Stimmenfang in der Karibik
Aktualisiert am 21.08.2026, 10:54 Uhr

FIFA-Präsident Gianni Infantino versucht offenbar alles, um seine Wiederwahl im nächsten Jahr zu sichern. (Archivbild)
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FIFA-Präsident Gianni Infantino steht nach seinem umstrittenen Plan, die kommerziellen Rechte des Weltverbands an private Investoren zu veräußern, massiv unter Druck. Nun plant er offenbar einen Besuch bei einem U14-Turnier in der Dominikanischen Republik – um dort Stimmen für die Präsidentschaftswahl im März zu sammeln.
Der unter wachsendem Druck stehende FIFA-Chef Gianni Infantino setzt offenbar auf eine ungewöhnliche Taktik, um seine angeschlagene Präsidentschaft zu verteidigen: Wie der «Guardian» berichtet, will der Schweizer am Wochenende beim U14-Boys-Challenge-Turnier der Caribbean Football Union (CFU) in der Dominikanischen Republik auftreten – einem Turnier, das nicht einmal eine FIFA-Veranstaltung ist.
Hinter dem Besuch steckt wohl politisches Kalkül: 21 der CFU-Mitgliedsverbände verfügen über ein Stimmrecht bei FIFA-Wahlen. Infantino erhoffe sich wohl, die Geschlossenheit des CONCACAFS-Blocks aufzubrechen und Unterstützung aus den kleineren karibischen Nationen für die Präsidentschaftswahl im kommenden März zu gewinnen, schreibt der «Guardian». Hochrangige CONCACAF-Funktionäre hätten ihn aber eindringlich aufgefordert, dem Event fernzubleiben.
Mögliches Aufeinandertreffen mit Herausforderer Montagliani
Brisant an dem geplanten Auftritt ist auch, dass Infantino dort auf seinen derzeit womöglich aussichtsreichsten Rivalen im Kampf um die FIFA-Spitze treffen könnte: CONCACAF-Präsident Victor Montagliani hat seine Teilnahme an dem Turnier bereits bestätigt. Montagliani gilt als treibende Kraft hinter der Opposition, die gemeinsam mit der UEFA und der Asiatischen Fußball-Konföderation (AFC) Infantinos Absetzung anstrebt.
Innerhalb der karibischen Fußballwelt sorgt Infantinos geplanter Besuch auch deshalb für erhebliche Unruhe. Der Verband der Dominikanischen Republik hatte die Einladung an den FIFA-Präsidenten Ende vergangenen Monats noch als Höflichkeitsgeste ausgesprochen – bevor der umstrittene Verkaufsplan bekannt geworden war. Inzwischen wachse der Druck, diese Einladung zurückzuziehen, berichtet das britische Online-Nachrichtenportal «Inside World Football«.
Infantinos Prioritäten in der Kritik
Ein anonym bleibender karibischer Verbandspräsident erklärte gegenüber dem Portal: «Seine einzige Absicht, zu einem U14-CFU-Turnier zu kommen, ist es, Politik zu betreiben. Er sollte eine Dringlichkeitssitzung des FIFA-Rats einberufen und sich seinen Mitgliedern stellen.» Die karibischen Verbände stünden geschlossen hinter der CONCACAF-Linie und seien es leid, von Infantinos Leuten als «zweitklassige Fußball-Bürger» behandelt zu werden.
Zusätzliche Brisanz erhält der geplante Besuch durch einen Vergleich mit der jüngeren Vergangenheit: Als die Dominikanische Republik im Herbst 2024 die U17-Frauen-Weltmeisterschaft ausrichtete – ein Prestigeprojekt für das Land –, glänzte Infantino durch Abwesenheit. Stattdessen weilte er in Katar beim Finale der Padel-Weltmeisterschaft.
Verkaufsplan stürzt FIFA in tiefste Krise seit 2015
Auslöser der gegenwärtigen Turbulenzen ist Infantinos Plan, die kommerziellen FIFA-Rechte über eine von Private-Equity-Kapital finanzierte Zweckgesellschaft zu veräußern – ein Vorhaben, das hinter verschlossenen Türen verhandelt und vor den eigenen Mitgliedsverbänden verborgen wurde. Die Krise gilt als die schwerste institutionelle Erschütterung des Weltverbands seit dem FIFAgate-Skandal von 2015, bei dem die US-Justiz Anklage gegen mehr als 40 Funktionäre erhob.
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UEFA, CONCACAF und AFC prüfen dem «Guardian» zufolge weiterhin die Möglichkeit eines formellen Misstrauensvotums. Gemäß den FIFA-Statuten kann ein außerordentlicher Kongress einberufen werden, wenn 43 der 211 Mitgliedsverbände einen schriftlichen Antrag einreichen. Die UEFA hatte darüber hinaus mit einem Boykott sämtlicher FIFA-Veranstaltungen gedroht. Erste Gespräche zwischen den Konföderationen über die Organisation eigener internationaler Wettbewerbe – unabhängig von der FIFA – sollen bereits stattgefunden haben. (red)
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