Ein enger Zeitfaktor zeigte sich schon bei den neutralisierenden Antikörpern: Nach ihrer Gabe 48 Stunden nach der Infektion blieb bei fünf von sechs Tieren das Virus anschließend nicht mehr nachweisbar. Begannen dieselben Antikörper erst nach 72 Stunden, kam es hingegen bei allen sechs Tieren später zu einem Wiederanstieg. Leronlimab senkte die anhaltende Viruslast im Blut zwar um den Faktor 100 bis 10.000, beseitigte das Reservoir allein aber ebenfalls nicht, und auch Kombinationen mit ART reichten nicht durchgehend aus.
„Aus Gründen, die wir nicht verstehen, will HIV unbedingt CCR5-Rezeptoren nutzen, um Zellen zu infizieren. Indem man den Zugang blockiert, ist es so, als würde man dem Feuer den Brennstoff entziehen“, sagt Jonah B. Sacha.
Acht Tiere bleiben ohne Virusnachweis
Für den entscheidenden Versuch erhielten acht bereits virämische Rhesusaffen 72 Stunden nach der Infektion die Dreifachtherapie. Die ART wurde 27 Wochen lang gegeben, die beiden neutralisierenden Antikörper einmal zu Beginn und Leronlimab über mehrere Wochen, wodurch bei allen acht Tieren die Virenlast rasch unter die Nachweisgrenze sank.
Nach 27 Wochen setzten die Forscher die ART ab, doch bei keinem der acht Tiere kam es in den folgenden sechs Monaten zu einem Virusanstieg. Auch in Blut, Lymphknoten und anderen Geweben fanden die Wissenschaftler keine virale DNA. Selbst die gezielte vorübergehende Entfernung von CD8-T-Zellen, die bei Kontroll- und Vergleichstieren einen Virusanstieg auslöste, führte bei den acht dreifach behandelten Tieren zu keinem Rückfall.
Bei der abschließenden Untersuchung 84 Wochen nach der Infektion blieb der Befund bestehen: Weder intakte noch defekte Proviren waren in den untersuchten CD4-T-Zellen nachweisbar. Zudem fehlten die sonst erwartbaren antiviralen Immunreaktionen, was ebenfalls gegen eine fortbestehende Infektion spricht. Die Behandlung war bei den Tieren gut verträglich und beeinträchtigte ihre Gewichtsentwicklung nicht. Zusammengenommen sprechen die Ergebnisse dafür, dass sich in dieser Gruppe kein nachweisbares dauerhaftes Virusreservoir etabliert hatte.
Das Zeitfenster bleibt die große Hürde
Der Befund ist dennoch kein Nachweis, dass die Strategie HIV bei menschlichen Neugeborenen heilen kann. Die entscheidende Gruppe bestand aus nur acht Rhesusaffen, die Tiere wurden nicht zufällig auf die Gruppen verteilt, und behandelt wurde bereits 72 Stunden nach einer gezielten SHIV-Infektion. Unklar ist vor allem, wie weit sich dieses sehr frühe Zeitfenster ausdehnen lässt.
„Wir haben nur bis zu drei Tage nach der Infektion getestet. Könnte es eine Woche nach der Infektion funktionieren? Zwei Wochen? Wie lange kann man nach der Infektion warten und das Virus trotzdem noch beseitigen?“, sagt Jonah B. Sacha.
Für eine Übertragung auf Menschen spricht immerhin, dass ART bereits etabliert ist und sowohl breit neutralisierende Antikörper als auch Leronlimab getrennt in klinischen Studien geprüft werden. Die konkrete Dreifachkombination muss ihre Wirksamkeit und Sicherheit beim Menschen aber erst noch zeigen.
„Das wirklich Spannende daran ist, dass es sofort in klinischen Studien erprobt werden könnte, um HIV-Infektionen bei Neugeborenen zu beseitigen. Der nächste Schritt danach ist zu testen, ob dies bei neu exponierten Erwachsenen funktionieren kann“, sagt Jonah B. Sacha.
Die Publikation weist zudem einen Interessenkonflikt aus: Sacha und Koautor Scott G. Hansen haben erhebliche finanzielle Interessen an CytoDyn, einem Unternehmen mit möglichem kommerziellem Interesse an den Ergebnissen, und Sacha gehört dessen wissenschaftlichem Beirat an.
Quellen:
23. August 2026
– Clara Lyu