LONDON (IT BOLTWISE) – ING hebt für seine Banking-App die Mindestanforderungen deutlich an: Seit Anfang August gilt Android 11 oder iOS 16. Das betrifft laut Bericht besonders ältere Geräte wie das iPhone 7 und frühe iPhone-SE-Modelle. Revolut blockiert zudem beim Login Nutzer von GrapheneOS via Google-Play-Integritätsprüfungen. Parallel kündigt WhatsApp die Unterstützung für Android 5.0 und 5.1 ab dem 8. September 2026 an – damit rücken auch dort neuere Betriebssystemstände in den Fokus.
ING, Revolut und WhatsApp erhöhen Hürden: Ältere Smartphones fliegen aus dem Banking (Foto: IT BOLTWISE)
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Für Nutzer fühlt sich das oft wie ein „App funktioniert plötzlich nicht mehr“ an, technisch steckt dahinter jedoch eine klare Sicherheitslogik: Banking-Apps sind ein besonders attraktives Ziel für Angriffe, weil kompromittierte Geräte nicht nur Zahlungsinformationen preisgeben, sondern auch als Einfallstor in den Kontokontext dienen. Genau deshalb steigen in mehreren Ländern und über unterschiedliche App-Ökosysteme hinweg die Systemanforderungen. ING hat die Hürde für sein mobiles Banking vorgezogen und verlangt seit Anfang August als Mindestvoraussetzung Android 11 oder iOS 16 – ursprünglich war der Umstieg erst für den 15. September geplant. Damit fallen vor allem ältere Geräte aus dem „unterstützt“-Raster, darunter das iPhone 7 und die erste Generation des iPhone SE, während viele Android-Geräte bereits die neuen Voraussetzungen erfüllen.
Auch bei den Zahlen dahinter zeigt sich, wie stark der Betriebssystem-Zyklus die Praxis bestimmt: Laut Branchendaten erfüllen rund 83 Prozent der aktiven Android-Geräte bereits den neuen Standard. Interessant ist dabei weniger die Quote allein, sondern der Effekt für die restlichen 17 Prozent – denn genau diese Gruppe muss entweder ein Upgrade durchführen oder mit eingeschränktem App-Zugriff leben. Diese Art von Umstellung ist organisatorisch und technisch anspruchsvoll, weil die Banking-App nicht nur auf neue API-Funktionen oder Sicherheitsmechanismen setzt, sondern auch einen verlässlichen Root-of-Trust-Pfad erwartet. Wenn dieser Pfad nicht mehr plausibel nachgewiesen werden kann, wird der Login faktisch zum „Abbruchkriterium“.
Revolut setzt dabei auf einen anderen Hebel als reine Mindestversionen: Der Anbieter hat am 7. August „Google-Play-Integritätsprüfungen“ eingeführt. Konkret bedeutet das, dass die Maßnahme Nutzer des datenschutzorientierten Betriebssystems GrapheneOS beim Login blockiert – selbst wenn die Revolut-App weiterhin Android 9 unterstützt. Diese Trennung ist für das Verständnis entscheidend: Es geht nicht nur um die Version des Betriebssystems, sondern um die Fähigkeit, eine bestimmte Integritäts- und Sicherheitslage über das Plattform-Ökosystem zu belegen. Für Entwickler und Sicherheitsverantwortliche ist das ein Hinweis darauf, dass künftig immer häufiger nicht allein das Betriebssystem, sondern auch dessen Vertrauensanker und Prüflogik über „App-Zugriff ja oder nein“ mitentscheiden.
WhatsApp schließlich macht sichtbar, wie schnell auch Kommunikations-Apps nachziehen, obwohl sie nicht primär „Banking“ sind. Da solche Messaging-Dienste in der Praxis häufig für finanzielle Abstimmungen genutzt werden, wirkt sich jede Änderung der technischen Kompatibilität indirekt auf Finanzprozesse aus. Der Anbieter stellt ab dem 8. September 2026 die Unterstützung für Android 5.0 und 5.1 ein. Neue Mindestanforderungen sind dann Android 6.0 sowie iOS 15.1; betroffen sind laut Bericht unter anderem die iPhone-5-Serie sowie ältere Samsung-Galaxy- und Motorola-Geräte. Für Unternehmen und Power-User ist das eine Erinnerung: Security ist nicht nur ein Thema der jeweiligen App, sondern des gesamten Gerätes und der Kommunikationskette, über die Zustimmungen, Rücksetzungen oder Sicherheitscodes laufen.
