Das Selbstporträt stammt aus der Heidelberger Sammlung Prinzhorn. Dazu gibt es ein Gespräch zum Thema „Art Brut? Outsider Art? Kunst neurodivergenter Künstlerinnen und Künstler?“ Die Sammlung Prinzhorn am Universitätsklinikum Heidelberg zeigt Kunst, die in psychiatrischen Einrichtungen entstanden ist, und leistet auch einen Beitrag zur Erinnerungskultur. Der Name verweist auf den Kunsthistoriker und Arzt Hans Prinzhorn (1886–1933), der ab 1919 eine Lehrsammlung der Psychiatrischen Klinik der Universität Heidelberg umfassend erweitert hatte.
Der Kunstschmied Franz Karl Bühler war ein Opfer der NS-Krankenmorde. Mit der Ausstellung und Diskussionsrunde als Teil der Reihe „mpk Positionen“ würdigt das Museum Pfalzgalerie den Künstler im Rudolf-Levy-Erinnerungsraum. Das Gespräch zum Thema „Art Brut? Outsider Art? Kunst neurodivergenter Künstlerinnen und Künstler?“ findet statt am Donnerstag, 20. August, um 19 Uhr.
Auf Weltausstellung ausgezeichnet
Franz Karl Bühler (1864 – 1940), einst mit vielversprechenden Anfängen als Kunsthandwerker, verbrachte große Teile seines Lebens in psychiatrischen Einrichtungen und wurde 1940 Opfer des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms.
Auf der Weltausstellung in Chicago 1893 war eine von ihm entworfene Toranlage mit einer Medaille ausgezeichnet worden; im selben Jahr trat er eine Dozentur für Kunstschlosserei an der Kunsthandwerkerschule in Straßburg an. Seine kompromisslosen Kunstvorstellungen führten jedoch zu Konflikten. Ende 1896 wurde ihm wegen „Unzuverlässigkeit“ und „eigenmächtigen Handelns“ gekündigt. In der Folge litt Bühler zunehmend unter Verfolgungsängsten und wurde 1898 zunächst in die Schweizer Anstalt Breitenau, später in die Anstalt Illenau und 1900 in die Anstalt Emmendingen eingewiesen.
Von den Nazis ermordet
Aus den Jahren zwischen 1900 und 1920 sind umfangreiche Texte und Kreidezeichnungen Bühlers überliefert, darunter zahlreiche Selbstporträts. Als der in Heidelberg tätige Arzt und Kunsthistoriker Hans Prinzhorn ihn 1920 in Emmendingen besuchte, war er von dessen Arbeiten tief beeindruckt.
Über Bühlers letzte 20 Lebensjahre ist nur wenig bekannt. Im März 1940 wurde sein Name auf einer Transportliste von Emmendingen in die nationalsozialistische Tötungsanstalt Grafeneck verzeichnet. Dort wurde er ermordet.
Erinnerung an weitere Künstler
Mit der Präsentation seines Selbstbildnisses, begleitet von Zeichnungen, unter dem Titel „Die Sammlung Prinzhorn zu Gast“, möchte das mpk den Erinnerungsraum für Rudolf-Levy weiterentwickeln. Künftig soll hier – neben Rudolf Levy, der 1944 von den Nationalsozialisten im Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurde – an weitere Künstlerinnen und Künstler erinnert werden, die Repressionen oder den Tod durch das NS-Regimes erleiden mussten.
Die Präsentation, die bis Ende Januar 2027 zu sehen ist, wird in Kooperation mit dem Museum Sammlung Prinzhorn gezeigt, das aus Anlass seines 25-jährigen Bestehens an mehreren Standorten präsent ist, unter anderem in der Kunsthalle Mannheim und im Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen. Das Heidelberger Museum macht Werke, die im Kontext psychiatrischer Einrichtungen entstanden sind, in wechselnden Ausstellungen öffentlich zugänglich. Damit hat es dazu beigetragen, ihre kulturgeschichtliche Bedeutung sichtbar zu machen und die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Psychiatrieerfahrung zu stärken.
Gespräch über kulturelle Teilhabe am 20. August
Im Gespräch am Donnerstag wird mpk-Direktor Steffen Egle mit Thomas Röske, Direktor des Heidelberger Museums, und Stefan Thome, Inklusionsbeauftragter des Bezirksverbands Pfalz, sowie weiteren Gästen über Begriffe, Zuschreibungen und die Bedingungen kultureller Teilhabe im Zusammenhang mit der Kunst von Menschen mit Psychiatrieerfahrung sprechen. „Art Brut“, „Outsider Art“ oder „Kunst neurodivergenter Künstlerinnen und Künstler“: Die wechselnden Bezeichnungen spiegeln den Versuch, Werke zu beschreiben, die außerhalb etablierter Ausbildungswege und Institutionen entstanden sind. Zugleich „zeigen sie, wie eng kunsthistorische Anerkennung mit gesellschaftlichen Vorstellungen von Normalität und Autorschaft verbunden ist“, so das Museum. Das Gespräch am 20. August ab 19 Uhr möchte erörtern, welche Perspektiven diese Begriffe eröffnen, wo sie neue Abgrenzungen schaffen und wie die Bedingungen für Betroffene heute sind, am Kunstbetrieb zu partizipieren, so das mpk weiter. Der Eintritt ist kostenlos, eine Anmeldung nicht erforderlich.