Mit beiden
Händen greift sich Anna Handler an die Magengrube. Dort, sagt sie, spüre sie
die Aufregung vor Konzerten am stärksten. Ein festes Ritual gegen die
Nervosität hat die 30-Jährige nicht. Manchmal betet sie ein schnelles
Vaterunser, manchmal feuert sie sich laut selbst an. Und manchmal hält sie die
Anspannung einfach aus. So wie an diesem Montag Ende Mai.

Handler steht
in Belfast in ihrer Garderobe, einem fensterlosen, stickigen Raum mit grauem
Teppichboden. Ihr Handgepäckkoffer liegt geöffnet auf dem Boden, aus ihm holt
sie jetzt die Partitur von Beethovens Fünfter. Es ist ein wichtiger Tag in der
Karriere der Dirigentin. Denn heute wird sie offiziell zur neuen Chefdirigentin
des nordirischen Ulster Orchestra ernannt. Aus diesem Anlass spielt sie mit dem
Orchester in der Waterfront Hall Beethoven, die Fünfte, die sogenannte
Schicksalssymphonie.