Während die Plattformseite also strenger wird, kommen parallel konkrete Schutzfunktionen hinzu. ING hat am 8. August eine Funktion freigeschaltet, mit der Kunden PIN-Codes neu ausgestellter Bankkarten direkt in der App einsehen können. Technisch ist das nicht „mehr Daten“, sondern eine kontrollierte Reduktion von Risiko: Die Funktion wird durch die vorhandenen Biometrie- oder Passcode-Ebenen der App abgesichert, wodurch sichtbare PINs etwa durch Schulterblick erschwert werden. Ergänzend verschiebt sich der Fokus weg von reinem „Software-Checks-only“ hin zu Hardware-gestützter Kryptografie. Auf der Hardwareseite hat STMicroelectronics das Sicherheitselement ST54M vorgestellt, das auf quantenresistente Kryptografie (PQC) setzt und Smartphones sowie Fahrzeugsysteme gegen zukünftige Entschlüsselungstechniken absichern soll. Die Technologie basiert auf der ARM-Cortex-M35P-Architektur und unterstützt moderne Standards wie ML-KEM und ML-DSA – ein Hinweis darauf, dass „Post-Quantum“ zunehmend von Laborpapieren in Richtung Produktdesign wandert.
Auch regulatorisch verläuft die Entwicklung in eine Richtung, in der technische Details direkt auf Nutzerprozesse durchgreifen. Für Indien hat die indische Zentralbank neue Regeln zur Kreditrückzahlung erlassen, die ab dem 1. Januar 2027 gelten: Das betrifft unter anderem Grenzen bei der Belästigung von Kreditnehmern und die zeitliche Einschränkung der Kommunikation zur Eintreibung auf 8 bis 19 Uhr. Besonders relevant für die technische Umsetzung in Finanz-Apps und Back-Ends sind die Vorgaben zur Fernsperrung von Geräten: Finanzinstitute dürfen ein Gerät nur dann remote sperren, wenn eine Zahlung mindestens 30 Tage überfällig ist; eine vollständige Sperrung ist erst nach 60 Tagen Verzug erlaubt. Begleicht der Kreditnehmer seine Schulden, muss der Zugang innerhalb einer Stunde wiederhergestellt sein – andernfalls droht laut Quelle eine Strafe von 250 Rupien pro Stunde. Damit wird klar: Sicherheits- und Zugriffsthemen sind nicht nur Produktfragen, sondern werden in manchen Märkten sehr konkret in Prozesse, Fristen und Automatisierungslogik gegossen.
Abseits der App-Kompatibilität zeigt sich zudem, wie dynamisch das Ökosystem der digitalen Finanzen weiter wächst – und damit auch der Druck, Sicherheits- und Identitätsketten zuverlässig zu betreiben. In Finnland wurde ein Anstieg der Transaktionen über das Peppol-Netzwerk um 60,6 Prozent zwischen 2024 und 2025 berichtet, nachdem die Zentralregierung das Netzwerk am 1. April 2024 übernommen hatte. Auf der Zahlungsseite erweitern Partnerschaften im B2B-Umfeld die Automatisierung virtueller Kartenzahlungen, während gleichzeitig Finanzfunktionen in mobile Geldbörsen weiter in den Alltag einziehen. Selbst im Kontext von Hotel-Zimmerschlüsseln in einer Apple Wallet sieht man, dass „ein Gerät, ein Zugriff, ein Sicherheitsmechanismus“ zunehmend zur Standardidee wird. Für Banken und Zahlungsanbieter folgt daraus eine klare Konsequenz: Wer Nutzer nicht verliert, muss die Kombi aus kompatiblen Betriebssystemständen, überprüfbarer Gerätesicherheit und stimmigen Account-Prozessen stabil hinbekommen – sonst werden aus Compliance- und Security-Verbesserungen schnell Support-Aufwände.
Der Kern der aktuellen Entwicklung ist damit weniger die einzelne Sperre oder die eine Mindestversion, sondern die Vereinheitlichung von Erwartung und Risiko: Apps sollen nur dann funktionieren, wenn das Gerät die erwartete Sicherheitslage mitbringt. ING setzt hierfür auf harte Mindestvoraussetzungen, Revolut kombiniert das mit Integritätsprüfungen, und WhatsApp verschiebt den Kompatibilitätsrahmen für ältere Android- und iOS-Stände. Gleichzeitig entsteht durch PQC-fähige Sicherheitselemente wie das ST54M ein mittelfristiger technologischer Unterbau, der auch zukünftige Bedrohungsmodelle adressieren soll. Wer in diesem Umfeld Produkte betreibt oder in Konzernen für Endgerätekonzept und Identitätsprozesse verantwortlich ist, sollte die nächsten Schritte daher nicht nur als „Update-Pflicht“ interpretieren, sondern als Architekturfrage: Welche Vertrauenssignale werden akzeptiert, wie werden Übergangsphasen kommuniziert, und wie wird sichergestellt, dass Sicherheitsverbesserungen den Nutzerfluss nicht unplanmäßig abreißen lassen.
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