Kochen mit offener Flamme gehört in vielen Haushalten zum Alltag. Doch ein Gasherd kann die Luft in Innenräumen stärker beeinflussen, als vielen bewusst ist. Eine neue Untersuchung zeigt nun, dass ein Wechsel der Kochtechnik bei einer bestimmten Personengruppe mit deutlich messbaren gesundheitlichen Veränderungen verbunden sein könnte.
Gasherd: Wechsel auf Elektroherd zeigt deutlichen Effekt
Forscher*innen untersuchten, was passiert, wenn Menschen mit schlecht kontrolliertem Asthma – Beschwerden, die trotz Behandlung weiterhin regelmäßig auftreten – ihren Gasherd gegen einen Elektroherd austauschen. Dafür wurden in den Wohnungen von 85 Betroffenen die Geräte gewechselt. Gleichzeitig erfasste man den sogenannten Asthma-Control-Questionnaire-Wert, kurz ACQ-Wert. Dieser zeigt an, wie gut oder schlecht Asthma bei einer Person kontrolliert ist. Er basiert auf einem standardisierten Fragebogen zu Beschwerden wie Atemnot, nächtlichem Erwachen, Einschränkungen im Alltag und dem Bedarf an Notfallmedikamenten.
Laut der im Fachjournal The Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice veröffentlichten Studie lag der ACQ-Wert vor dem Austausch im Durchschnitt bei 2,6. Zwei bis drei Monate danach sank er auf 1,5. Ein niedrigerer Wert steht dabei für eine bessere Kontrolle der Erkrankung.
Auch bei schwereren Beschwerden zeigte sich ein auffälliger Unterschied. Vor dem Herdwechsel berichteten zehn der 85 Teilnehmenden, also 11,8 Prozent, innerhalb der vorangegangenen vier Wochen wegen Asthma in einer Notaufnahme oder im Krankenhaus gewesen zu sein. Beim späteren Kontrolltermin waren es nur noch drei Personen beziehungsweise 3,5 Prozent. Auch Fehltage in Schule oder Beruf gingen laut der Untersuchung zurück.
Topaktuell
Schadstoffbelastung durch den Gasherd sinkt deutlich
Als mögliche Erklärung rückt Stickstoffdioxid, kurz NO₂, in den Mittelpunkt. Das Gas entsteht unter anderem bei Verbrennungsprozessen und kann die Atemwege reizen. Im Rahmen der Untersuchung sank die gemessene NO₂-Konzentration in den Wohnungen nach dem Austausch des Gasherds im Mittel von 21,0 auf 6,3 Teile pro Milliarde (ppb). Das entspricht einem Rückgang um 14,7 ppb.
Damit liefert die Untersuchung einen Hinweis darauf, dass nicht nur Medikamente oder klassische Auslöser für die Kontrolle von Asthma eine Rolle spielen könnten. Auch die Belastung im eigenen Haushalt könnte relevant sein. Der Gasherd ist dabei deshalb interessant, weil beim Kochen Verbrennungsprodukte unmittelbar in Innenräumen entstehen.
Frühere wissenschaftliche Arbeiten kommen allerdings nicht durchgehend zu identischen Ergebnissen: Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse aus dem Jahr 2024 bewertete den Zusammenhang zwischen gasförmigen Brennstoffen und verschiedenen Atemwegserkrankungen insgesamt vorsichtiger.
Die Forschenden werteten dazu 116 bereits veröffentlichte Studien aus. Dabei lag der Fokus allerdings nicht speziell auf Menschen mit schwer oder schlecht kontrolliertem Asthma und auch nicht gezielt auf dem Effekt eines Herdwechsels. Stattdessen werteten die Forschenden allgemein aus, ob Kochen oder Heizen mit Gas mit Asthma, pfeifender Atmung und anderen Atemwegsbeschwerden zusammenhängt. Im Vergleich zu saubereren Energiequellen wie Strom fanden sie keinen eindeutigen statistisch belastbaren Zusammenhang zwischen Gasnutzung und Asthma.
Forscher warnen vor vorschnellen Schlussfolgerungen
Die neuen Ergebnisse bedeuten deshalb nicht, dass der Austausch eines Herds Asthma automatisch verbessert. Die aktuelle Untersuchung hatte keine Kontrollgruppe, bei der der Gasherd unverändert blieb. Dadurch lässt sich nicht sicher ausschließen, dass ein Teil der beobachteten Veränderungen auf andere Faktoren zurückzuführen ist. Auch die Autor*innen selbst betonen in ihrer Publikation, dass eine kontrollierte klinische Studie notwendig sei, um den Effekt zu bestätigen und langfristige Auswirkungen zu untersuchen.
Für Haushalte mit schlecht kontrolliertem Asthma sind die Resultate dennoch bemerkenswert. Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass Betroffene abhängig von ihren finanziellen Möglichkeiten und persönlichen Umständen einen Wechsel auf einen elektrischen Herd in Betracht ziehen könnten.
Quellen: „Asthma Control Before and After Changing Gas Stoves to Electric Stoves“ (The Journal of Allergy and Clinical Immunology: In Practice, 2026), „Estimated health effects from domestic use of gaseous fuels for cooking and heating in high-income, middle-income, and low-income countries: a systematic review and meta-analyses“ (The Lancet Respiratory Medicine, 2024)
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