
Ein ukrainischer Soldat der Luftangriffstruppen nimmt hier am 14. August 2026 an einer Übung teil, um sich das burgunderrote Béret zu verdienen.bild: TETIANA DZHAFAROVA / AFP
In der Ukraine haben Drohnen und Roboter die Kriegsführung grundlegend verändert. Die Fallschirmjäger halten an klassischen Trainingsmethoden fest. Sie sind überzeugt, dass dieser Ansatz den Geist und den Charakter der Soldaten für den Einsatz an der Front stärkt.
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23.08.2026, 22:3623.08.2026, 22:36
Mykola ZAVGORODNIY, Ukraine / AFP
Mit den ersten Sonnenstrahlen eines kühlen Augustmorgens bereiten sich einige Hundert ukrainische Fallschirmjäger kurz vor Abschluss ihrer Ausbildung auf ihren allerersten Sprung vor. Auch im Zeitalter der Drohnen kann die Ausbildung für den Krieg ganz klassisch aussehen.
Die Soldaten sitzen hintereinander, die Ausrüstung ist fest auf ihren Rücken befestigt. Es handelt sich um eine Übung, und viele wissen, dass sie ihren Fallschirm unter echten Kriegsbedingungen wohl nie einsetzen werden.
Übersetzung
Dieser Text wurde von unseren Kolleginnen und Kollegen aus der Romandie geschrieben, wir haben ihn für euch übersetzt.
Krieg im Zeitalter von Drohnen und Robotern
Viereinhalb Jahre nach Beginn der russischen Invasion hat die Technologie den Krieg und die Rolle der Soldaten grundlegend verändert, wie der 24-jährige Ausbildner Axel erklärt:
«Soldaten mit Fallschirmen abzusetzen ist nicht realistisch, weil der Gegner sie leider sehr schnell ausschalten kann.»
Luftlandetruppen gelten in Armeen weltweit traditionell als Elite. Fallschirmabsprünge sind seit dem Zweiten Weltkrieg ein wichtiger Bestandteil militärischer Konflikte.
Doch das Bild eines Krieges, der von Infanterie und Kämpfen am Himmel geprägt ist, ist weitgehend überholt. Am Himmel dominieren Drohnen. Am Boden kämpfen Roboter und versorgen Truppen, die in den gefährlichsten Frontabschnitten festsitzen.
Rund 90 Prozent der Ziele werden inzwischen von Drohnen zerstört, berichtete das ukrainische Verteidigungsministerium im Juli.
Die angehenden Fallschirmjäger können das nicht ignorieren. Dennoch sind sie überzeugt, dass ihre Fähigkeiten, die vielleicht aus einer anderen Zeit stammen, weiterhin ihren Wert haben. Technologie könne nicht alles, sagt ein 21-jähriger Soldat mit dem Kampfnamen Karii. Er betont:
«Ich warte noch darauf, dass künstliche Intelligenz Kriege gewinnt und Gebiete befreit.»
Vorbereitung auf die harte Realität an der Front
In dieser Phase des Krieges werden die angehenden Fallschirmjäger eingesetzt, um die Front zu halten und russische Vorstösse zurückzuschlagen.
Der junge Offizier Roman Koulievytch, den wir bei diesem Training in der Zentralukraine treffen, räumt ein, dass an heroische Fallschirmabsprünge hinter den feindlichen Linien nicht zu denken ist. Dennoch bleibe das Training dafür «eine Tradition, die den Charakter formt und uns von anderen Teilen der Streitkräfte unterscheidet», sagt er.
Für Militärausbilder wie Axel hat eine Ausbildung nach alter Schule eine weitergehende Bedeutung:
«Das ist Teil der psychologischen Vorbereitung. So lässt sich feststellen, ob die Soldaten bereit sind, mit stressigen Situationen umzugehen, und wie sie sich ihren Ängsten stellen.»
Die gleiche Logik steckt hinter dem «Gewaltmarsch», einer gefürchteten Abschlussübung, bei der sich die Rekruten ihr rotes Béret als Fallschirmjäger verdienen können.
Sie müssen kilometerweit durch Sand und Sümpfe marschieren, begleitet vom üblen Geruch verwesender Tierkadaver und von Kunstblut – während ständig Explosionen und Schüsse zu hören sind. Dazu kommen die schrillen Schreie ihrer Ausbildner.
Zum Abschluss warten Nahkämpfe gegen drei erfahrene Fallschirmjäger, einer nach dem anderen. Karii fasst zusammen:
«Das prägt eure Einstellung und stärkt eure Motivation zu kämpfen, damit ihr wisst, dass ihr in einer kritischen Situation noch zu mehr fähig seid.»
Doch an der Front wird ihre grösste Angst wohl kaum einem Infanteristen gelten, der zum Kampf bereit ist, sondern dem unsichtbaren Gegner am Steuer einer Drohne. Für viele bedeutet das Überleben an der Front, tagelang ohne Ablösung auszukommen, mit Lebensmittelknappheit zu leben und ständig fürchten zu müssen, dass schon die kleinste Bewegung die eigene Position verrät. Die Ausbildner schliessen daraus, dass die mentale Vorbereitung umso wichtiger ist.

Ein Nahkampfduell während des Fallschirmspringertrainings.bild: TETIANA DZHAFAROVA / AFP
Die Menschen hinter den Maschinen
Während des Trainings unterbricht eine Luftalarmsirene die Flüge vorübergehend. Der Kommandant mischt seine Befehle mit Scherzen, als suche er das Gleichgewicht zwischen militärischer Disziplin und einer beinahe väterlichen Zuneigung zu seinen jungen Soldaten.
«Meine Herren, hört auf herumzualbern und helft euren Kameraden, die Fallschirme vorzubereiten. Sucht euch einen reizenden Lebensgefährten und macht euch an die Arbeit», ruft einer von ihnen. Ein Fallschirmjäger schüttelt einem seiner Kameraden die Hand und wünscht ihm arglos viel Glück. Der andere antwortet:
«Glück ist etwas für Verlierer. In unserem Beruf zählen Können und Mut.»
Iourii, ein Ausbilder für Hindernisparcours, hat sich mitunter gefragt, ob solche zermürbenden Übungen im Zeitalter der Drohnen noch nötig sind. Vielleicht würden eines Tages «nur noch technische Fachleute Krieg führen», meint er, bevor er hinzufügt:
«Aber letztlich kann eine Armee ein Gebiet nur halten, wenn dort eine echte Einheit präsent ist. Menschen, keine Roboter.»
Karii, der angehende Fallschirmjäger, stimmt zu und kommt zum Schluss:
«Hinter all dem steht in erster Linie ein Mensch. Und diese Menschen müssen auf höchstem Niveau sein.»

Der Gewaltmarsch ist eine der gefürchtetsten Übungen für Rekruten.bild: TETIANA DZHAFAROVA / AFP