Per Zufall kommt niemand am «Zehndi» vorbei. Es ist eines der idyllischsten Restaurants Berns und eines der schönsten am Wasser überhaupt – aber auch gut versteckt. Ein helles, altes Haus mit grünen Fensterläden, Kiesplatz, langen Gartentischen und weissen Sonnensegeln, auf der Engehalbinsel, direkt an der Aare. Rundherum: Wald, Wiesen, Gewächshäuser. Die Stadt ist nah, fühlt sich aber plötzlich weit weg an. Die Anreise gehört bereits zum Besuch: zu Fuss oder mit dem Velo durch den Wald, mit dem Auto über die holprige Zufahrt – am schönsten aber von Bremgarten aus mit der Fähre, die zwischen den Ufern pendelt. Zwei Franken kostet die Überfahrt. Unter alten Bäumen sitzen die Gäste, während Marans, Satsumadori, schwedische Blumenhühner und andere seltene Hühnerrassen zwischen den Tischen herumstolzieren und auf einen Brotkrümel hoffen. Die Kombination hat etwas Magisches, ohne ins Kitschige zu kippen: guter Wein, herzlicher Service, ein Fluss zum Reinspringen – und eine Küche, die sorgfältiger arbeitet, als eine abgelegene Ausflugsbeiz erwarten liesse.