Nach nur acht Folgen ist die 3. Staffel von House of the Dragon wieder zu Ende gegangen und liefert dieses Mal endlich ein Finale ab, das wir auch verdient haben. Frustriert ließ mich die Fantasyserie vor zwei Jahren mit etlichen Versprechen der Kriegseskalation zurück, während der eigentliche Abschluss und eine gewaltige Schlacht auf die nächste Season vertagt wurden. Staffel 3 wiederholt diesen Fehler zum Glück nicht.
Als Entschuldigung liefert House of the Dragon mit der Episode Der Verrat von Stolperstadt die beste Schlacht der gesamten Serie ab. Die Eskalation in Stolperstadt (Tumbleton im Original) nimmt einen der kontroversesten Momente des Game of Thrones-Finales und verwandelt ihn in einen zugleich schockierenden und wahnsinnig unterhaltsamen Höhepunkt.
Achtung, es folgen massive Spoiler zum Finale von House of the Dragon Staffel 3:
House of the Dragon Staffel 3: Die Schlacht von Stolperstadt
Endlich mal eine richtige Schlacht, war mein erster Gedanke, als Daemon Targaryen (Matt Smith) an der Seite seiner Verbündeten aus den Flusslanden und dem Norden in Richtung der Festung Stolperstadt marschierte. Zugegebenermaßen war ich nicht der größte Fan der Seeschlacht in der Gurgel zu Beginn der 3. Staffel. Das unübersichtliche Getümmel und die matschigen Greenscreen-Hintergründe konnten einfach nicht die Euphorie erzeugen, die ich mir erhofft hatte. Diesmal ist alles anders.
Während Königin Rhaenyra (Emma D’Arcy) in Königsmund ihre finstere Seite hervortreten lässt, soll Daemon in Stolpertstadt die von Ormund Hohenturm (James Norton) und Prinz Daeron (Benjamin Evan Ainsworth) ausgehende Gefahr ausräuchern. Was folgt, ist eine epische Schlachtensequenz voller Highlight-Momente, die sogar mit den großen Schlachtenfolgen von Game of Thrones mithalten kann. Denn hier trifft eine wendungsreiche Dramaturgie auf belohnende Charakterentwicklungen.
Die Schlacht von Stolperstadt erzeugt eine enorme Spannung, wenn die verzweifelte Suche nach Ulf (Tom Bennett) und seinem Drachen Silberschwinge inmitten des Gemetzels mitfiebern lässt, ob nun die Grünen oder Schwarzen die Oberhand gewinnen werden. Schockiert saß ich vor dem Fernseher, als Ormund Kinder als menschliche Schutzschilde auf den Mauern und vor dem Tor der Stadt platzierte. Und ein fettes Grinsen setzte sich auf meinem Gesicht fest, als Winterwolf-Anführer Roderick Staublin aka Roddy die Ruine (Tommy Flanagan) Ormund die Seele aus dem Leib prügelte – mit den Worten «So wird man anständig gef**** bei uns im Norden!»
Deshalb geht mein erster Shoutout raus an Roddy, meinen MVP der Schlacht von Stolperstadt. Es ist ein köstlicher Moment, wenn er und seine Nordmänner geradezu enttäuscht darüber sind, dass sie nach der Öffnung der Stadttore immer noch am Leben sind und noch keinen glorreichen Tod auf dem Schlachtfeld bekommen haben. Dass er zu den Opfern des Staffel-3-Finales gehört, macht mich alles andere als traurig. Denn Roddy stirbt bei dem, was er am liebsten tut: Menschen mit genüsslicher Freude abzumetzeln – auch wenn leider Kinder darunter waren.
Was die Schlacht von Stolperstadt für mich zu einem wahren Highlight aufschwingt, ist die Wendung um Szenendieb Ulf. Mir blieb das Lachen im Halse stecken.
