LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Auswertung verknüpft das Epstein-Barr-Virus (EBV) mit einem massiv erhöhten Risiko für Multiple Sklerose. In der Studie wird beschrieben, dass MS-Patienten in der Rückenmarksflüssigkeit deutlich mehr EBV-spezifische CD8+-T-Zellen aufweisen. Zusätzlich werden Reaktivierungen von Herpesviren nach COVID-19 mit Long-Covid-Symptomen in Verbindung gebracht. Für die Prävention rücken Impfstrategien gegen VZV und weitere immunologische Ansätze stärker in den Fokus.

EBV erhöht MS-Risiko deutlich: Studie zeigt Mechanismus über ImmunzellenEBV erhöht MS-Risiko deutlich: Studie zeigt Mechanismus über Immunzellen (Foto: IT BOLTWISE)

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Mehrere Herpesviren tragen offenbar nicht nur zur lebenslangen Persistenz nach einer Erstinfektion bei, sondern beeinflussen auch die Immunlage des Körpers langfristig. Der zentrale Hinweis der aktuellen Datenlage ist das Epstein-Barr-Virus (EBV): Schätzungsweise infiziert es rund 95 % der erwachsenen Bevölkerung, und genau deshalb lässt sich der Befund nur schwer ignorieren. Laut einer Science-Studie erhöht eine EBV-Infektion das Risiko, an Multipler Sklerose (MS) zu erkranken, um das 32-Fache. Das ist nicht nur eine statistische Korrelation, sondern wird im Text durch immunologische Mechanismen unterfüttert, die im nächsten Schritt genauer erklären, warum EBV gerade im ZNS eine Rolle spielen könnte.

Besonders technisch wird es dort, wo die Untersuchungen den Blick von der reinen Risikoangabe auf Immunzellen in der Rückenmarksflüssigkeit lenken. In den Ergänzungen, die von der University of California, San Francisco (UCSF) veröffentlicht wurden, zeigen sich in den CSF-Proben von MS-Patienten eine 10- bis 100-fach höhere Konzentration an CD8+ T-Zellen, die spezifisch EBV angreifen. Dazu kommt ein weiterer Punkt, der in dieser Form als Hinweis auf ein aktives Zusammenspiel zwischen Virus und Krankheitsgeschehen gelesen wird: Ein bestimmtes EBV-Gen sei ausschließlich bei Personen mit MS aktiv. Wenn solche „Signaturen“ in einem Zielgewebe wiederholt auftauchen, verschiebt sich die Diskussion von „EBV als Begleitfaktor“ hin zu „EBV als immunologischer Treiber“, zumindest als plausibles Modell.

Neben EBV rücken in den Daten auch andere Herpesviren in den Vordergrund, vor allem HSV-1 und Varizella-Zoster-Virus (VZV). Für das Alzheimer-Risiko wird im Material auf Analysen aus dem August 2026 verwiesen, die nahelegen, dass solche Infektionen die Wahrscheinlichkeit für neurodegenerative Erkrankungen erhöhen können. Damit wird ein breiterer Gedanke greifbar: Reaktivierungen oder chronische Immunstimulation könnten eher „den Boden bereiten“ als einen einzelnen Schadensmechanismus allein auszulösen. In der praktischen Konsequenz wird die Prävention immunologisch gedacht, etwa über Impfungen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfahl bereits im November 2025 die Gürtelrose-Impfung für Risikogruppen ab 18 Jahren; der Impfstoff Shingrix® wird dabei in zwei Dosen im Abstand von zwei bis sechs Monaten verabreicht. Beobachtungsstudien, wie sie im Text zusammengefasst werden, deuten zudem darauf hin, dass Geimpfte ein geringeres Demenzrisiko aufweisen.

Auch wenn die Kausalität nicht in jedem Detail bereits endgültig geklärt ist, zeigt die Forschung im zweiten Schritt, wie stark das Thema „Reaktivierung“ in klinische Verläufe hineinwirken kann. In einer IMPACC-Kohorte mit 1.154 hospitalisierten COVID-Patienten soll bei knapp der Hälfte der Probanden innerhalb von 40 Tagen eine Reaktivierung von EBV, HSV-1 oder Cytomegalievirus (CMV) aufgetreten sein. Wichtig ist dabei die im Text genannte Interpretation: Die Reaktivierungen würden nicht primär auf eine allgemeine Immunschwäche zurückgeführt, sondern auf systemische Entzündungsprozesse. Daraus entsteht ein klinischer Verdacht auf eine Verbindung zu Long Covid. Damit rückt ein bislang oft unterschätzter Pfad in den Vordergrund: Infektionen sind nicht nur Auslöser akuter Symptome, sondern könnten über Immunzellaktivierung und virale Aktivität langfristige neurologische Dynamiken beschleunigen.

Gleichzeitig liefern die genannten Langzeitdaten eine Gegenbewegung, die für Entscheidungen in Unternehmen und Gesundheitssystemen relevant ist: Die Häufigkeit von Demenz-Erkrankungen soll in den USA bei den 85- bis 89-Jährigen von 30 % vor vier Jahrzehnten auf 10 % im Jahr 2024 gesunken sein; international wird ein Rückgang von etwa 13 % pro Jahrzehnt beschrieben. Für die Praxis zählt dabei weniger die exakte Zahl als die Richtung: bessere Früherkennung, präzisere Risikoabschätzung und zunehmend datengetriebene Diagnostik könnten den Verlauf verschieben. Ergänzend wird im Material eine Studie aus Vanderbilt mit 756 Erwachsenen herangezogen, die ein niedrigeres Herzzeitvolumen bei Trägern des APOE-e4-Gens mit beschleunigter Hirnatrophie verknüpft. Daneben betonen Studien in Magdeburg, dass Gedächtnisverlust bei Alzheimer nicht ausschließlich auf Zellverlust zurückzuführen sei, sondern auch funktionelle Störungen in Gehirnnetzwerken eine Rolle spielen könnten. Für die technische Umsetzung bedeutet das: Verfahren zur Bildgebung, zur Netzwerkdiagnostik und zur Verlaufsmessung werden vom „Ob“ zur „Wie gut und wie früh“ verschoben.

Für die Branche ergibt sich daraus ein klares Muster: KI-gestützte Modelle, die Biomarker aus Laborwerten, Bilddaten und Verlaufssymptomen zusammenführen, gewinnen an Wert, weil die Datenlage mehrere Ebenen umfasst – Virusaktivität, Immunzellverhalten, Entzündungsmarker und klinische Endpunkte. Gleichzeitig entsteht ein Bedarf an sauberen Studienarchitekturen, die Risikoangaben wie das 32-Fache nicht nur replizieren, sondern auch die Mechanik in unterschiedlichen Kohorten belegen. Auf der präventiven Seite wird der Impfgedanke im Text konkret gemacht, etwa über Shingrix® gegen VZV und die im Material erwähnte Rolle weiterer Impfungen wie Grippeimpfungen; zusätzlich wird ein kleiner BCG-Rahmen mit 23 Erwachsenen über 55 Jahre beschrieben, bei dem nach zwei Dosen eine Reduktion von Amyloid-beta im Nervenwasser beobachtet worden sein soll. Entscheidend ist dabei, dass Prävention hier nicht als Einzelsignal verstanden wird, sondern als Bestandteil eines immun- und neurobiologischen Risikomanagements, das Reaktivierungen, Entzündung und Netzwerkfunktion zusammen betrachtet.

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