Die Entwicklung ist geradezu märchenhaft. Allerdings hat das beeindruckende Wachstum des Friedrichshafener Motorenbauers Rolls-Royce Power Systems (RRPS) nichts mit Feen, Elfen oder gar Zauberei zu tun, sondern mit strategischer Klugheit und einem beeindruckenden Gespür für Zukunftsmärkte. Wenn man nicht genauer hinsehen würde, könnte man einen mehr als 115 Jahre alten Hersteller klobiger Diesel-Motoren flugs zur „alten Industrie“ zählen – mit vermutlich eher düsteren Zukunftsaussichten. Doch bei dem Maschinenbau-Unternehmen vom Bodensee ist genau das Gegenteil der Fall.

Rolls-Royce Power Systems wächst gewaltig und eilt von Rekord zu Rekord: So hat der zur britischen Rolls-Royce-Gruppe (London) gehörende Motorenbauer (früher: MTU) seinen bereinigten Umsatz im Jahr 2025 auf 5,72 Milliarden Euro gesteigert. Dies entspricht einem Plus von stolzen 19 Prozent. Bereinigt heißt in diesem Fall um Währungsschwankungen und um Einmaleffekte – wie zum Beispiel um den Mitte 2024 getätigten Verkauf des Geschäfts mit „Motoren im unteren Leistungsbereich“ an die Kölner Deutz AG.

Rolls-Royce profitiert vor allem in zwei Zukunftsmärkten

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„In den vergangenen drei Jahren haben wir unseren Umsatz um 50 Prozent gesteigert“, freut sich Vorstandschef Jörg Stratmann bei der Vorstellung der Zahlen in Friedrichshafen. Getrieben wurde die positive Entwicklung von Rolls-Royce Power Systems vor allem von der weltweit starken Nachfrage nach Lösungen für die Energieversorgung großer Rechenzentren – also nach Notstromaggregaten – sowie durch das dynamische Verteidigungsgeschäft. „Die Welt ist von geopolitischen Spannungen und Umbrüchen sowie von tiefgreifenden Veränderungen geprägt“, erläutert Stratmann unter anderem im Hinblick auf die militärische Aufrüstung sowie den Megatrend Künstliche Intelligenz (KI).

In beiden Feldern bieten die Friedrichshafener sehr gefragte Lösungen an – etwa Motoren für Schiffe und Panzer sowie Energiesysteme für Rechenzentren, die wegen des weltweiten KI-Booms gerade wie Pilze aus dem Boden schießen. Immer mehr Betreiber setzen hierbei auf die Technik vom Bodensee. Unter der Marke MTU vertreibt Rolls-Royce auch Großmotoren für Jachten sowie schwere Land- und Schienenfahrzeuge. Die MTU-Dieselaggregate sichern auch Krankenhäuser und Flughäfen vor möglichen Stromausfällen ab. Das Unternehmen aus Friedrichshafen macht rund 40 Prozent seines Umsatzes in Europa, 30 Prozent in Nordamerika, knapp 20 Prozent in der Region „Asien/Pazifik“ und an die 10 Prozent in China.

Goldene Zeiten: Fast eine Milliarde Euro Betriebsgewinn

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen verwundert es kaum, dass sich auch die Umsatzrendite des Konzerns deutlich von 13,1 Prozent auf 17,4 Prozent verbessert hat. Der bereinigte Betriebsgewinn stieg auf 995 Millionen Euro (2024: 662 Millionen Euro) und kratzte damit beinahe an der Milliarden-Marke. Auch der Auftragseingang entwickelte sich ausgesprochen positiv und legte 2025 um 21 Prozent auf 7,14 Milliarden Euro zu. Erst jüngst konnte man einen Großauftrag über 350 Motoren für gepanzerte Radfahrzeuge des Typs „Boxer“ vermelden – mit einem Gesamtumfang im „mittleren zweistelligen Millionenbereich“.

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„Unsere Strategie greift – und das belegen unsere Ergebnisse“, zeigt sich Stratmann zufrieden. Neben der bereits erwähnten Umsatzsteigerung um 50 Prozent hat sich in den vergangenen drei Jahren auch die Umsatzrendite „mehr als verdoppelt“ und der Gewinn sogar „verdreifacht“. „Dieses Momentum setzen wir fort: Wir wachsen gezielt in Märkten, die für Energieversorgung, Sicherheit und technologische Souveränität entscheidend sind, und investieren weltweit einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in neue Kapazitäten, Technologien und Innovationen – so viel wie noch nie“, kündigt Stratmann an. Die starke Auftragslage und eine klare strategische Ausrichtung ermöglichten es, den Wachstumskurs auch in den kommenden Jahren konsequent fortzusetzen. In Friedrichshafen soll sogar ein komplett neues Motorenwerk entstehen.

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1000 neue Jobs, die Hälfte davon in Friedrichshafen

Im Zentrum der strategischen Ausrichtung stehen laut dem Unternehmen fünf Geschäftsbereiche: Energieerzeugung, Verteidigung, Marine, Batteriespeicher und Service. Sie bestimmen, wo Rolls-Royce Power Systems investiert und seine „industriellen sowie technologischen Stärken gezielt ausbaut“, wie es heißt. Der Traditionskonzern investiert weltweit einen „hohen dreistelligen Millionenbetrag“ in die Modernisierung und den Ausbau seiner Werke. Damit reagiere man auf die steigende Nachfrage und richte die Produktion auf künftige Stückzahlen aus. „An den globalen Standorten werden Kapazitäten erweitert, Werke modernisiert und die industrielle Basis strategisch weiterentwickelt“, teilt Rolls-Royce mit.

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Besonders erfreulich: Das enorme Wachstum wirkt sich auch auf die Beschäftigung aus. Allein 2025 kamen konzernweit 700 neue Mitarbeiter hinzu. Im laufenden Jahr sollen sogar mehr als 1000 Stellen in dem Unternehmen geschaffen werden – gut die Hälfte der Jobs entsteht direkt am Heimatstandort Friedrichshafen. Rolls-Royce Power Systems beschäftigt weltweit rund 11.000 Menschen – Tendenz weiter deutlich steigend. Die meisten Märchen haben üblicherweise ein Happy End – doch bei Rolls-Royce Power Systems dürfte bis auf Weiteres kein Ende der märchenhaften Wachstumsstory in Sicht sein.