Glaubt ihr an Kino-Kismet? Erst letzte Woche sah ich mich für meine japanische Filmsammlung nach einem Blu-ray-Release der klassischen Horror-Anthologie Kwaidan von 1964 um. Wenige Tage später kündigte Janus eine brandneue 4K-Restauration des Films an, die in den USA sogar im Herbst in die Lichtspielhäuser gebracht wird (via Bloody Disgustin g).
Nun können wir uns hierzulande nicht gerade beschweren. Erst dieses Jahr wurde neben einigen Animes einer der größten japanischen Skandalfilme mit einer Neuveröffentlichung im Kino bedacht. Wenn ich mir jedoch diesen wunderschönen Kwaidan-Trailer ansehe, kocht der Neid auf die Kinobesucher:innen in Übersee aber doch in mir hoch.
Seht hier den Trailer zur neuen HD-Version von Kwaidan:Kwaidan: Ein japanischer Horror-Klassiker in vier betörenden Teilen
Mit der Toho-Produktion Kwaidan erzählten Regisseur Masaki Kobayashi und Drehbuchautorin Yoko Mizuki vier klassische Geistergeschichten, die der gleichnamigen Sammlung von 1904 entnommen wurden. Gigantische Sets, surreale Beleuchtung und eindringliches Sound-Design erzeugen dabei ein Gesamtkunstwerk, das nicht nur in die Horrorsammlung, sondern gleichermaßen ins Museum gehört.
Heutzutage altbekannte Motive des J-Horror-Untergenres nahm der Film voraus. So heißt gleich das erste Kwaidan-Segment über einen untreuen Samurai Das schwarze Haar, welches nicht erst seit Ring und Ju-On fest mit japanischen Gruselgeschichten verbunden ist. Eine weißgekleidete Geisterdame ist es auch, die einen Holzfäller im zweiten Teil namens Die Schneefrau heimsucht.
Vielleicht am bekanntesten ist Segment drei,
Die Geschichte vom ohrlosen Hoichi, das oft für Cover-Art zum Film herhält. Gezeigt wird darauf ein Mönch, der zur Abwehr von Geistern mit buddhistischen Schutzgebeten bemalt wird. In einer Teeschale schließt die Anthologie mit einer schaurigen Story ab, in der einem Samurai das Gesicht einer Person in seinem Heißgetränk erscheint – mit verheerenden Folgen.
Eine hiesige Veröffentlichung der aufgefrischten Kwaidan-Version wurde bisher nicht angekündigt. Falls sich aber doch ein Verleih dazu hinreißen lässt, wisst ihr, wo ihr mich an Tag eins des Kinostarts finden werdet.
Schaurig-trauriges Timing
Die Ankündigung für die US-Neuveröffentlichung von Kwaidan erreichte uns auch nur wenige Tage, nachdem einer der größten Stars des Films verstarb. Die Rede ist von Schauspielerin Keiko Kishi, die im zweiten Segment die ikonische Schneefrau verkörperte und als eine der unheimlichsten und gleichzeitig schönsten Erscheinungen auf ewig in Erinnerung bleiben wird. Laut The Japan Times wurde sie 93 Jahre alt.
Die am 7. August 2026 verstorbene Kishi feierte ihren Durchbruch mit dem Film Kimi no Na wa von 1954. Darüber hinaus war sie für Ozus Klassiker Früher Frühling (1956), den internationalen Film The Yakuza (1974) von Sydney Pollack oder The Twilight Samurai (2002) bekannt.