AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und ZDF-Reporter Fabian Köster haben sich bei einem Wahlkampfauftritt in Sachsen-Anhalt ein Wortgefecht über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, ausländische Fachkräfte und die Familienpolitik der AfD geliefert. Köster, bekannt aus der ZDF-«Heute-Show», hatte den AfD-Politiker am Donnerstag an dessen Wahlkampfstand in Oranienbaum angesprochen. Ein Video des rund dreiminütigen Schlagabtauschs verbreitete sich anschliessend in den sozialen Medien und wurde dort kontrovers diskutiert.

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«Hier zerschellt der öffentlich-rechtliche Rundfunk an der Realität»: AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und «Heute-Show»-Reporter liefern sich Wortgefecht

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Siegmund eröffnete das Gespräch mit der Frage: «Was machst du, wenn die GEZ weg ist? Normal arbeiten gehen, könnt ihr das?» Mit «GEZ» wird umgangssprachlich weiterhin der Rundfunkbeitrag bezeichnet. Köster konterte: «Ich dachte, ich komme vom ‹Grundfunk›. Dann reden Sie endlich mal mit mir. Sie haben sich ja nicht getraut bis jetzt, oder?» Als «neuer Reporter» des «Grundfunks» müsse er noch dazulernen, sagte Köster. Siegmund forderte ihn auf: «Gib mal alles jetzt!»

Köster fragte daraufhin nach Siegmunds Lieblingslied und verwies auf einen AfD-Kandidaten, bei dessen Veranstaltung laut Spiegel ein Lied der Hitlerjugend erklungen sein soll. Zudem hielt er Siegmund vor, die DDR-Hymne zu singen: «Müssen Sie sich langsam nicht mal entscheiden, von welcher Diktatur Sie Fan sind?» Siegmund entgegnete: «Das war jetzt ein bisschen schwach, ehrlich gesagt. Ich dachte, Sie sind kreativ.» Auf Kösters Aufforderung, die Frage zu beantworten, sagte er: «Ne, das ist unkreativ. Sie sind beim ZDF, das merkt man.»

Köster sprach anschliessend Siegmunds Pressesprecher und dessen frühere Verbindung zur Heimattreuen Deutschen Jugend an. Siegmund fragte lachend: «Und jetzt? Wen interessiert das?» Als Köster erklärte, er finde das interessant, bezeichnete Siegmund seinen Mitarbeiter als «guten Mann» und sagte: «Solche Leute gibt’s beim ZDF nicht.» Köster antwortete: «Ja, das stimmt. Ein Glück.»

Danach kam das Gespräch erneut auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. «Was machen Sie denn, wenn der Rundfunkvertrag weg ist?», fragte Siegmund. Köster entgegnete: «Sie wissen doch selber, dass das gar nicht so geht. Sie müssen ja einen anderen Rundfunk aufbauen und das Verfassungsgericht hat da hohe Hürden gesetzt. Kennen Sie sich da aus mit der Verfassung?» Siegmund antwortete: «Ja, von 1988 ist die Rechtsgrundlage. Das werden wir anfassen. Wir machen das schon.»

Beim anschliessenden Thema Fachkräftemangel erklärte Siegmund, ausländische Fachkräfte seien «herzlich willkommen», aber keine Lösung des Problems. Köster fragte daraufhin: «Das heisst, wenn Sie jetzt einen Schlaganfall kriegen, sollen wir warten, bis ein blonder, blauäugiger Arzt da ist?» Siegmund erwiderte: «Also, ich dachte, es wird witzig, aber das ist ja wirklich unterste Schublade.» Daraufhin wollte er das Gespräch beenden.

Köster hakte jedoch nach und verwies auf die von der AfD angestrebte «Geburtenwende»: «Sind Sie aufgeklärt worden? Wissen Sie, wie lange das dauert, von der Zeugung bis zur Fachkraft?» Siegmund, selbst Vater zweier Töchter, fragte zurück: «Hast du Kinder?» Der 31-jährige Köster antwortete: «Nee, bin ja selbst noch ein Kind.» Siegmund erwiderte: «Wunderbar, selbstentlarvend. Also, ich hab wirklich gedacht, das wird witzig. Offenbar gibt es beim ZDF schon die ersten Sparmassnahmen. Wir merken es ja heute. Herzlich willkommen in Sachsen-Anhalt. Hier zerschellt der öffentlich-rechtliche Rundfunk an der Realität.» Anschliessend klopfte er Köster auf die Schulter und verabschiedete sich mit den Worten: «Wir holen uns unser Land zurück, liebe Freunde, jetzt muss ich weiter.»