Eine Studie aus England zeigt: Die Ernährung könnte auch die seelische Gesundheit im Alter beeinflussen.
Eine gesunde Ernährung wird oft mit körperlicher Fitness verbunden. Doch neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Ernährung auch mit der seelischen Gesundheit im Alter zusammenhängen könnte. Eine Studie aus England zeigt: Ältere Menschen, die sich stärker an einer mediterranen Ernährungsweise orientierten, berichteten über ein höheres psychisches Wohlbefinden – und kamen während der Belastungen der Corona-Pandemie offenbar besser durch die Krise.
Welche Rolle spielte die mediterrane Ernährung während der Pandemie?
Als im Jahr 2020 die Corona-Pandemie begann, veränderte sich der Alltag vieler älterer Menschen grundlegend. Kontaktbeschränkungen, Sorgen um die eigene Gesundheit und weniger soziale Begegnungen belasteten die psychische Verfassung vieler Menschen.
Das könnte Sie auch interessieren: Ist Dinkel gesünder als Weizen? BfR warnt vor Trugschluss
Die Studie von Andrew Steptoe, Alanna Jo Shand und Camille Lassale zeigt, dass das Wohlbefinden bei den untersuchten Personen während der Pandemie insgesamt zurückging. Bei Menschen, die sich zuvor stärker mediterran ernährt hatten, fiel dieser Rückgang jedoch geringer aus.
Die Forscher sehen darin Hinweise darauf, dass bestimmte Ernährungsgewohnheiten möglicherweise dazu beitragen können, mit schwierigen Lebensphasen besser umzugehen. Besonders im höheren Alter, wenn Krankheiten, Verlusterfahrungen oder Einsamkeit häufiger auftreten können, könnte Ernährung ein zusätzlicher Einflussfaktor sein.
Wie wurde der Zusammenhang untersucht?
Für die Untersuchung nutzten Wissenschaftler Daten aus der langfristig angelegten English Longitudinal Study of Ageing. Dabei wurden 3296 Menschen aus England im Alter von mindestens 50 Jahren betrachtet. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer lag bei etwa 68 Jahren.
Die Angaben zur Ernährung stammten aus den Jahren 2018 und 2019 – also aus der Zeit vor der Pandemie. Die Teilnehmer machten Angaben dazu, welche Lebensmittel sie an zwei Tagen gegessen hatten. Daraus berechneten die Forscher, wie stark ihre Ernährung einer mediterranen Ernährungsweise entsprach.
Das psychische Wohlbefinden wurde ebenfalls untersucht. Dabei ging es unter anderem darum, ob Menschen ihr Leben als sinnvoll empfanden, Freude an Aktivitäten hatten und das Gefühl besaßen, ihren Alltag kontrollieren zu können. Zusätzlich berücksichtigten die Forscher Faktoren wie Einkommen, Bewegung, Rauchen, körperliche Erkrankungen und depressive Beschwerden.
Warum könnte mediterrane Ernährung die Psyche beeinflussen?
Die mediterrane Ernährung besteht vor allem aus Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Fisch und Olivenöl. Rotes Fleisch und Milchprodukte spielen dagegen eine kleinere Rolle. Diese Kombination liefert zahlreiche Stoffe, die für den Körper wichtig sind.
Mehr Ernährungs-Artikel auf unserer Sonderseite
Forscher vermuten, dass unter anderem Ballaststoffe, Omega-3-Fettsäuren, Magnesium und bestimmte Pflanzenstoffe eine Rolle spielen könnten. Sie können unter anderem Entzündungsprozesse im Körper beeinflussen und stehen mit der Gesundheit des Darms und des Gehirns in Verbindung.
Auch der sogenannte Darm-Hirn-Zusammenhang wird in der Forschung zunehmend untersucht. Veränderungen im Stoffwechsel und in der Zusammensetzung der Darmbakterien könnten möglicherweise Auswirkungen auf Stimmung und Stressverarbeitung haben.
Was bedeuten die Ergebnisse – und was bleibt offen?
Die Studie liefert interessante Hinweise, aber keinen eindeutigen Beweis dafür, dass mediterrane Ernährung direkt für besseres psychisches Wohlbefinden sorgt. Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Deshalb lässt sich nicht ausschließen, dass Menschen mit besserer Stimmung ohnehin häufiger gesünder essen.
Zudem nahmen vor allem Menschen an der Untersuchung teil, die gesundheitlich besser aufgestellt, gebildeter und finanziell besser abgesichert waren. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht automatisch auf alle älteren Menschen übertragen.
Mehr Artikel aus unserem Ratgeberbereich finden Sie hier
Trotz dieser Einschränkungen sehen die Forscher in der mediterranen Ernährungsweise einen möglichen Ansatz, der nicht nur die körperliche Gesundheit unterstützen könnte. Größere und langfristige Studien sollen künftig klären, welchen Einfluss die Ernährung tatsächlich auf die psychische Widerstandsfähigkeit im Alter hat.