Mittelmeerklima der letzten 8.000 Jahre simuliert

Um die Ursachen der Dürren untersuchen zu können, haben die Forscher mit einem komplexen Klimamodell das Mittelmeerklima der letzten 8.000 Jahre rekonstruiert. Das Modell, das dafür entwickelt wurde, das Klima seit dem Ende der letzten Eiszeit zu untersuchen, nutzt eine Vielzahl paläoklimatischer Daten, etwa die CO₂-Konzentration der Erdatmosphäre, die mithilfe von Eisbohrkernen bestimmt werden kann. Es ist dadurch möglich, die regionalen Auswirkungen von Klimaeffekten detaillierter zu untersuchen. Sie konnten so nachvollziehen, dass es im östlichen Mittelmeerraum einen kontinuierlichen Austrocknungstrend gab, der von mehreren kurzfristigen Klimaschwankungen überlagert wurde.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Region über Jahrtausende hinweg einen allmählichen Austrocknungstrend durchlief, der durch langsame Veränderungen der Erdumlaufbahn angetrieben wurde. Überlagert von diesem langfristigen Trend fanden wir auch kurzfristigere Schwankungen im Atlantischen Ozean und in der Atmosphäre“, erläutert Katherine Power.

Eine großräumige Klimaveränderung ließ den östlichen Mittelmeerraum austrocknen, weil Monsune schwächer wurden und weniger Feuchtigkeit aus Afrika kam © Katherine / Stockholm UniversityEine großräumige Klimaveränderung ließ den östlichen Mittelmeerraum austrocknen, weil Monsune schwächer wurden und weniger Feuchtigkeit aus Afrika kam © Katherine / Stockholm University

Wie die Forscher erklären, haben zyklische Veränderungen der Erdbahn dazu geführt, dass die Nordhalbkugel im Sommer zunehmend weniger Sonneneinstrahlung erhalten hat und die Temperatur der Landflächen abgenommen hat. Dadurch wurden die Monsunsysteme schwächer und die innertropische Konvergenzzone, ein tropischer Regengürtel nahe dem Äquator, wurde weiter in den Süden verschoben, wodurch in den Subtropen weniger Regen fiel.

Laut dem Modell haben sich zudem die Atlantische Umwälzzirkulation (AMOC) und langfristige Klimaschwankungen über dem Atlantik deutlich verändert. Diese Klimaprozesse sind ebenfalls eng mit der Niederschlagsmenge im Mittelmeerraum verbunden. Etwa alle 1.000 Jahre, auch beim Zusammenbruch der Bronzezeitkulturen im östlichen Mittelmeerraum vor etwa 3.200 Jahren, haben sich diese Klimaprozesse überlagert und dadurch gegenseitig verstärkt. Sie haben dadurch Dürrephasen ausgelöst, die deutlich extremer waren als die alleinigen Effekte des langfristigen Austrocknungstrends.

„Das Zusammenwirken dieser Prozesse brachte den östlichen Mittelmeerraum über einen kritischen hydroklimatischen Schwellenwert, verringerte die Wasserverfügbarkeit und erhöhte den Druck auf Landwirtschaft und Ernährungssicherheit innerhalb ohnehin anfälliger Gesellschaften“, erklärt Katherine Power.

Katherine Power erläutert zudem, dass das bessere Verständnis der Klimaprozesse auch dabei helfen kann, zukünftige Dürrerisiken besser einzuschätzen.

„Das Mittelmeer ist einer der globalen Hotspots des Klimawandels, und für die Region wird erwartet, dass sie im kommenden Jahrhundert wärmer und trockener wird. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das künftige Dürrerisiko nicht nur von der langfristigen menschengemachten Erwärmung abhängen könnte, sondern auch davon, wie die natürliche Variabilität im Atlantischen Ozean mit diesem Hintergrundtrend zusammenwirkt“, so Katherine Power.

Quellen:

Studie im Fachmagazin Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.aed5439



14. August 2026

– Robert Klatt