Macron darf nach zwei Amtszeiten 2027 nicht erneut kandidieren. Als aussichtsreiche Bewerber gelten derzeit Marine Le Pen vom Rassemblement National sowie der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon. Beide vertreten Positionen, die eine deutlich zurückhaltendere Unterstützung der Ukraine erwarten lassen. Diplomatische Kreise prüfen bereits die möglichen Folgen eines Machtwechsels für die britisch-französische Zusammenarbeit und den künftigen Kurs der «Koalition der Willigen».

Auch Deutschland gilt nur bedingt als möglicher Führungsstaat. Bundeskanzler Friedrich Merz steht innenpolitisch unter Druck und hat sich bislang geweigert, deutsche Soldaten für eine mögliche Friedensmission in der Ukraine zuzusagen. Polen und Italien unterstützen Kiew zwar politisch und militärisch, lehnen jedoch ebenfalls eine Entsendung eigener Truppen ab.