Christina Eisenberger ist Journalistin und leitet seit März 2026 als Editorial Lead das Nachrichtenteam «Top News».24.08.202606:40Von: Christina Eisenberger
Beim Telefonieren lauscht das Gegenüber manchmal schon mit, während es noch tutet. Ein Experte warnen vor einer fiesen Technik-Falle beim Anrufen.
Wer jemanden anruft und während des Freizeichens flucht, lästert oder private Details ausplaudert, geht ein hohes Risiko ein. Das Smartphone kann die eigene Stimme unter Umständen schon mehrere Sekunden vor dem eigentlichen Abheben an den Gesprächspartner übertragen, wie der ORF berichtet. Betroffen sind potenziell alle Mobilfunknetze.
Verzögerung im Netz: Warum das Freizeichensignal täuscht
Ursache für die ungewollte Lauscher-Falle ist ein technischer Fehler bei der Netzübertragung. Handynetze übertragen Sprache und Steuerungssignale über zwei getrennte Datenkanäle.
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Laufen diese Kanäle nicht exakt synchron, schaltet das System das Mikrofon manchmal zu früh frei. Das Signal für den Freiton hinkt dann hinterher – der Anrufer hört noch das klassische Tuten, während der Angerufene am anderen Ende bereits alles mitbekommt.
Gernot Kubin vom Institut für Signalverarbeitung und Sprachkommunikation der TU Graz erklärt im ORF das Phänomen: „Es gibt einen eigenen Übertragungsweg für die Vermittlungsinformation und einen zweiten Übertragungsweg für die Gesprächsinformation – für die Sprache. Da kann es sein, dass diese beiden Daten-Kanäle nicht genau synchron laufen und dementsprechend dann zeitversetzte Effekte zu beobachten sind. Dann ist damit zu rechnen, dass vielleicht eine Systemkomponente schon früher umschaltet und daher das Mikrofon offen ist.“
ANZEIGEBis zu drei Sekunden Abhörzeit: Was Sie jetzt beachten müssen
Besonders vorsichtig sollten Verbraucher bei Hotlines sein. Callcenter können Mikrofone früher freischalten, um Anrufer bereits vor dem Gesprächsbeginn zu analysieren. Experte Kubin rät Anrufern daher zu einer einfachen Verhaltensregel: Schweigen, bis das Gegenüber hörbar abhebt und sich meldet. „Wäre durchaus eine Empfehlung, wenn man sozusagen Peinlichkeiten vermeiden möchte“, so der Signalforscher.
Neuer Trend bei Cyberkriminellen: KI fälscht Stimmen von Angehörigen
Unbedachte Äußerungen vor dem Abheben sind nicht das einzige Risiko am Telefon. Bereits kurze Sprachproben – etwa von Voicemail-Begrüßungen, Videos in sozialen Netzwerken oder eben ungewollt mitgehörten Telefonaten – reichen Betrügern heute aus, um Stimmen per künstlicher Intelligenz täuschend echt zu kopieren.
Vor dieser neuen Form des sogenannten „Vishing“ (Voice-Phishing) warnt das IT-Sicherheitsunternehmen Kaspersky. Die Experten erklären, dass die Täter geklonte Deepfake-Stimmen nutzen, um Familiennotfälle oder Anrufe von Vorgesetzten vorzutäuschen und Opfer unter extremen emotionalen Druck zu setzen.
Verdächtige Telefonate sollten sofort beendet und Angehörige selbst über eine abgespeicherte Nummer zurückgerufen werden. Um sich im Ernstfall abzusichern, empfehlen die Experten die Absprache eines privaten Codeworts innerhalb der Familie.