
Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht
12. August 2026 – 11:00
Liebe Leserin, lieber Leser
für meinen ersten Beitrag zu diesem Newsletter möchte ich Ihnen von einem diplomatischen Streit berichten, der hier in Genf die Ruhe der Sommerpause gestört hat. Er mag nebensächlich erscheinen, sagt aber viel über die Kluft aus, die mittlerweile zwischen den USA und Europa herrscht.
Alles begann mit diesem Beitrag, den die französische UNO-Vertretung auf X veröffentlichteExterner Link: «Die USA waren einst ein Leuchtturm der Menschenrechte. Das ist heute nicht mehr der Fall. Heute stehen sie isoliert neben Nordkorea, Nicaragua, Mali und Russland. Und die Welt hört ihnen nicht mehr zu.»
Auslöser dieser diplomatischen Sommerbombe war eine Abstimmung in der UN-Generalversammlung. Washington hat sich Ende Juli gemeinsam mit neun weiteren Ländern, darunter einige der repressivsten Staaten, gegen die Wiederwahl von Volker Türk, dem Hohen Kommissar für Menschenrechte, ausgesprochen. Demgegenüber haben 144 Staaten, darunter Frankreich, diese bestätigt.
Die USA werfen Volker Türk (der sowohl die israelischen Übergriffe im Gazastreifen als auch jene Russlands in der Ukraine angeprangert hat) vor, «freien und souveränen Demokratien Lektionen erteilt» zu haben, während er sich gegenüber «den schlimmsten Unterdrückern der Welt nachsichtig» zeige.
Der tausendfach geteilte Beitrag der französischen Vertretung, der in einer für historische Verbündete ungewöhnlich konfrontativen Sprache verfasst war, löste jenseits des Atlantiks heftige Reaktionen aus.
Mike Waltz, der US-Botschafter bei der UNO, antwortete auf XExterner Link, es sei «enttäuschend, wenn auch nicht überraschend, dass Frankreich so reagiert, um von seinem beschämenden Votum abzulenken, mit dem einige der schlimmsten Menschenrechtsverletzer geschont werden sollen».
Die Angelegenheit hätte damit beendet sein können. Doch wenige Tage später verliessen US-Diplomaten eine Sitzung des Sicherheitsrats, als der französische Vertreter das Wort ergriff. Ein äusserst seltener Vorfall. Und die US-Regierung droht nun damit, die Ernennung des nächsten französischen Botschafters zu blockieren.
Der Vorfall verdeutlicht auf spektakuläre Weise die Verschlechterung der Beziehungen zwischen Washington und Paris – und im weiteren Sinne zu Europa – unter Donald Trump. Denn auch wenn die Spannungen nicht neu sind, kommen sie in multilateralen Gremien selten so unverblümt zum Vorschein.
Für Volker Türk, der eines der schwierigsten UNO-Ämter bekleidet, ist die Unterstützung durch 144 Staaten zweifellos ein Erfolg. Doch diese Episode könnte den Sitz seiner Organisation in Genf, der ohnehin schon chronisch unterfinanziert ist, noch stärker unter Druck setzen. Und sie in Zukunft mit einem noch massiveren Rückzug der USA konfrontieren.
Gibt es bestimmte Themen, die Sie interessieren und die wir Ihrer Meinung nach behandeln sollten? Sie können mir unter folgender Adresse schreiben: dorianvalere.burkhalter@swissinfo.ch
Mit freundlichen Grüssen,
Dorian Burkhalter
P.S. Wenn Sie den Newsletter nützlich finden, können Sie ihn gerne an Interessierte weiterleiten – hier kann man ihn abonnieren.
Die neuesten Beiträge zu geopolitischen Themen
Meinung

Mehr
Globale Wahlen
Die Generation Z ist weltweit unzufrieden – das sollte man ernst nehmen
Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht
12. Aug. 2026
Die weltweiten Gen-Z-Bewegungen offenbaren eine wachsende Kluft zwischen jungen Menschen und den Institutionen, die sie vertreten wollen, so Prathit Singh.
Mehr Die Generation Z ist weltweit unzufrieden – das sollte man ernst nehmen

Mehr
Informationskriege
Drei Medienschaffende finden Zuflucht in der Schweiz – und kämpfen weiter
Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht
12. Aug. 2026
Für jene, die Zuflucht suchen und ihren Beruf weiterverfolgen wollen, sind die Herausforderungen gross.
Mehr Drei Medienschaffende finden Zuflucht in der Schweiz – und kämpfen weiter

Mehr
Die besten Inhalte der SRG
Rheinschifffahrt droht Unterbruch – das wären die Folgen
Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht
11. Aug. 2026
Unter der Trockenheit leidet auch der Schiffsverkehr auf dem Rhein. Nun warnt der Deutsche Bundesverband für Binnenschifffahrt.
Mehr Rheinschifffahrt droht Unterbruch – das wären die Folgen

Mehr
Handelspolitik
Kuba: Der Schweizer Handel erstickt an der Angst vor den US-Sanktionen
Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht
10. Aug. 2026
Die kubanische Wirtschaft ist am Boden. Und für Schweizer Unternehmen ist es heute schwieriger denn je, Geschäfte mit der Insel zu machen.
Mehr Kuba: Der Schweizer Handel erstickt an der Angst vor den US-Sanktionen

Mehr
Internationales Genf
Entlassung des Chefanklägers schwächt internationalen Strafgerichtshof weiter
Dieser Inhalt wurde am veröffentlicht
07. Aug. 2026
Nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung gegen seinen Chefankläger steht der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) erneut unter Beschuss der USA.
Mehr Entlassung des Chefanklägers schwächt internationalen Strafgerichtshof weiter
Hier geht es zu unserer Übersichtsseite zur Geopolitik.