Darum geht’sSchweizer Sehenswürdigkeiten bekommen auf Google und Tripadvisor ganz oft Bestnoten – doch es gibt auch Kritik.blue News hat schlechte Bewertungen von elf beliebten Touristen-Hotspots ausgewertet.Am häufigsten ärgern sich Gäste über hohe Preise, lange Wartezeiten, Menschenmassen und schlechten Service – auch das Wetter sorgt immer wieder für Frust.Zusammenfassung erstellt mit
Tourist*innen, die in die Schweiz reisen, kommen meist mit ziemlich konkreten Erwartungen: spektakuläre Bergpanoramen, tiefblaue Seen, verschneite Gipfel und jene Bilderbuch-Kulissen, die man aus Reiseführern und von Instagram kennt.
Meistens geht die Rechnung auf: Schweizer Sehenswürdigkeiten werden auf Google und Tripadvisor überwiegend sehr gut bewertet. Doch zwischen all den Fünf-Sterne-Benotungen finden sich auch ganz andere Reiseerlebnisse.
blue News hat sich durch die Bewertungen von elf beliebten Schweizer Sehenswürdigkeiten gelesen und erfahren, was jene Gäste stört, die enttäuscht nach Hause gefahren sind.
Schilthorn: Viel Geld für wenig Aussicht
Das Schilthorn im Berner Oberland verspricht grosses Kino: James-Bond-Nostalgie, Drehrestaurant und ein Panorama mit Eiger, Mönch und Jungfrau. Bei gutem Wetter dürfte es schwierig sein, daran etwas auszusetzen.
Problematisch wird es, wenn das Wetter nicht mitspielt. Denn die Fahrt nach oben ist alles andere als günstig. Ein Tripadvisor-Gast ärgerte sich über einen Preis von 115 Franken ab Stechelberg – und darüber, dass der Service seiner Meinung nach mit diesem Preis nicht mithalten konnte: «Für 115 Schweizer Franken war der Service erbärmlich.»
Auch Baustellen, Wartezeiten und die Preise fürs Essen tauchen in kritischen Bewertungen auf. Besonders bitter ist die Rechnung natürlich dann, wenn oben statt Alpenpanorama hauptsächlich Nebel wartet.
Die wichtigste Schilthorn-Regel der enttäuschten Tourist*innen lautet deshalb: Wetter-App öffnen, bevor die Kreditkarte gezückt wird.
BärenPark Bern: Wo sind die Tiere?
Der BärenPark zählt wie das Bundeshaus und die Aare zu den bekanntesten Attraktionen Berns. Der Eintritt kostet nichts, die Lage am Fluss ist wunderschön – eigentlich denkbar schlechte Voraussetzungen für einen abfälligen Kommentar im Internet.
Beanstandungen gibt es trotzdem. Der häufigste Kritikpunkt ist dabei so simpel wie nachvollziehbar:
Besucher*innen beschreiben die Anlage teilweise als kleiner als erwartet oder beklagen, dass sich die Tiere während ihres Besuchs kaum oder gar nicht gezeigt hätten.
Natürlich lässt sich einem Bären schlecht vorschreiben, wann er für Ferienfotos zur Verfügung stehen soll. Für Gäste, die genau deswegen gekommen sind, bleibt die Enttäuschung trotzdem.
Gratis hin oder her: Wo BärenPark draufsteht, möchten Touristen offenbar auch Bären drin sehen.
Pilatus: Traumhafte Aussicht, endlose Warterei
Der Pilatus hoch über Luzern gehört zu den Schweizer Ausflugsbergen schlechthin. Zahnradbahn, Seilbahn, Blick auf den Vierwaldstättersee – landschaftlich gibt es in den Bewertungen wenig zu meckern.
Bei den Warteschlangen sieht es teilweise anders aus. Ein Tripadvisor-Gast berichtet von mehr als drei Stunden Wartezeit und macht seinem Ärger Luft: «So eine schlechte Organisation habe ich noch nie gesehen.»

Der Pilatus zählt zu den beliebtesten Ausflugsbergen der Schweiz: An der spektakulären Kulisse haben die Gäste kaum etwas auszusetzen.
IMAGO/Dreamstime
Auch andere Besucher*innen beschweren sich über volle Züge, lange Schlangen und wenig freundliche Mitarbeitende. Gerade an gut besuchten Tagen scheint aus dem gemütlichen Bergausflug schnell eine Geduldsprobe zu werden.
Das Ironische daran: Genau das schöne Wetter, das man für die perfekte Aussicht braucht, lockt natürlich besonders viele andere Menschen auf den Berg.
Die Aussicht ist Weltklasse. Die Warteschlange manchmal anscheinend auch.
Vierwaldstättersee: Das Essen verdirbt die Aussicht
Eine Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee klingt nach Schweizer Ferienwerbung in Reinform: tiefblaues Wasser, Berge ringsherum und noch ein historischer Raddampfer dazu.
Die Landschaft selbst kommt bei den Gästen entsprechend gut weg. Schlechtere Noten gibt es dagegen für das, was an Bord passiert – insbesondere für Gastronomie, Service und Preise.

