Demo gegen «50-Grad-Sommer»

Zuletzt hatte sich der Klimastreik in Basel mehr auf Hintergrundarbeit konzentriert. Nach dem extremen Hitzesommer soll jetzt aber wieder mobilisiert werden. Kann so die Rückkehr der Klimakrise auf die politische Agenda gelingen?

Teilnehmer fordern ein klimaneutrales Basel an der Demonstration Ein Jahr Klimanotstand in Basel, am Sonntag, 16. Februar 2020. (KEYSTONE/Georgios Kefalas)2020 nahm der Klimastreik Basel ein. Zuletzt wurde es ruhiger. (Bild: Keystone)Auf den Punkt:

Für den 25. September 2026 wird von Parteien, Gewerkschaften und Verbänden national für mehrere Demonstrationen «Keine 50-Grad-Sommer» mobilisiert.

Auch in Basel wird derzeit eine grosse Demonstration geplant, die in Anbetracht des Hitzesommers an jenem Tag ein Zeichen für mehr Klimaschutz setzen soll. 

Der Basler Klimastreik war zuletzt in der Öffentlichkeit wenig aktiv. Die Demo soll nun den allgemeinen Hitzefrust mit den zugrundeliegenden Klimathemen verknüpfen.

Bei einem Sommer wie diesem traut sich niemand mehr, den Einfluss der Klimakrise kleinzureden. 39,7 Grad und endlose Hitzewellen sind kein «normaler Sommer» mehr, wie man ihn «von früher» kennt. Schon Ende Juli wurde eine markante Übersterblichkeit im Zusammenhang mit der Hitze vermeldet. Ausserdem sieht man in den Wäldern und Wiesen, die im Hochsommer schon nach Herbst aussehen, die Folgen der extremen Trockenheit. Diese hat nicht nur zur erhöhten Waldbrandgefahr geführt, wegen der dieses Jahr unter anderem das 1.-August-Feuerwerk ausfiel – sondern sie bringt die Landwirtschaft weiterhin wegen massiver Ernteausfälle in Bedrängnis. 

Auf politischer Ebene tut sich wegen des Hitzesommers bereits einiges. Doch die aktivistischen Kreise, die Klimapolitik überhaupt erst mehrheitsfähig gemacht haben, fielen während der vergangenen Wochen nicht mit kernigen Parolen und Appellen auf. «Wenn es 39 Grad hat, haben wir eben auch keine Lust, eine Demo zu organisieren», sagt Till Rechsteiner, seit vielen Jahren einer der Köpfe beim Klimastreik in Basel.

Doch jetzt wird sich das ändern: Auf nationaler Ebene wird für den 25. September zu einem Aktionstag «Keine 50-Grad-Sommer» mobilisiert. In einem Aufruf, der online geteilt wird, wird die Umsetzung eines Notfallplans für Hitze- und Klimaschutz gefordert. Konkret werden «massive» Begrünung der Städte, klimaresiliente Gebäudesanierungen, angepasste Arbeits- und Unterrichtszeiten sowie das Verbot von Arbeiten im Freien bei extremer Hitze als Massnahmen genannt.

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Das sind alles Klimaanpassungsmassnahmen. Der Appell pocht aber weiterhin auch darauf, zusätzliche Klimaerwärmungen zu verhindern – und sieht die Hitze als Aufruf, um mehr zu tun, damit die Schweiz ihre CO2-Emissionen senkt und Klimaneutralität anstrebt. Da Länder im globalen Süden von der Klimakrise noch stärker betroffen sind, wird im Appell auch die Klimagerechtigkeit und die Verantwortung der Schweiz erwähnt.

Das Ziel ist klar: Die Anliegen, welche der Klimabewegung zugrunde liegen, sollen wieder mehr in der Öffentlichkeit stattfinden. Seit drei Jahren werden Klimaschutz und Umweltkatastrophen im Sorgenbarometer der Schweiz nicht mehr an erster Stelle genannt, sondern Gesundheitskosten. Mit dem unmittelbaren Leid, das die Hitze diesen Sommer in der Schweiz ausgelöst hat, könnte Klimaschutz wieder an Bedeutung gewinnen.

Das will zumindest das Aktionsbündnis, das gerade die «Keine-50-Grad»-Demos vorbereitet, in der öffentlichen Wahrnehmung verankern. Demonstrationen soll es dann in der gesamten Schweiz geben. In Basel wird es auch eine grosse Demo geben. Das Bewilligungsverfahren für Ende September läuft derzeit, wie Till Rechsteiner vom Klimastreik bestätigt.

Er räumt ein, dass der Klimastreik in der letzten Zeit nicht sonderlich stark in der Öffentlichkeit stattfand – «was aber nicht heisst, dass wir untätig waren». In der Zeit nach Corona, in der es schwierig war, das Momentum für die Klima-Demos aufrecht zu halten, verlegte der Klimastreik seine Arbeit von der Strasse mehr in den Hintergrund. Schliesslich waren zumindest in Basel mit der Annahme des Netto-Null-Ziels bis 2037 auch schon Erfolge erzielt worden, deren politische Umsetzung man erstmal abwarten musste.

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Zuletzt, erklärt Rechsteiner, habe der Basler Klimastreik also eher daran gearbeitet, sich eine stabile Community aufzubauen. Im Mai veranstaltete man eine Challenge zu ökologischem Leben im Alltag für Schüler*innen, um bei Jüngeren wieder bekannter zu werden. Und auf Facebook erreicht die Basler Klimabewegung seit einigen Monaten neue Reichweite (die Kommentare fallen dort allerdings negativ aus). Inhaltlich hat sich der Basler Klimastreik in den vergangenen Monaten laut Rechsteiner stark mit der Landwirtschaft auseinandergesetzt und versucht, aufgrund der Trockenheit mit Bäuer*innen ins Gespräch zu kommen.

Die Demonstrationen am 25. September, die auf nationaler Ebene koordiniert werden, werden jetzt aber auch in Basel als neue Chance gesehen. «Damit könnte die Bewegung wieder höchste Relevanz erhalten. Wir glauben, dass wir so wieder einen Druck aufbauen können, den Regierung und Parteien spüren», sagt Rechsteiner. Die Allianzen, die sich dafür derzeit bilden würden, seien vielversprechend. «Man merkt, dass sich etwas zusammenkocht.»

Was genau in Basel geplant sein wird, will der Klimastreik in den kommenden Tagen kommunizieren.

David Rutschmanntracking pixel