Nach Jahren in der Musikszene, Studien in Los Angeles und vielen internationalen Begegnungen führt ihn sein neuer Song zurück an den Ort, an dem alles begann. Die Postleitzahl 8712 steht dabei für mehr als einen geografischen Punkt: Sie steht für Jugendfreunde, erste Abenteuer und Menschen, die ihn geprägt haben. Im Videoclip werden Wegbegleiter von damals zu Hauptdarstellern – ein persönliches Porträt einer Generation und eine Hommage an die Heimat.
Levin, deine neue Single trägt den Titel «Good Love Hurts So Good – 8712». Warum bekommt Stäfa jetzt eine eigene musikalische Liebeserklärung?
Der Ort, an dem man aufwächst und verwurzelt ist, bleibt immer etwas Besonderes. Man geht einen Weg gemeinsam, verändert sich und bleibt trotzdem verbunden, weil man ähnliche Erfahrungen gemacht hat. Genau dieses Gefühl wollte ich mit dem Song einfangen.
Der Song hat etwas Heroisches, und das erinnert mich daran, wie ich die Stäfnerinnen und Stäfner sehe. Jeder geht seinen eigenen Weg, aber es gibt diese gemeinsame Geschichte, die einen verbindet.
Welche Geschichten aus deiner Jugend in Stäfa mussten unbedingt in den Song und ins Video einfliessen?
Es sind diese kleinen und grossen Momente, die einen prägen: die erste Freinacht, vielleicht der erste Kuss, gemeinsame Abenteuer und das Gefühl, dass das ganze Leben noch vor einem liegt.
Ich wollte Menschen zeigen, die mich auf ihrem eigenen Weg begleitet haben. Mein Schulfreund Tom Hofer zum Beispiel, der mir mein erstes Töffli repariert hat. Ihn und seine Familie beim Dreh wiederzusehen, hat mich besonders gefreut.
Auch mein Bruder, der bei den Kadetten Stäfa trommeln gelernt hat, mein Nachbar Livio, der immer «tschuute» wollte, ein Paar, das sich an einem meiner Konzerte verlobt hat, mein Seklehrer Christoph Rahn und die Flamenco-Tänzerin Ana Luisa Steiner sind dabei. Und natürlich meine erste Band, die ich für den Dreh nochmals zusammengebracht habe. Eigentlich ist das Video eine Reise zurück in meine Jugend – ein cineastisches Klassenbuch.
Wie entstand die Idee zu «Good Love Hurts So Good»?
Es war vor zwei Jahren im Frühling. Ich war gerade im Coop einkaufen, als mir plötzlich die Idee kam. Ich dachte: Das könnte etwas sein. Danach begann das Kopfkino. Ich rief Regisseur Mike Krishnatreya an, der ebenfalls aus Stäfa stammt, und erzählte ihm von meiner Vision. Von da an nahm das Projekt langsam Form an.
Der Song klingt leicht, sommerlich und spontan. Wie viel Arbeit steckt hinter diesem scheinbaren Ohrwurm?
Sehr viel. Ich habe über Monate an der Idee gefeilt und den Song mit grosser Detailverliebtheit produziert. Gerade Lieder, die leicht wirken, brauchen oft besonders viel Arbeit im Hintergrund. Da steckt sehr viel Leidenschaft drin.
Du hast in Los Angeles studiert, mit internationalen Musikern gearbeitet und Auszeichnungen wie «SRF 3 Best Talent» erhalten. Warum kehrst du musikalisch trotzdem immer wieder zu deinen Wurzeln zurück?
Vielleicht gerade deshalb. Wenn man unterwegs ist und viele verschiedene Orte kennenlernt, merkt man, wie wichtig die eigene Herkunft ist. Ich blicke auf eine sehr glückliche Kindheit und Jugend in Stäfa zurück. Ich schätze diese Verwurzelung und die gegenseitige Wertschätzung im Dorf. Man trifft sich am Grümpi, am Herbschtfäscht oder im Verein. Dieser Zusammenhalt ist etwas Besonderes. Mit meiner Musik möchte ich auch etwas zurückgeben und diese Erinnerungen bewahren.
Für das Video hast du viele Menschen aus deiner Vergangenheit zusammengebracht. Was war der emotionalste Moment während der Dreharbeiten?
Mein Freund Tom Hofer war während der Dreharbeiten bereits schwer krank. Dass er und seine Familie dabei waren und wir diesen Moment noch gemeinsam festhalten konnten, hat mich sehr berührt. Tom war ein unglaublich guter und authentischer Mensch. Er fehlt uns allen, besonders natürlich der Familie. Für mich ist Tom der Inbegriff einer Stäfner Legende.
Gab es jemanden, der ebenfalls dabei sein sollte?
Mein anderer Seklehrer Theo Kracher war leider in den Ferien. Sonst wäre er gerne auch gekommen. Natürlich sind mir im Nachhinein noch weitere Freunde und Bekannte eingefallen, die ebenfalls einen Auftritt verdient hätten. Aber vielleicht zeigt genau das, wie viele Geschichten in einem Ort stecken.
Was wünschst du dir für «Good Love Hurts So Good – 8712»?
Mein grösster Wunsch ist eigentlich schon in Erfüllung gegangen: Dass sich die Menschen aus dem Dorf darüber freuen.
SRF 1 hat mich zum Interview eingeladen, weitere Radios spielen den Song. Wenn das Lied noch einen weiteren Weg findet, wäre das natürlich ein schönes Abenteuer. Aber Stäfa ist mehr als genug.