Die Landschaft am Vierwaldstättersee begeistert, an Bord hingegen gibt es Kritik – vor allem an Gastronomie, Service und Preisen.
www.imago-images.de
Ein Gast fasst seine kulinarische Erfahrung auf Google so zusammen: «Das Einzige, was gesalzen war, war der Preis.»
Solche Beschwerden ziehen sich durch mehrere kritische Bewertungen: Die Fahrt sei wunderschön, aber für Essen und Getränke müsse man tief ins Portemonnaie greifen.
Die Aussicht gibt es auf dem Vierwaldstätter inklusive. Beim Rest merkt man schnell, dass man in der Schweiz unterwegs ist.
Genfersee: Stundenlang auf den Service warten
Auch auf dem Genfersee könnte die Ausgangslage kaum romantischer sein: gemütlich über das Wasser gleiten, die Uferorte vorbeiziehen sehen und dabei etwas essen oder trinken.
Doch offenbar kann selbst die schönste Kulisse irgendwann nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass niemand an den Tisch kommt.
Eine Touristin berichtet auf Tripadvisor von einer mehrstündigen Schifffahrt, während der sie und ihre Begleitung vom Service praktisch ignoriert worden seien. Ihr Urteil fällt entsprechend vernichtend aus: «Vermeiden Sie diese Schifffahrt um jeden Preis.»
Andere kritische Stimmen bemängeln ebenfalls Service und Organisation. Das Schiff fährt zwar zuverlässig weiter – bei der Bedienung wünschen sich manche Gäste offenbar dasselbe Tempo.
Eine Schifffahrt darf gemütlich sein. Beim Service hört die Entschleunigung für einige Tourist*innen allerdings auf.
Gornergrat: Das Matterhorn hat seinen Preis
Beim Gornergrat wird es für die Nörgler schwieriger. Die Zahnradbahn oberhalb von Zermatt VS bietet schliesslich genau das, wofür viele überhaupt in die Schweiz reisen: Berge, Gletscher und einen spektakulären Blick aufs Matterhorn.
Entsprechend positiv fallen die meisten Bewertungen aus. Wenn Kritik kommt, dreht sie sich häufig um einen alten Schweizer Bekannten: den Preis.

Zermatt VS bietet genau das, wofür viele Tourist*innen in die Schweiz reisen: Berge, Gletscher und einen spektakulären Blick aufs Matterhorn.
Keystone
Ein Gast bezeichnet den Ausflug auf Tripadvisor schlicht als «teuer». Besonders ärgerlich wird das natürlich bei schlechtem Wetter.
Denn wer viel Geld für einen der berühmtesten Ausblicke der Schweiz bezahlt und dann nur Wolken sieht, dürfte sich kurz fragen, weshalb er nicht einfach unten einen Kaffee bestellt hat.
Der Gornergrat ist deshalb weniger Touristenfalle als Wetter-Wette: Bei Sonne gewinnt man das Matterhorn. Bei Nebel eine ziemlich teure Wolke.
Rheinfall: Wunderschön – wären da nicht all die Touristen
Beim Rheinfall bei Schaffhausen ergibt sich ein interessantes Bild: Über den eigentlichen Wasserfall wird erstaunlich wenig gemeckert. Europas mächtigster Wasserfall liefert offenbar ziemlich zuverlässig ab.
Das Problem sind eher die Menschen, die ebenfalls auf die Idee kommen, ihn anzuschauen.

Beim Rheinfall bei Schaffhausen zeigt sich ein überraschend positives Bild: Der Wasserfall selbst kommt bei den Besucher*innen ausgesprochen gut weg.
IMAGO/Peter Schickert
Ein Besucher beschreibt in seiner Google-Bewertung, wie unterschiedlich das Erlebnis je nach Jahreszeit ausfallen kann. Während es bei einem früheren Besuch angenehm gewesen sei, sei es im Mai «sehr voll» gewesen.
Das ist natürlich eines der Paradoxe berühmter Sehenswürdigkeiten: Alle wollen sie sehen – und gleichzeitig wünschen sich alle, die anderen wären nicht da.
Der Rheinfall wäre für manche Besucher*innen wohl perfekt, wenn bloss niemand sonst davon wüsste.
Zoo Zürich: Voller Preis trotz Baustelle
Auch der Zoo Zürich gehört zu den Attraktionen, bei denen die positiven Bewertungen klar überwiegen. Wer sich durch die schlechten Kommentare arbeitet, stösst trotzdem auf einige wiederkehrende Ärgernisse.
Dazu gehören die Eintrittspreise, teure Verpflegung und insbesondere Einschränkungen durch Bauarbeiten. Ein Gast findet auf Tripadvisor, bei grösseren Baustellen wäre zumindest ein «preisliches Entgegenkommen» angebracht gewesen.
Vereinzelt gibt es ausserdem Kritik an der Tierhaltung oder daran, dass bestimmte Vierbeiner nicht zu sehen waren. Gerade bei einem relativ hohen Eintrittspreis steigen offenbar auch die Erwartungen entsprechend.
Die Rechnung der enttäuschten Gäste ist einfach: Weniger Zoo wegen Baustelle sollte ihrer Meinung nach auch weniger Eintritt bedeuten.
Titlis: Oben Schnee, unten Schlange
Schnee, Gletscher, Hängebrücke und Alpenpanorama: Der Titlis ist für internationale Touristen fast so etwas wie ein Schweizer Best-of auf 3000 Metern.
Doch bevor man oben das Panorama geniessen kann, muss man erst einmal hinaufkommen. Und genau da beginnt bei manchen der Frust.

