Konkurs kam vor der Baubewilligung – darum scheiterte die Henry’s Bar in Basel

Mit Livemusik und Sport wurde Henry’s Bar in Baden ein Megaerfolg. Die Expansion nach Basel endete für Betreiber Dano Dreyer im Konkurs. Am Konzept habe es nicht gelegen, sagt er.

Lukas Hausendorf Aktualisiert vor 3 Stunden LinkedIn Link kopiert Error occurred Facebook Link kopiert Error occurred X Link kopiert Error occurred E-Mail Link kopiert Error occurred Link kopieren Link kopiert Error occurred Bartheke mit Zapfanlage in einem Musikbar-Lokal, dekoriert mit Vintage-Glühbirnen und Becken als Lampen, Bühne im Hintergrund.

Nach dem Zapfenstreich wartet das Klingeli auf einen neuen Betreiber. Das Konzept Livemusik von Henry’s Bar scheiterte am langwierigen Baubewilligungs­verfahren.

Foto: Lukas Hausendorf

In Kürze: Das Henry’s-Bar-Konzept mit Livemusik im ehemaligen Basler Klingeli scheiterte an einem jahrelangen Bau­bewilligungs­verfahren.Betreiber Dano Dreyer sieht sich als «Behördenopfer». Er ist überzeugt, dass sein Konzept in Basel genauso Erfolg gehabt hätte wie in Baden.Das Klingeli ist nun neu ausgeschrieben, die Bühne wird wohl wieder abgebaut.

In Basel wurde Henry’s Bar im ehemaligen Klingeli nur eine Sportbar ohne Livemusik. In Baden ist es genau umgekehrt, dort ist Henry’s eine Livemusik-Bar, in der auch Sport gezeigt wird. 150 Konzerte pro Jahr werden im Aargauer Lokal veranstaltet. In der Stadt an der Limmat ist die Bar ein voller Erfolg. Das Betriebskonzept ist an ähnliche Bars in der US-Stadt Nashville angelehnt, wo Livemusik einen hohen Stellenwert hat.

Der Ausflug des Aargauers ins ehemalige Klingeli endete aber im Konkurs. Aber nicht weil in Basel Livemusik nicht geschätzt wird. Im Gespräch sagt er: «Wir sind ein klassisches Behördenopfer.» Zweieinhalb Jahre habe er vergebens auf die Bewilligung für Livemusik gewartet. Das war zu lange. Die Eigenkapitalüberschuldung war am Ende zu gross, und der Basler Ableger von Henry’s Bar musste seine Bücher beim Konkursamt hinterlegen.

Dazu muss man wissen: Für laute Musik muss die Bewilligung über ein entsprechendes Baubewilligungsverfahren erlangt werden. Dem Baugesuch ist ein Lärmschutznachweis durch ein anerkanntes Akustikbüro beizulegen. Das Verfahren ist allerdings komplex, weil die zuständige Fachstelle beim Amt für Umwelt und Energie in einem anderen Departement angesiedelt ist.

Inzwischen ist das Klingeli wieder ausgeschrieben. «Bühne frei am Klingentalplatz» wirbt das Inserat für eine Nachfolge im Kleinbasler Kultlokal. Die Eigentümer hoffen, dass der grosse Aussenraum des Lokals kommenden Frühling wieder belebt werden kann.

Langwieriges Baubewilligungs­verfahren

Ohne Musik kam das Betriebskonzept in Basel nie zum Tragen. Und Dreyer ist nach wie vor überzeugt: «Mit der Bewilligung wäre das innert eines Monats zum Fliegen gekommen.» Dass es mit der Bewilligung nicht geklappt hat, versteht er bis heute nicht. «Keine Livemusik, aber Öffnungszeiten bis vier Uhr morgens unter der Woche, es ist absurd.» Die langen Betriebszeiten stammen noch aus den Zeiten des alten Klingeli.

Dreyer wusste schon, dass es in Basel kompliziert werden könnte. Deshalb engagierte er Basler Architekten, die diesen Prozess begleiteten. «Wir hatten mit diversen Ämtern zu tun, die das hin- und hergeschoben haben», sagt Dreyer. Es dauerte zwei Jahre, bis das Begehren bewilligungsreif war. «Alle involvierten Ämter müssen zuerst ihren Segen dafür geben», erklärt Dreyer. Die Baubewilligung stehe erst am Ende dieses Prozesses.

Am Ende scheiterte es wohl an der einzigen Einsprache, die gegen das entsprechende Baugesuch eingegangen war. Gegen Livemusik bis 22 Uhr wohlbemerkt, also unter Einhaltung der gesetzlichen Nachtruhe. Noch bevor das Verfahren vor die Baurekurskommission gekommen wäre, musste Dreyer die Reissleine ziehen.

Musikband spielt in einer Bar mit Schlagzeug und Blechblasinstrumenten, im Hintergrund Fernseher mit Fussballübertragung.

Einer der wenigen Livemusik-Momente: Eine Gugge spielte an der letzten Fasnacht ein Ständeli in Henry’s Bar.

Foto: PD

«Andere hätten in dieser Zeit den Gotthard gebaut», ärgert sich Dreyer. Das sei schon bedenklich. Zumal er mit einem Basler Architekturbüro extra Profis für das Verfahren engagiert hatte. «Es ist sehr frustrierend und hat uns unfassbar viel Geld gekostet.»

Zukunft des Klingeli ohne Bühne

Die lange Dauer von Baubewilligungsverfahren ist seit längerem eine häufig geäusserte Kritik von Bauherrschaften am Basler Bau- und Gastgewerbe­inspektorat. Ein Sonderbericht der Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rats legte die Missstände im BGI Ende Juni offen. Das hatte nun Konsequenzen: Die zuständige Regierungsrätin Esther Keller schickt die langjährige Amtsleiterin Luzia Wigger Stein per Januar 2027 in Frührente und schreibt die Stelle neu aus.

Für Henry’s-Betreiber Dano Dreyer ist das Kapitel Basel mit dem Konkurs abgeschlossen. Verbittert sei er nicht. Und er ist nach wie vor überzeugt, dass sein Konzept auch am Rheinknie funktioniert hätte. Man verfüge über das entsprechende Netzwerk.

Jetzt ist die Bühne frei für ein nächstes Kapitel im Klingeli, das seit dem Ende der Kultbeiz 2018 bewegte Jahre erlebte. Und die Welt rundherum ist nicht mehr die gleiche: Studentisches Wohnen hat das Rotlichtmilieu verdrängt, das Ausgehverhalten ist seit der Pandemie nicht mehr dasselbe. Dafür soll das Klingeli wieder Klingeli heissen. Und die Bühne wird vermutlich wieder zurückgebaut werden, ohne dass sie je so richtig in Betrieb gegangen wäre.

Die bewegte Geschichte des Klingeli in Basel

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