Klein, aber fein: Die Premiere des neuen Messe-Formats «Moto-Zürich» ist durch. Rückblick, Stimmen und Einschätzung zum überregionalen Event, mit dem potenziell die ersten Seiten eines neuen Kapitels Schweizer Töff-Geschichte ­geschrieben wurden.

 

Die Spannung auf die Moto-Zürich, die vom 20. bis 22. Februar in Zürich-Oerlikon über die Bühne ging, war gigantisch. Denn alle kannten die in unmittelbarer Nähe zur neuen Location durchgeführte Swiss-Moto. Sie war über Jahrzehnte hinweg eine Institution, an die das in den Jahren 2023 und 2024 in Bern durchgeführte Moto-Festival zumindest in Bezug auf die Be­sucherzahlen nicht anzuknüpfen vermochte.

 

Moto-ZürichMoto-Zürich

 

Moto-Zürich, das neue Format

Und jetzt – nach einem Jahr der Stille – war plötzlich ein neues Format da; das überregionale Event «Moto-Zürich». Ausgetragen in den trendigen Locations «StageOne» und «Halle 550» in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof Zürich-Oerlikon. Wobei von Beginn weg klar war: Die Moto-Zürich wird keine zweite Swiss-Moto werden. Das hatte Messeveranstalter Yves Vollenweider schon früh klargemacht. Kleiner – überregional, nicht national – sollte das neue Format angelegt sein. Damit die Kosten für die Aussteller überschaubar bleiben und weil Vollenweider unbedingt eine stilvoll-familiäre Stimmung herbeiführen wollte, was in den grossen, eher sterilen Messehallen der MCH Group und der BernExpo nur bedingt möglich ist. Und richtig: Diese Worte stammen von jenem Yves Vollenweider, der in der Funktion des Messeleiters unter Beratung des Schweizer Importeursverbands insgesamt 13 Swiss-Moto-Austragungen plante und durchführte. Auch hier gibt es insofern eine zentrale Neuerung, als der Branchenverband bei der Planung und Durchführung der Moto-Zürich nicht involviert war.

 

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Halle StageOne.

 

Auch 2027 wieder eine Moto-Zürich

Schon über den Online-Vorverkauf konnten Vollen­weider und sein Team, das an der Messe auch aus freiwilligen Helfern bestand, deutlich über 9000 Tickets verkaufen, hiess es. Am Ende der Veranstaltung sollen dann aber gut 22’000 Besucher gezählt worden sein! Vollenweider: «Das hat unsere Erwartungen bei Weitem übertroffen, denn wir hatten mit rund 10’000 Besuchern gerechnet. Die Erleichterung ist entsprechend gross, denn die Organisation war sehr anspruchsvoll. Neue Location, neues Team, neue Regulatorien. Die ersten Gedanken zur Moto-Zürich machte ich mir ­bereits im Jahr 2021 – es war also ein langer Weg.»

 

 

Vorweg: Die Moto-Zürich wird auch im nächsten Jahr wieder stattfinden (19. bis 21. Februar), so viel steht für Vollenweider fest: «Das Datum steht bereits. Von vielen Ausstellern liegt die Zusage bereits vor. Wir werden nun aber die Aussteller- und Besucherstimmen auswerten und dann entscheiden, in welche Richtung es gehen wird. Was ich sicher nicht will, ist eine zweite Swiss-Moto. Die Moto-Zürich soll eine gewisse Grösse nicht überschreiten, sodass der familiäre und überschaubare Charakter des Events erhalten bleibt. Wir haben in diesem Jahr gut 10 000 m2 bespielt, hätten aber noch zusätzliche 2000 m2, die wir theoretisch hinzuziehen könnten. Aber eben, ich will nicht zurück in ein klassisches Messekonzept à la Swiss-Moto. Der Saisonstart soll für die Aussteller bezahlbar bleiben und den Besuchenden ein besonderes Erlebnis bieten.»

 

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Ambiente mit industriellem Flair

Nach dem «Check-in» bzw. dem Ticket-Kauf vor Ort ging es wieder raus, einmal um die Ecke und dann rein ins Vergnügen. Konkret betraten die Besuchenden zunächst die StageOne-Halle, die – wie die Halle 550 – mit einem coolen, industriellen Flair bezirzt. Tatsächlich wurden hier zu ABB-Zeiten Produkte für die Maschinen­industrie gefertigt. Von dieser Zeit zeugen sichtbare Stahlkonstruktionen und Lastkran-Elemente.