Auf dem 3238 Meter hohen Titlis bekommen Tourist*innen vieles geboten, wofür die Schweiz weltweit bekannt ist.
sda
Kritisiert werden volle Gondeln, lange Wartezeiten und zusätzliche Kosten. Hinzu kommt wieder der grösste Feind des Schweizer Bergtourismus: schlechtes Wetter. Ein Gast schreibt auf Tripadvisor dazu unmissverständlich: «Bei schlechtem Wetter lohnt es sich einfach nicht.»
Denn der stolze Preis fühlt sich offenbar deutlich stolzer an, wenn die spektakuläre Aussicht hinter Wolken verschwindet.
Die Berge rund um den Titlis sind riesig. Die Kapazität der Gondel leider nicht.
Jungfraujoch: Top of Europe – und top bei den Preisen
Kaum eine Schweizer Sehenswürdigkeit wird international so stark vermarktet wie das Jungfraujoch. Auf 3454 Metern warten Schnee, Gletscher und Hochgebirgspanorama. Dafür nehmen Besucher*innen eine lange Anreise und einen stattlichen Ticketpreis in Kauf. Und genau deshalb sind die Erwartungen enorm.
Eine Touristin beschreibt ihren Besuch auf Tripadvisor als «extrem überfüllt» und «sehr teuer». Ein anderer Besucher geht noch weiter und bezeichnet das Jungfraujoch als «eine riesige Touristenfalle».
Neben dem Preis sorgen vor allem Menschenmassen und Wartezeiten für schlechte Laune. Selbst für bestimmte Fotospots muss man sich offenbar gedulden.
Wer mehrere hundert Franken für einen Tagesausflug ausgibt, erwartet verständlicherweise nicht unbedingt, anschliessend in einer Schlange für das Erinnerungsfoto zu stehen.
Top of Europe bedeutet eben nicht automatisch: allein auf dem Gipfel.
Ascona: Dolce Vita mit Schweizer Preisen
Palmen, pastellfarbene Häuser und der Lago Maggiore direkt vor der Nase: Die Seepromenade von Ascona TI gehört zu den Postkartenmotiven des Tessins. Bei Google kommt der Lungolago auf starke 4,7 Sterne. Doch nicht alle Gäste lassen sich vom mediterranen Charme einlullen.
Auf Tripadvisor stört sich ein Besucher vor allem am hohen Preisniveau. Sein vernichtender Vergleich mit dem nahen Italien: «Alles ist viermal so teuer wie in Italien.» Viel mehr als «Bling-Bling» habe Ascona zudem nicht zu bieten.

Die Seepromenade von Ascona TI zählt zu den bekanntesten Ausflugszielen im Tessin.
www.imago-images.de
Ein anderer Gast findet, dass die berühmte Promenade ihren Charme verloren habe. Zu viele Restauranttische und Stühle würden inzwischen den Lungolago dominieren. Seine Frage: «Kriegen wir denn nie genug?»
Auch beim Lido sorgt das Portemonnaie für schlechte Laune: Ein langjähriger Besucher lobt zwar den Badeplatz, ärgert sich aber darüber, dass der Parkplatz inzwischen kostenpflichtig und zudem teuer sei.
Das Dolce Vita kommt in Ascona ziemlich gut an. Weniger gut kommt an, dass es zu Schweizer Preisen serviert wird.
Worüber Touristen in der Schweiz wirklich meckern
Wer die schlechten Bewertungen über die Schweizer Sehenswürdigkeiten auf Google und Tripadvisor liest, entdeckt ein erstaunlich einheitliches Muster:
zu teuer, zu voll, zu wenig Service.
Dazu kommt eine Spezialität der Schweizer Bergwelt: das Wetterrisiko. Bei Sonnenschein ist der teure Ausflug plötzlich «einmal im Leben». Bei Nebel wird daraus schnell «Geld verschwendet».
Und vielleicht ist genau das die Pointe: Die Tourist*innen hassen nicht die Schweiz. Sie hassen es, viel Geld dafür zu bezahlen – und dann nicht das zu bekommen, was Reiseprospekte und Postkarten versprechen.
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