Die Modelle ergeben in allen drei untersuchten Regionen Bereiche, in denen mindestens einige der betrachteten Mikroorganismen vorübergehend lebensfähig bleiben könnten. Die Modelle zeigen dabei potenzielle Überlebenszeiten von bis zu sieben Tagen. Besonders widerstandsfähig gegen UV-Strahlung erwies sich Aspergillus niger. Die möglichen Schutzzonen reichen laut den Modellierungen von größeren schattigen Kraterbereichen bis zu sehr kleinen Vertiefungen, wie sie etwa durch einen Fußabdruck entstehen könnten.

„Ich hätte erwartet, dass diese Mikroben ausgetrocknet wären“, sagt Aaron Regberg vom Johnson Space Center (JSC).

Der Befund bedeutet allerdings nicht, dass Mikroben auf dem Mond gedeihen. Die Studie beschreibt potenzielle Überlebensnischen, keine bewohnbaren Lebensräume im üblichen Sinn. Die Zellen könnten dort in einem ruhenden Zustand verharren, doch für Wachstum und Vermehrung fehlen nach heutigem Kenntnisstand wesentliche Voraussetzungen wie dauerhaft verfügbares flüssiges Wasser.

Überleben ist noch kein Wachsen

Genau diese Unterscheidung ist für künftige Mondmissionen entscheidend. Menschen bringen unvermeidlich Mikroorganismen mit, die von Haut, Raumanzügen oder Habitaten in die Umgebung gelangen können. Wenn solche Zellen in geschützten Nischen länger erhalten bleiben, könnten sie spätere Untersuchungen der ursprünglichen Mondchemie erschweren und die Zuordnung biologisch interessanter Spuren verfälschen.

„Menschen sind von Natur aus Entdecker, und mit ihnen kommen ihre Stimmen, ihre Erinnerungen … und ihre Mikroben. Für einige Wissenschaftler, mich eingeschlossen, kann diese Realität beunruhigend sein. Aber sie bietet auch die Möglichkeit, aus einer unvollkommenen Situation ein nützliches Experiment zu machen“, sagt Prabal Saxena.

Das Problem reicht über den Mond hinaus. Erfahrungen mit Kontamination am lunaren Südpol könnten helfen, Methoden für spätere Marsmissionen zu verbessern, bei denen die Suche nach möglichen Lebensspuren besonders empfindlich auf eingeschleppte irdische Organismen reagieren dürfte. Zugleich könnte der Mond selbst als natürliches Labor dienen, um zu prüfen, wie lange typische Begleiter des Menschen unter extraterrestrischen Bedingungen tatsächlich überleben.

Genauere Karten für kommende Missionen

Als nächsten Schritt wollen die Forschenden die Beleuchtung noch detaillierter modellieren und höher aufgelöste Geländedaten einbeziehen. Dadurch ließe sich besser bestimmen, welche kleinen Schattenstellen wirklich als Schutzräume infrage kommen. Ergänzende mikrobiologische Studien sollen außerdem menschlich eingetragene Mikroben auf dem Mond genauer untersuchen.

„Bei der Planung menschlicher Aktivitäten auf dem Mond oder anderswo müssen wir alles darüber wissen, was dort zurückgelassen wurde“, sagt Stefano Bertone von der University of Maryland, College Park (UMD).

Damit liefert die Modellstudie vor allem einen Hinweis für die Planung: Der Mond-Südpol ist nicht plötzlich lebensfreundlich, aber er könnte für eingeschleppte Mikroben weniger tödlich sein als lange angenommen. Wo Menschen wissenschaftlich möglichst unveränderte Oberflächen untersuchen wollen, könnten selbst kleine Schattenzonen deshalb eine größere Rolle spielen als bisher.

Quellen:

22. August 2026

– Clara Lyu