Vier Behandlungsgruppen im Vergleich
Alle Teilnehmer erhielten zunächst eine subgingivale Instrumentierung, also eine gründliche mechanische Reinigung unterhalb des Zahnfleischrands, und wurden zufällig vier Gruppen zugeteilt. Die Kontrollgruppe bekam nur Placebos, während eine zweite Gruppe 14 Tage lang dreimal täglich 400 Milligramm Metronidazol und 500 Milligramm Amoxicillin erhielt.
Eine dritte Gruppe nahm sechs Monate lang täglich drei Gramm Omega-3-Fettsäuren und 100 Milligramm Acetylsalicylsäure (ASS) ein, die vierte Gruppe erhielt beide Zusatztherapien. Nach drei, sechs und zwölf Monaten überprüften die Forscher den Zustand des Zahnfleischs und bestimmten, wie viele tiefe Zahnfleischtaschen nach der Behandlung verblieben.
Als primären Endpunkt wertet die Publikation aus, dass nach einem Jahr höchstens vier Stellen mit einer Sondierungstiefe von mindestens fünf Millimetern vorhanden sein durften. Solche tiefen Taschen zeigen an, dass die Erkrankung noch nicht ausreichend kontrolliert ist und weiterhin behandlungsbedürftige Bereiche bestehen. Im öffentlich zugänglichen Studienregister ist derselbe Endpunkt allerdings für sechs Monate nach der Behandlung als primärer Endpunkt angegeben.
57,7 Prozent erreichen das Therapieziel
Nach einem Jahr erreichten 58,6 Prozent der Patienten mit Antibiotika den festgelegten Endpunkt, in der Omega-3-ASS-Gruppe waren es mit 57,7 Prozent fast genauso viele. Mit beiden Zusatztherapien zusammen gelang dies 57,1 Prozent, während in der Placebogruppe nur 23,1 Prozent der Teilnehmer das Therapieziel erreichten.
Die drei Zusatzbehandlungen schnitten damit jeweils besser ab als die alleinige mechanische Therapie, besonders auffällig ist aber die nahezu identische Erfolgsrate von Antibiotika und Omega-3 plus ASS. Einen statistisch abgesicherten Gleichwertigkeitsnachweis zwischen diesen beiden Strategien liefert die Studie nicht, weil sie für direkte Vergleiche der Zusatztherapien nicht ausreichend dimensioniert war.
„Wir hatten erwartet, dass die Kombination aus Antibiotika und Omega-3 bei diesen Patienten die Parodontitis am wirksamsten kontrollieren würde. Wir gingen außerdem davon aus, dass die Ergebnisse der Gruppe mit Omega-3 und ASS etwas schlechter ausfallen würden als in der Antibiotikagruppe. Das Ergebnis war überraschend, weil beide Therapien sehr ähnlich abschnitten und sich damit die Möglichkeit eröffnet, diese Strategie als Behandlungsoption für diese Patienten zu nutzen“, sagt Nídia Cristina Castro dos Santos.
Auch bei sekundären Messgrößen zeigte sich ein Vorteil der Zusatzbehandlungen, denn in diesen Gruppen nahm die Zahl flacherer und damit günstigerer Zahnfleischtaschen stärker zu. Zugleich gingen tiefe Taschen ab fünf Millimetern stärker zurück als unter alleiniger mechanischer Behandlung, während die Kombination beider Zusatzstrategien keinen zusätzlichen Nutzen erkennen ließ.
Entzündungsauflösung statt zusätzlicher Antibiotika
Als mögliche Erklärung diskutieren die Forscher die Wirkung von Omega-3-Fettsäuren auf körpereigene Botenstoffe, die Entzündungen aktiv auflösen und die Gewebereparatur unterstützen können. Niedrig dosierte ASS kann die Bildung solcher Mediatoren fördern, doch dieser Mechanismus wurde in der klinischen Studie nicht direkt als Ursache des Behandlungserfolgs nachgewiesen.
„Der Nachweis, dass sich schwere Parodontitis durch eine Modulation der körpereigenen Reaktion behandeln lässt, ist eine neue und relevante Erkenntnis, die dabei hilft, Antibiotika für Situationen zu bewahren, in denen sie wirklich unverzichtbar sind“, sagt Magda Feres von der Harvard School of Dental Medicine (HSDM).
Für die klinische Praxis bedeutet das Ergebnis noch keinen routinemäßigen Ersatz von Antibiotika, zumal die untersuchte Gruppe ausschließlich aus Nichtrauchern ohne systemische Erkrankungen bestand. Die Studie war außerdem nicht für belastbare Direktvergleiche der drei Zusatztherapien ausgelegt, und ihre statistische Teststärke lag mit rund 75 Prozent etwas unter den geplanten 80 Prozent. Hinzu kommt, dass die Messung nach einem Jahr zwölf Monate nach der Antibiotikagabe, aber nur sechs Monate nach dem Ende der Omega-3-ASS-Einnahme erfolgte, was deren Ergebnis begünstigt haben könnte.
„Das ist ein wichtiger Schritt nach vorn, aber nicht das Ende der Geschichte. Die Botschaft lautet deshalb vorsichtiger Optimismus. Wir haben eine vielversprechende, wissenschaftlich plausible Alternative zu Antibiotika für ausgewählte Fälle. Für einen routinemäßigen Ersatz sind weitere Belege erforderlich“, sagt Magda Feres.
Weitere Untersuchungen sollen nun klären, welche Patienten besonders von welcher Zusatztherapie profitieren und wie sich die Behandlungen auf die Bakteriengemeinschaften in den Zahnfleischtaschen auswirken. Erst solche Daten können zeigen, ob Omega-3 plus ASS künftig gezielt als Alternative für bestimmte Patientengruppen eingesetzt werden kann.
Quellen:
23. August 2026
– Robert Klatt