
Empfehlungen der Redaktion
Ein Moment, auf den Deep-Purple-Fans 33 Jahre gewartet haben, ereignete sich gegen Ende des Bandauftritts am Jones Beach, New York, am Mittwochabend – als Frontmann Ian Gillan das Wort ans Publikum richtete. „Ich muss euch was sagen“, sagte er. „Vor ein paar Tagen bekam ich einen Brief von diesem Mann, in dem stand: ‚Ich wohne doch gleich um die Ecke. Habt ihr was dagegen, wenn ich kurz mit euch jamme?‘ Und es war mir eine außerordentliche Freude, wieder auf der Bühne zu begrüßen: das Gründungsmitglied, die große Legende, den Unsterblichen – Ritchie Blackmore!“
Als das Publikum ausrastete und unzählige Handys in die Höhe schnellten, legte die Band mit „Smoke On The Water“ los – Blackmores erster Auftritt mit der Band seit dem 17. November 1993. Trotz allem angestauten Groll und aller kategorischen Aussagen, man werde sich niemals wieder zusammenfinden (selbst bei der Aufnahme in die Rock And Roll Hall Of Fame nicht), strahlte jedes Bandmitglied vor Freude. Gillan sang einen Teil des Songs sogar mit dem Arm um Blackmores Schulter.
Gillan: „Ich sehe dich an der Bar!“
„Danke, Ritchie“, rief Gillan dem jubelnden Publikum zu, als der Song verklang. „Ich muss sagen, es war ein großes Vergnügen. Ich sehe dich an der Bar!“
Ein Geheimnis war das Wiedersehen nicht wirklich gewesen, denn Blackmore hatte die Neuigkeit am Vorabend selbst in einem Instagram-Post durchsickern lassen. „Ich hab eigentlich angerufen – nein, ich hab nicht angerufen, ich hab meine KI-Taube zu Ian Gillan nach Portugal geschickt, wo er gerade wohnt“, sagte Blackmore. „Und ich hab gesagt: ‚Wie fändest du es, wenn ich nur für eine Zugabe kurz raufkomme? Nur einen Song. Ich will nicht stören.‘ Er schien begeistert von der Idee, hat es der Band vorgelegt, der Daumen zeigte nach oben – und es sieht so aus, als würden wir das tatsächlich machen.“
„Ich hoffe, ich kann mit dem [aktuellen Deep-Purple-]Gitarristen [Simon McBride] mithalten“, fügte Blackmore hinzu. „Denn ich sehe, dass er sehr große Verstärker hinter sich hat … Er ist ein sehr guter Gitarrist – wie es [Ex-Deep-Purple-Gitarrist] Steve Morse war und ist, ebenfalls ein großartiger Gitarrist.“
Candice Nights Backstage-Foto
Trotzdem waren die Fans nicht zu hundert Prozent sicher, dass es wirklich passieren würde – bis kurz vor Showbeginn Candice Night, Blackmores Ehefrau und Bandkollegin bei Blackmore’s Night, ein Backstage-Foto von Blackmore mit den Mitgliedern von Deep Purple postete. „Nun“, schrieb sie, „das wärmt mir das Herz …“
Blackmore stand nur für „Smoke On The Water“ auf der Bühne, und es gibt nicht den leisesten Hinweis auf künftige gemeinsame Auftritte. Dennoch wird dieser Abend die Hoffnungen auf eine Reunion-Tour befeuern – auch wenn der Gitarrist sich noch von einem Herzinfarkt erholt und seit November 2025 keine eigenen Konzerte mehr gespielt hat. Für einen künftigen Deep-Purple-Dokumentarfilm oder ein Biopic liefert dieser Moment jedenfalls die perfekte Schlussszene. Und für Fans von Simon & Garfunkel, Yes, Genesis und anderen hoffnungslos zerstrittenen Acts ist es ein Zeichen: Solange diese Menschen noch unter uns sind, ist alles möglich.