„Hmmm, das kann ich echt gut verstehen… ja, okaaayyyy… alsooo… ich würde das vielleicht etwas anders sehen.“
Das ist kein Satz aus einem Gespräch mit einem Menschen, sondern mit einer KI. Um genau zu sein: aus einem Gespräch mit GPT Live. OpenAI hat vor ein paar Wochen eine verbesserte Version der Audio-Funktion von ChatGPT veröffentlicht. Bereits der Advanced Audio Modus war schon relativ gut darin, Gespräche natürlich klingen zu lassen. Trotzdem standen noch Pausen auf der Tagesordnung und die Gesprächsführung lief immer noch mit einem gewissen Versatz ab – eben alles noch etwas „holprig“. Aber die Richtung war damals schon klar: Gespräche möglichst menschlich wirken zu lassen.
GPT Live von ChatGPT geht jetzt noch einen Schritt weiter. Pausen werden mit typischen Füllwörtern wie „Hmm“, „ja“ oder einem langsamen „okay“ versehen. Das kennen wir aus Gesprächen mit unseren Mitmenschen: Gerade in privaten Konversationen denkt man auch während des Sprechens nach, verschafft sich so Pausen, formuliert nochmal um. Das ist eben sehr menschlich und schafft Vertrauen.
ChatGPT: Uncanny Valley bei Chatbots?
Was mir persönlich dabei aufgefallen ist, erinnert ein wenig an das Phänomen des Uncanny Valley. Es beschreibt das mulmige, unheimliche Gefühl, das Menschen empfinden, wenn sie künstliche Figuren sehen, die fast, aber eben nicht ganz wie echte Menschen wirken. Dann stimmt irgendwas nicht, ohne dieses Gefühl immer verbalisieren zu können.
Top-Artikel
${content}
${custom_anzeige-badge}
${custom_tr-badge}
${section}
Häufig lässt es sich in Computerspielen beobachten, in denen sich mittlerweile durch den technischen Fortschritt nahezu fotorealistische Grafiken umsetzen lassen. Und doch wirken menschliche Figuren fast immer künstlich. Je näher sie dem echten Menschen kommen, desto stärker fallen kleinste Abweichungen auf.
Empfohlene redaktionelle Inhalte
Hier findest du externe Inhalte von TargetVideo GmbH,
die unser redaktionelles Angebot auf t3n.de ergänzen.
Mit dem Klick auf «Inhalte anzeigen» erklärst du dich einverstanden,
dass wir dir jetzt und in Zukunft Inhalte von TargetVideo GmbH auf unseren Seiten anzeigen dürfen.
Dabei können personenbezogene Daten an Plattformen von Drittanbietern übermittelt werden.
Inhalte anzeigen
Leider ist etwas schief gelaufen…
An dieser Stelle findest du normalerweise externe Inhalte von TargetVideo GmbH,
jedoch konnten wir deine Consent-Einstellungen nicht abrufen.
Lade die Seite neu oder passe deine Consent-Einstellungen manuell an.
Datenschutzeinstellungen verwalten
Bei GPT Live hatte ich den gegenteiligen Eindruck. Nicht weil die Illusion scheitert, sondern weil sie erstaunlich gut funktioniert. Ich habe mich dabei ertappt, wie selbstverständlich ich auf eine Maschine reagiere – fast wie auf einen Menschen. Genau das hat mich irritiert. Und während beim Uncanny Valley kleine Fehler die Illusion zerstören, entsteht bei GPT Live mein Unbehagen gerade eben dadurch, dass die Illusion so gut funktioniert.
Empfohlene redaktionelle Inhalte
Hier findest du externe Inhalte von Podigee GmbH,
die unser redaktionelles Angebot auf t3n.de ergänzen.
Mit dem Klick auf «Inhalte anzeigen» erklärst du dich einverstanden,
dass wir dir jetzt und in Zukunft Inhalte von Podigee GmbH auf unseren Seiten anzeigen dürfen.
Dabei können personenbezogene Daten an Plattformen von Drittanbietern übermittelt werden.
Inhalte anzeigen
Leider ist etwas schief gelaufen…
An dieser Stelle findest du normalerweise externe Inhalte von Podigee GmbH,
jedoch konnten wir deine Consent-Einstellungen nicht abrufen.
Lade die Seite neu oder passe deine Consent-Einstellungen manuell an.
Datenschutzeinstellungen verwalten
OpenAI: Menschlicher geht immer
Warum aber will OpenAI vor allem die Sprach-Konversationen so „echt“ wirken lassen? Es ist wahrscheinlich der Versuch, ein möglichst menschliches Gegenüber zu suggerieren, um seine Nutzer:innen zu binden – ein allseits bekanntes Mittel aus dem Silicon Valley. Denn bei aller Menschlichkeit vergessen wir zu schnell, dass die Betreiber von ChatGPT oder Claude knallharte Geschäftsinteressen verfolgen.
Für uns Nutzer:innen tut sich damit ein gewisser Abgrund auf, denn: „Es gab bisher keine Notwendigkeit, eine nicht-menschliche Intelligenz zu entlarven. Wir haben keinen Sensor für Nicht-Intelligenz“, sagt KI-Forscherin Katharina Zweig in einem Artikel der MIT Technology Review. Je menschlicher Sprachmodelle aber kommunizieren, desto leichter schenken wir ihnen Vertrauen und desto schneller lassen wir uns von den Aussagen von Chatbots überzeugen.
Systeme wie GPT Live machen den Umgang mit künstlicher Intelligenz natürlicher, senken Hürden und können im Alltag enorm produktiv sein. Wer einmal komplexe Ideen im Gespräch mit einer KI sortiert oder schwierige Themen durchdacht hat, merkt schnell, welches Potenzial darin steckt. Und trotzdem sollten wir uns bewusst machen, dass diese Natürlichkeit kein Zufall ist, sondern Teil des Designs. Wer sehr persönliche Gedanken, vertrauliche Dokumente oder sensible Informationen verarbeitet, sollte deshalb ernsthaft überlegen, ob diese Daten wirklich in einen Cloud-Dienst gehören.
![]()