House of the Dragon verwandelt Ulf in Daenerys 2.0 und ich liebe es
Dass der ewig nörgelnde Drachensame den Beginn der Schlacht im Saufkoma und mit heruntergelassener Hose auf einer Latrine verpennt, ist nicht nur ein klassischer Ulf-Move, sondern auch einer der witzigsten Momente der gesamten Serie. Mehrere Folgen lang hat Ormund Hohenturm taktiert und intrigiert, um den Verrat von Rhaenyras Drachenreiter als große Geheimwaffe zu platzieren. Es ist geradezu herrlich belohnend mitanzusehen, wie die Pläne des Hohenturm-Bösewichts komplett nach hinten losgehen.
Denn als Ulf tatsächlich Team Schwarz hintergeht und mit seinem Drachen Silberschwinge das Feuer auf Daemons Armee niederregnen lässt, folgt direkt ein wahnsinniger Twist: Ulf kehrt um und beginnt nicht nur Ormunds Armee, sondern auch die ganze Stadt niederzubrennen. Es sind schockierende Bilder eines über den Himmel ziehenden Ungetüms, das unschuldige Menschen, darunter Frauen und Kinder, ohne jegliche Reue verbrennt. Als Game of Thrones-Fan musste ich direkt an Daenerys Targaryens Angriff auf Königsmund denken.
Keine Sorge, an dieser Stelle soll keine Diskussion zur kontroversen Charakterentwicklung von Daenerys in Staffel 8 der Originalserie losgetreten werden. Wie auch immer man als Fan zu ihrer schockierenden Wandlung steht, die visuellen Parallelen zwischen Ulfs und Daenerys‘ feurigen Angriffen sind zu offensichtlich, als dass man hier keine direkte Hommage erkennen könnte. Nur in House of the Dragon wird Ulfs Flammenflug fast schon zu einer durchgeknallten Parodie auf Danys Wahnsinn.
Im Gegensatz zu Game of Thrones lassen Ulfs Motive wenig Raum für Spekulationen. Der eklige Trunkenbold wollte einfach nur Macht und ein Schloss. Und nachdem er von beiden Seiten gedemütigt und verprügelt wurde, hat er die Schnauze voll, sich von irgendwelchen Hochgeborenen noch was sagen zu lassen. Ob er nun dem vererbten Targaryen-Wahnsinn zum Opfer gefallen ist oder einfach nur ein durchgeknallter Psychopath ist, der sich mit den Worten «F***t euch ihr Är***e!» gegen jeden wendet, dürft ihr gerne für euch selbst entscheiden.
Nach Game of Thrones haben wir es einmal mehr mit einem unberechenbaren und wahnsinnigen Targaryen zu tun, der mit einer Massenvernichtungswaffe ungehalten auf Zivilisten losgeht. Doch der Gedanke, dass Ulf womöglich sogar einen Großteil der Stolperstadt-Zerstörung sturzbesoffen und erneut komatös auf Silberschwinge verbracht hat, ist schockierend und bitterböse komisch zugleich. Gerechtfertigt ist seine Tat absolut nicht. Trotzdem feiere ich Ulfs persönlichen Daenerys-Moment für seinen bissigen Sarkasmus.
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Die Schlacht von Stolpertstadt ist wahnsinnig gut inszeniert und wird mir als dramatischer Wendepunkt des Drachentanzes noch lange in Erinnerung bleiben. Denn im Gegensatz zu anderen ikonischen Schlachten aus Game of Thrones ist diese Eskalation eine einzige Shitshow, die uns noch einmal drastisch vor Augen führt, dass der gesamte Tanz der Drachen in House of the Dragon kein epischer Krieg, sondern eine einzige elende Tragödie ist.
Im Verlauf von drei Staffeln hat House of the Dragon immer wieder gezeigt, wie sinnlos der ganze Erbfolgestreit der Targaryens ist. Tragische Missverständnisse, Fehlkalkulationen sowie von Machthunger und Stolz getriebene Entscheidungen sind der Antrieb dieses Krieges, in dem es nur Verlierer gibt. Staffel 3 vereint nun all diese thematischen Linien der Fantasyserie in der Schlacht von Stolperstadt. Ein pointierteres Staffelfinale hätte ich mir nicht wünschen können.