Stadtentwicklung war schon immer mit Aufwertung verbunden, von der nicht die gesamte Bevölkerung gleich stark profitiert. Mit dem Klimawandel verschärft sich dieses Problem weiter. Klimaschutz und Klimaanpassung sind Faktoren, die den Wert von Wohnlagen bestimmen. Wer über ausreichend finanzielle Mittel verfügt, kann auch künftig für eine begrünte Umgebung, kühlere Wohnungen oder hitzeangepasste Quartiere bezahlen. Dadurch nimmt die soziale Ungleichheit in Städten weiter zu.
Deshalb auf klimaorientierte Stadtentwicklung zu verzichten, wäre jedoch zynisch. Überhitzte Wohnungen, mangelnde Beschattung oder hohe Lärmbelastungen sind echte Gesundheitsrisiken. Gerade Menschen mit tiefen Einkommen sind diesen besonders stark ausgesetzt. Klimaanpassung ist keine Luxusaufgabe für Wohlhabende, sondern eine soziale Notwendigkeit.
Ebenso zynisch wäre allerdings zu akzeptieren, dass Gentrifizierung ein natürlicher Stadtentwicklungsprozess ist. Wenn günstige Wohnungen abgerissen werden und an ihrer Stelle energieeffiziente Neubauten für die obere Mittelschicht entstehen, dann ist dies ungerecht.
Deshalb sprechen wir heute von sozial-ökologischer Stadtentwicklung. Sie will, dass ökologische und soziale Ziele nicht gegeneinander ausgespielt, sondern zusammen verfolgt werden. Die Bevölkerung unterstützt das, wie Befragungen zeigen. Verdichtung wird von den meisten Stadtbewohner:innen eher akzeptiert, wenn sie mit Klimaschutz und Klimaanpassungen verbunden ist. Interessant ist dabei, dass die Zustimmung zur Verdichtung besonders hoch ausfällt, wenn günstige Wohnungen und Grünräume Teil des Projekts sind. Die Bevölkerung wünscht sich also nicht einfach mehr Wohnungsbau, sondern eine Entwicklung, die ökologisch und sozial ausgewogen ist.
Bei der Innenentwicklung von Städten setzen wir jedoch im Moment oft auf Ersatzneubauten. Aus ökologischer und sozialer Sicht ist der Abriss bestehender Gebäude für zusätzliche Wohnungen oft die schlechteste Variante. Ersatzneubauten verursachen hohe graue Emissionen, und die Mieten steigen. Davon sind besonders Haushalte mit tiefen Einkommen, ältere Menschen sowie weitere sozial benachteiligte Gruppen betroffen.
Eine nachhaltigere Alternative ist Weiterbauen im Bestand. Energetische Sanierungen, Aufstockungen und Anbauten ermöglichen zusätzliche Wohnungen, ohne bestehende Gebäude abzureissen. Dadurch lassen sich sowohl CO₂-Emissionen als auch Verdrängungseffekte reduzieren.
Auch bei der Klimaanpassung selbst kommt es auf die Umsetzung an. Forschung zeigt, dass neue Parks, verkehrsberuhigte Strassen oder grossflächige Begrünung den Wert von Wohnlagen erhöht. Eine mögliche Antwort darauf sind Strategien wie «Greening in Place» und «Just Green Enough»: Statt wenige grosse Prestigeprojekte werden viele kleinere Massnahmen dezentral im Stadtgebiet realisiert.
Eine solche Stadtentwicklung braucht geeignete Strategien und Instrumente. Und eine strategische Stadtentwicklung integriert ökologische und soziale Ziele, anstatt diese einzeln zu betrachten oder gegeneinander auszuspielen. Auf der Ebene von konkreten Projekten besteht in der Raumplanung mit der Interessenabwägung bereits ein wichtiges Werkzeug, das dabei hilft, unterschiedliche Ziele – etwa Klimaschutz, Biodiversität, Mobilität oder soziale Gerechtigkeit – sichtbar zu machen und gegeneinander abzuwägen.
Hinzu kommen wohnpolitische Massnahmen gegen Verdrängung: Mietrechtlicher Schutz für vulnerable Gruppen, Vorgaben für bezahlbaren Wohnraum, aktive Bodenpolitik oder die Förderung gemeinnütziger Wohnbauträger. Internationale Beispiele zeigen, dass solche Instrumente wirksam sind.
Die Klimakrise wird die Stadtentwicklung stark prägen. Wir müssen deshalb Klimaanpassung, Wohnungsbau und soziale Gerechtigkeit gemeinsam denken. Klimafitte Städte ohne Gentrifizierung sind möglich – aber nur, wenn wir die soziale und ökologische Stadtentwicklung als gemeinsamen Auftrag verstehen.