Autofahrer zahlen Zeche

Ein Binnenschiff fährt bei historisch niedrigem Wasserstand auf dem Rhein bei Millingen in den Niederlanden.

Ein Binnenschiff fährt bei historisch niedrigem Wasserstand auf dem Rhein bei Millingen in den Niederlanden.

Keystone

Frachtschiffe können auf dem Rhein kaum noch Treibstoff in die Schweiz bringen. Die Transportkosten haben sich deshalb beinahe verzehnfacht – Benzin kostet dadurch bis zu 16 Rappen mehr pro Liter. Die Versorgung bleibt vorerst gewährleistet.

Sven ZieglerKeystone-SDA

Sven Ziegler, Keystone-SDA

13.08.2026, 10:37•13.08.2026, 10:47Darum geht’sDas extreme Niedrigwasser am Rhein verteuert Benzin in der Schweiz um bis zu 16 Rappen pro Liter.Die Transportkosten zwischen Rotterdam und Basel sind von maximal 28 auf rund 240 Franken pro Tonne gestiegen.Die Versorgung bleibt gewährleistet, möglicherweise muss der Bund jedoch Reservelager freigeben.Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Das extreme Niedrigwasser am Rhein lässt die Transportkosten für Treibstoffe in die Schweiz massiv in die Höhe steigen. Branchenvertreter beziffern den Effekt auf bis zu 16 Rappen pro Liter Benzin.

Die Versorgung bleibt allerdings gewährleistet. Möglicherweise müssen jedoch Reservelager angezapft werden.

Aktuell kostet der Transport von Rotterdam nach Basel rund 240 Franken pro Tonne. Bei normalen Wasserständen sind es lediglich 22 bis 28 Franken, sagte TCS-Sprecher Marco Wölfli zur Nachrichtenagentur AWP.

Aufgrund des geringen Wasserpegels können Frachtschiffe nur einen Bruchteil ihrer vorgesehenen Beladung transportieren, dementsprechend steigen die Frachtpreise, um die Kosten zu decken. Zudem ist der Rhein in Kaub bei Mainz in Deutschland derzeit faktisch unterbrochen: Schiffe aus den Häfen Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen könnten nicht mehr durchgehend bis Basel fahren.

Nach einer Faustregel des TCS verteuert ein Anstieg der Transportkosten um 14 Franken den Treibstoff an der Tankstelle um rund einen Rappen. «Demnach ist der Treibstoff momentan rund 16 Rappen teurer aufgrund des Niedrigwassers im Rhein», so Wölfli. Noch vor rund einem Monat hatte der TCS den Effekt auf etwa 8,5 Rappen je Liter geschätzt.

Zuletzt sind die Treibstoffpreise zwar wieder etwas gesunken. Benzin verbilligte sich laut Wölfli vergangene Woche um rund 2 Rappen. Hierbei handelt es sich jedoch um einen Folgeeffekt, der kurzzeitigen Entspannung an der Strasse von Hormus, welche die weltweiten Ölpreise sinken liess. Die hohen Frachtkosten auf dem Rhein, über den die Schweiz gut einen Fünftel ihrer Mineralölimporte bezieht, bleiben aber bestehen.

Der Branchenverband Avenergy beziffert die zusätzlichen Kosten an der Zapfsäule auf 12 bis 16 Rappen pro Liter. Der Anstieg sei schrittweise erfolgt, da sich das Niedrigwasser über fast acht Wochen aufgebaut habe, sagte der stellvertretende Geschäftsführer Fabian Bilger. Derzeit könnten Bahn und Strasse den Markt mitversorgen, zudem sei die Nachfrage im Sommer etwas geringer.

Warten auf den Regen

Stark betroffen ist der Treibstoffanbieter Volenergy, welcher unter anderem die BP-, Shell- und Ruedi-Rüssel-Tankstellen in der Schweiz betreibt und der rund 40 Prozent seines Volumens über den Rhein bezieht. Die Versorgung könne derzeit über bestehende Lager, die Raffinerie in Cressier sowie Bahntransporte sichergestellt werden.

«Demnach ist der Treibstoff momentan rund 16 Rappen teurer aufgrund des Niedrigwassers im Rhein»

Marco Wölfli

Sprecher TCS

Nicht nur die Schweizer Landwirte und grosse Teile der Bevölkerung hoffen derzeit auf Regen, sondern auch die Tankstellenbetreiber. Aber selbst Regen würde die Lage am Rhein nicht sofort entspannen: «Da müsste es länger und intensiv regnen», sagte die Sprecherin. Mit Engpässen rechne Volenergy zwar nicht, wohl aber noch einige Zeit mit hohen Preisen.

Versorgung weiterhin gewährleistet

Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) bezeichnet die Transportkapazitäten auf dem Rhein wegen der anhaltenden Trockenperiode als «erheblich eingeschränkt». Engpässe könnten aber bis zu einem gewissen Grad über Schiene, Strasse und Pipelines sowie durch Unternehmensreserven und gegebenenfalls höhere Inlandproduktion kompensiert werden.

Die Versorgung der Schweiz mit lebenswichtigen Gütern sei derzeit gewährleistet. Neue Massnahmen seien aktuell weder in Kraft noch geplant, hiess es.

Auch Umweltminister Albert Rösti sah zuletzt keinen Bedarf für zusätzliche Notfallmassnahmen. Wegen der Einschränkungen bei der Rheinschifffahrt könne es allerdings sein, dass bald ein Teil der Reservelager für Mineralölprodukte freigegeben werden müsse, sagte Rösti am Mittwoch im Bundeshaus. Die Landesregierung sei betroffen von den Wetterextremen, sagte der Bundesrat: «Wir haben Hitzerekorde, und auch die Dauer der Hitzewelle ist ausserordentlich – noch ist kein Ende absehbar.»

Die Ökonomen von Raiffeisen Economic Research erwarten keinen grösseren gesamtwirtschaftlichen Schaden. Für frühere Niedrigwasserphasen gebe es in der Schweiz keine Hinweise auf spürbare Wachstumseinbussen. Der Effekt dürfte auch diesmal höchstens rund 0,1 Prozent des BIP betragen.

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