 

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Das Lichtkonzept ist dunkel gehalten, die Exponate werden stilvoll via Spots hervorgehoben. Einen Top-Platz direkt beim Eingang hatten sich Honda und «Biker’s Life» geschnappt, ein grosser Händlerstützpunkt aus dem Grossraum Zürich. Dies gibt zu verstehen, dass sich die Moto-Zürich im Gegensatz zur Swiss-Moto nicht primär an die offiziellen Importeure richtet, sondern durchaus auch an den Fachhandel. Flächenmässig prominent auftretende Händler waren auch Moto-Tech sowie hostettler moto. Wobei generell jeweils nicht das komplette Line-up der Hersteller gezeigt wurde, sondern primär die wichtigsten Modellneuheiten. Ducati nutzte die Moto-Zürich sogar als offiziellen Schweiz-Verkaufsstart für die neue Monster.

 

Rundgang durch die Moto-Zürich

Einmal drin konnte man entscheiden, ob man unten durchstarten oder auf die Empore will. Über diverse Treppen gelangte man in den oberen Bereich, wo etwa Harley-Davidson, Triumph, BMW Motorrad und Aprilia/MotoGuzzi/Piaggio anzutreffen waren. Besonders originell erschienen dabei die «schwebenden Glas-Cubes», deren Inhalt auch von aussen bzw. unten sichtbar und insofern perfekt in Szene gesetzt war. Auch unter der Empore und unter den Cubes waren diverse Töffhersteller anzutreffen, etwa der chinesische Konstrukteur Benda. Für Abwechslung sorgten immer wieder kleinere Präsenzen von Bekleidern, Umbauern sowie Schmuck- und Zubehöranbietern.

 

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Am anderen Ende der StageOne-Halle waren die eher klassisch anmutenden Standflächen von Suzuki und Ducati zu begehen, wobei letztere strategisch insofern clever positioniert war, als sie sich zur Live-Arena hin öffnete. An Bänken sitzend konnten die Besuchenden hier etwas trinken und Talks, Interviews, Referaten, Racing-Einblicken sowie Live-Schaltungen beiwohnen, die auf der grossen Bühne dargeboten wurden.

 

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Rüber in die «Action-Halle»

Direkt neben der Live-Arena konnte man via (eher ­engem) Durchgang in die als Kontrast hell gehaltene Halle550 und damit in die «Action-Halle» schreiten. Auf einer abgesperrten Fläche gab es hier regel­mässig Stunt-Shows, Interviews, Pit-Bike-Action und ­sonstige dynamische Darbietungen zu geniessen.

 

Diverse Schweizer Rennfahrer wie Marcel Brenner, Domi Aegerter oder auch das Bolliger-Team ­hatten hier ihre Präsenz. Ebenso Communities, der MV Agusta Club Schweiz mit traumhaften Klassik-­Exponaten und sehr wichtig: der «Food Court». Die Top-Qualität des «Black Burgers» und des Gyros hatte sich schnell herumgesprochen. Aber auch die klassischen Würste waren schmackhaft und durften selbstverständlich nicht fehlen.

 

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Moto-Zürich: Wer wagt, gewinnt!

Aus unserer Sicht hat die Moto-Zürich eine tolle ­Pre­miere hingelegt. Das Ambiente war – zumindest in der StageOne-Halle – sehr stimmungsvoll, erfrischend ­anders und liebevoll assortiert. Dagegen fiel die Action-Halle in Bezug auf die Anmutung etwas ab, aber das tut der Sache keinen Abbruch.

 

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Kritikpunkte, die zu hören waren, sind neben dem generell als hoch empfundenen Ticketpreis von 28 Franken die Tatsache, dass man teils lange draussen oder beim Food Court anstehen musste, wo die Sitzgelegenheiten teilweise erschöpft waren. Dass der Zutritt aus feuerpolizeilichen Gründen über Zeitfenster geregelt werden musste, fand nicht bei allen Verständnis. Ebenfalls zu überdenken sind das Belüftungssystem in der StageOne-Halle, wo es – speziell auf den Emporen – ziemlich warm war, sowie generell die Bar­rierefreiheit. Aber eben: Die Moto-Zürich des Jahres 2026 war ein Erstlingswerk, wobei niemand erwarten kann, dass bei der Premiere alles perfekt läuft. Und Vollenweider ist sich bewusst, dass hier und dort Anpassungen vorzunehmen sind.

 

 

Wir haben die Moto-Zürich als erfrischend anders wahrgenommen. Als guten und zeitgemässen Mittelweg. Dass gut 22 000 Besuchende in Zürich-Oerlikon zu Gang waren zeigt: die Töfffahrer-Community ist da! Sie schläft nicht und steht Gewehr bei Fuss, wenn es einen Saisonstart-Event gibt. Egal, ob national oder regional. Wir wollen Yves Vollenweider und seinem Team ein Kompliment aussprechen. Denn – und hier kann niemand widersprechen –, er hat den Schritt gewagt und aus dem Nichts ein (ja, in gewissen Punkten optimierbares) Event geschaffen, das sowohl aufseiten der Community als auch der Motorrad-Branche definitiv eine grosse Nachfrage bedient.

 

 

Info: motozuerich.ch